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Ein Kinofestival ohne Kino

Schon vor einem Jahr sprach bei der Berlinale jeder über das große Thema Corona. Dass das Festival 2021 wirklich nicht wie gewohnt würde stattfinden können, daran glaubte kaum jemand.

Es scheint ewig her zu sein - und doch ist nur ein Jahr vergangen. Rückblick: Ende Februar 2020 startete die Berlinale. Die erste übrigens nach dem Abschied von Dieter Kosslick und nun mit Carlo Chatrian als Künstlerischer Leiter und Mariette Rissenbeek als Geschäftsführerin. Viel hatten sie sich vorgenommen. "In Zeiten, in denen das Ich ideologisch, religiös und als Identitätsgarant immer mehr in den Vordergrund drängt, sollten wir nicht vergessen, dass die Bildwelt des Kinos anders als die Bildwelt der Werbung immer auf eine Gemeinschaft zielt", erklärte Chatrian.

Durchaus mit Sorge blickten die Verantwortlichen schon damals auf die Corona-Situation. Die Sanitäranlagen der Festivaleinrichtungen wurden flächendeckend mit Desinfektionsmitteln versorgt. Mitarbeiter und Gäste des Festivals wurden informiert, welche Abläufe und Meldewege einzuhalten sind, falls es zu einem Verdachtsfall kommt. Das Institut für Virologie und die Sonderisolierstation an der Charité stand bereit. Darüber hinaus wurden einreisende Gäste aus China und anderen betroffenen Regionen vom Robert-Koch-Institut an den Flughäfen umfassend informiert. Es ging gut. Doch heute klingt all das wie aus einer anderen Zeit. Eine Großveranstaltung mit Hunderten Kinovorführungen, Tausenden Gäste aus aller Welt auf engstem Raum? Das scheint Lichtjahre entfernt zu sein.

Aber: Ohne "Berlinale" soll es auch 2021 nicht gehen. Ob ein Kinofestival ohne Kino wirklich sinnvoll ist, sei dahingestellt. Indes wurde entschieden, dass zunächst der Pragmatismus und dann die Hoffnung regieren dürfen. Die Berlinale findet demnach in zwei Teilen statt: Von 1. bis 5. März können Journalisten und Fachbesucher die Wettbewerbsfilme sowie die Beiträge aus anderen Sektionen online sichten. Für das allgemeine Publikum öffnet sich das Festival dann, wenn das Virus mitspielt, im Sommer: Von 9. bis 20. Juni soll ein Großteil der Filmauswahl in Berliner Kinos gezeigt werden. Man fühle sich, ließ die neue Leitung verlauten, nicht nur den Filmemacherinnen und Filmemachern verpflichtet, sondern auch dem Publikum. "Im Juni werden wir Flagge fürs Kino zeigen. Wir möchten ein großes Fest für Filmfans veranstalten und das Publikum endlich wieder mit Kino bezaubern." Man wird sehen müssen ...

Vier deutsche Filme im Wettbewerb

"Wenn Realität nervt, können Filme etwas anderes bieten." Mit diesem schönen Satz wird auf das reichhaltige Programm verwiesen. 15 Filme werden im Wettbewerb um den Goldenen und die Silbernen Bären dabei sein. Dabei dominieren die deutschen Produktionen. Darunter "Nebenan", das Regiedebüt von Daniel Brühl, die Erich-Kästner-Verfilmung "Fabian" von Dominik Graf, "Ich bin dein Mensch" von Maria Schrader und der Dokumentarfilm "Herr Bachmann und seine Klasse" der bayerischen Regisseurin Maria Speth. Das diesjährige Programm, so Chatrian, "betont die Macht, die menschliche Beziehungen haben".

Ebenfalls um den Goldenen Bären bewerben sich "Albatros" von Xavier Beauvois, die internationale Koproduktion "Memory Box" des Künstler- und Regie-Duos Joana Hadjithomas und Khalil Joreige, "Bad Luck Banging Or Loony Porn" von Radu Jude, Céline Sciammas "Petite Maman" sowie "Introduction" des Koreaners Hong Sangsoo. Auffällig: US-amerikanische Produktionen sind diesmal nicht vertreten. Internationale Stars finden sich nur außerhalb des Wettbewerbs. So wird in der Sektion "Berlinale Special" unter anderem "The Mauretanian" mit Benedict Cumberbatch und Jodie Foster gezeigt. Dazu kommen "French Exit" mit Michelle Pfeiffer, "Best Sellers" mit Michael Caine und Veronica Ferres sowie eine Dokumentation über Tina Turner.

Mit dem Goldenen Bären wurde im vergangenen Jahr der Episodenfilm "Doch das Böse gibt es nicht" des Iraners Mohammad Rasoulof ausgezeichnet. Rasoulof ist nun auch Teil der Wettbewerbs-Jury - zusammen mit Preisträgern der vergangenen Jahre: Nadav Lapid ("Synonyme"), Adina Pintilie ("Touch Me Not"), Ildikó Enyedi ("Körper und Seele"), Gianfranco Rosi ("Seefeuer") sowie Jasmila Zbanic ("Grbavica"). Die Preisträger werden im März bekannt gegeben, die Preisverleihung soll im Sommer stattfinden.



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