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"Dune": Das wird das Kino-Highlight des kommenden Jahres

Schon zweimal ist die Verfilmung des Science-Fiction-Bestsellers "Dune" gescheitert. Nun hat Denis Villeneuve das "'Star Wars' für Erwachsene" gedreht - und ist erzürnt darüber, dass der Film auch bei einem Streamingdienst erscheint.

Dass Vorfreude die schönste Freude ist, war schon lange nicht mehr so wahr wie in diesen Tagen. Das gilt auch fürs Kino. In Deutschland und in vielen anderen Ländern sind die Filmtheater geschlossen. Was bleibt, ist die Hoffnung auf bessere Tage. Einer der größten Filme, die im kommenden Jahr in die Kinos kommen sollen, ist "Dune", die Verfilmung des Science-Fiction-Romans von Frank Herbert. "Dune" - der Name allein schon ist ein Mythos. Nicht nur, weil Herberts Vorlage seit ihrem Erscheinen im Jahr 1965 als einer der ganz großen Romane des Genres gilt. "Dune" ist auch deshalb ein Mythos, weil die bisherigen Versuche, das komplexe Werk zu verfilmen, gescheitert sind.

Denis Villeneuve, frankokanadischer Filmemacher und spätestens seit dem Drogenthriller "Sicario" der vielleicht bedeutendste Regisseur der Gegenwart, hat sich des Stoffes angenommen. Und er hat es rechtzeitig gemacht - bevor die Corona-Krise weite Teile der weltweiten Filmindustrie lahmlegen konnte. Im März vergangenen Jahres begann er in Ungarn, Abu Dhabi und Jordanien mit den Dreharbeiten, vier Monate später war alles im Kasten. Eigentlich war ein Filmstart für Weihnachten 2020 geplant, doch daraus wurde natürlich nichts. Nun soll "Dune" am 30. September 2021 anlaufen - in Deutschland nur in den Filmtheatern, in den USA parallel zum Kinostart auch beim Streamingdienst HBO Max, der dem Filmstudio Warner gehört. Für Regisseur Villeneuve, den man vor dieser Entscheidung offenbar nicht nach seiner Meinung gefragt hatte, ein Unding. "Hier gibt es überhaupt keine Liebe für das Kino oder fürs Publikum", wetterte er in einem Gastbeitrag für das Branchenblatt "Variety". Dass sich Warner von seinen Plänen abbringen lässt, ist dennoch unwahrscheinlich.

Timothée Chalamet spielt in "Dune" Paul Atreides, einen jungen Mann, dessen Familie die Kontrolle über den Wüstenplaneten Arrakis übernehmen soll. Auf Arrakis befinden sich Minen, in denen Spice abgebaut wird, ein Rohstoff, der unverzichtbar ist in der Welt von "Dune". Denn das Spice, das es nur hier gibt, macht es möglich, durchs Weltall zu reisen. Und mehr noch, es hat auch die Fähigkeit, das Leben der Menschen zu verlängern und ihr Bewusstsein zu erweitern. Doch Pauls Familie ist nicht die Einzige, die Interesse hat an Arrakis, und so entbrennt ein Kampf um die Vormacht im Universum. Oscar Isaac spielt Leto Atreides, Pauls Vater, Rebecca Ferguson ist Lady Jessica, Letos Partnerin. Josh Brolin ist als Pauls Mentor zu sehen, Stellan Skarsgård spielt den Bösewicht Baron Harkonnen.

Salvador Dalí als Weltraum-Imperator

Große Namen freilich sind nicht genug, um einen Film zum Erfolg zu machen, schon gar nicht ein Mammut-Projekt wie "Dune". Das musste schon David Lynch äußerst schmerzhaft feststellen, als er sich Anfang der 80er-Jahre an eine Verfilmung von Herberts Roman machte. Sein "Wüstenplanet", so der deutsche Verleihtitel, bot Stars wie Jürgen Prochnow und Sting auf, wurde aber dennoch zum Desaster. "Ich wusste, dass ich mich auf etwas einließ, für das ich nicht der Richtige war", schrieb Lynch Jahre später in seiner Autobiografie "Room to Dream". Sein "Wüstenplanet" verschlang Unsummen und wurde von den Produzenten im Schneideraum derart verstümmelt, dass 1984 schließlich ein Film in die Kinos kam, den man kaum verstand. Immerhin, für Kyle MacLachlan, der damals den Paul Atreides spielte, war "Dune" der Beginn einer Weltkarriere.

Dass "Dune" ein schwieriger Stoff ist, hätte Lynch eigentlich wissen können (auch wenn er in seiner Autobiografie behauptet, von dem Roman nie zuvor gehört zu haben). Schon Jahre vor ihm hatte sich ein nicht weniger extravaganter Regisseur an dem Epos versucht: Alejandro Jodorowsky. Der Chilene war mit Filmen wie "El Topo" und "Der heilige Berg" zum Underground-Liebling geworden". 1975 hatte man Jodorowsky mit den Dreharbeiten zu "Dune" beauftragt, ein Großprojekt, an dem er nur scheitern konnte. Sein "Dune" aber hatte das Zeug zum Meisterwerk, das zeigen die vielen Storyboards, die von damals erhalten sind und die in der Dokumentation "Jodorowskys Dune" zu sehen sind. Kein Geringer als Salvador Dalí sollte die Rolle von Imperator Shaddam IV. übernehmen, für 100.000 Dollar pro Minute Leinwandzeit, Pink Floyd die Musik komponieren, H. R. Giger das Setdesign entwerfen. Als bereits zwei Millionen Dollar ausgegeben waren, zogen sich die Produzenten zurück, und Jodorowskys vielleicht bester Film wurde nie gedreht.

Ein Projekt in guten Händen

Mit Denis Villeneuve hat "Dune" nun einen Regisseur gefunden, der Erfahrung hat mit kostspieligen Großprojekten. Der 1967 in Quebec geborene Filmemacher machte 2010 mit dem Drama "Die Frau die singt - Incendies" auf sich aufmerksam, drehte später den Entführungsthriller "Prisoners" (mit Hugh Jackman und Jake Gyllenhaal) sowie das geheimnisvolle Psychodrama "Enemy". Mit "Sicario" inszenierte er einen der spannendsten Filme der letzten Jahre, bevor er 2016 schließlich seinen ersten Science-Fiction-Film drehte: In "Arrival" ließ er Außerirdische auf der Erde landen und eine Linguistin mit den Wesen Kontakt aufnehmen. "Arrival", das war einer der ungewöhnlichsten Beiträge zum Science-Fiction, ein Nachdenken über das Sein und die Sprache und gleichzeitig unglaublich fesselnd. Ein Jahr später das nächste Meisterwerk, "Blade Runner 2049", die Fortsetzung von Ridley Scotts Kultfilm und mindestens so groß wie das Original.

"'Dune' ist meine Welt", hat Villeneuve vor ein paar Jahren gesagt. Nicht weniger als ein "'Star Wars' für Erwachsene" wolle er drehen - ähnliches übrigens erwarteten die Produzenten einst von David Lynch. Villeneuves "Dune" soll sich eng an der Vorlage orientieren, den Roman aber auch in die Gegenwart (beziehungsweise in die Welt vor Corona) überführen. Die Frauenrollen hat Villeneuve gestärkt, und auch die ökologische Botschaft des Filmes dem Vernehmen nach mehr ins Zentrum gerückt. Frank Herberts Roman handelt auch vom fragilen Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt, eine Botschaft, die heute kaum relevanter sein könnte.

Dass sein "Dune" endlich der Film wird, auf den "Dune"-Fans seit Jahren warten - Denis Villeneuve scheint fest davon überzeugt zu sein. Er hätte nie zugesagt, "Dune" zu drehen, wenn er die Handlung des Buches in einen einzigen Film hätte quetschen müssen, sagte der Regisseur vor einigen Monaten im Interview mit "Vanity Fair". "Diese Welt ist zu komplex." Und so ist der Film, der 2021 in die Kinos kommt, nur die erste Hälfte - und die Fortsetzung bereits in Planung. Sofern es sich Villeneuve in seinem Zorn über die Entscheidung, "Dune" auch bei HBO Max zu zeigen, nicht doch noch anders überlegt. "Warner Bros. hat vielleicht das 'Dune'-Franchise getötet", sagte der Regisseur kürzlich. Man will es nicht hoffen. Denn einer, der im vergangenen Jahr beim Dreh dabei war, schwärmte unlängst in höchsten Tönen von dem, was er da sah: "Das wird für immer die maßgebliche Adaption sein", sagte Brian Herbert. Und dieser Brian Herbert ist kein Geringerer als der Sohn jenes Mannes, der die Welt von "Dune" einst erschuf.