Es wird wieder geblitzdingst!

Will Smith und Tommy Lee Jones haben ausgedient - Tessa Thompson und Chris Hemsworth übernehmen! Erweist sich das "Thor"-Dreamteam als würdiger Nachfolger des kultigen Agenten-Duos? Und was ist eigentlich mit Jérôme Boateng?

Die "Men in Black" sind zurück - allerdings ist damit nicht das ursprüngliche Duo aus Will Smith und Tommy Lee Jones gemeint. Stattdessen ist die neue Sci-Fi-Action-Komödie von Regisseur F. Gary Gray ("Fast & Furious 8") als Spin-Off angelegt. In "Men in Black: International" stehen zwei komplett neue Agenten im Mittelpunkt, die von Tessa Thompson und Chris Hemsworth verkörpert werden. Können sie ihren Vorgängern das Wasser reichen?

Agent H (Hemsworth) ist ein Held in der Londoner "MiB"-Abteilung: Gemeinsam mit seinem Boss High T (Liam Neeson) verhinderte er einst eine Alieninvasion in Paris. Nun scheint es jedoch so, als kehre die damals abgewendete Bedrohung zurück: in Form von - im wahrsten Wortsinne - energiegeladenen Zwillingen (dargestellt von den französischen Tanzakrobaten "Les Twins"), die bei ihrer Suche nach einem Artefakt eine Spur der Verwüstung hinterlassen.

Es obliegt H, die Invasoren aufzuhalten. Hilfe erhält er dabei von Übersee: Die hochintelligente Molly (Tessa Thompson) ist neu im Team der US-MiB und hört auf den Namen Agent M. Weil sie im Kindesalter einem ausgebüxten Alien begegnete, wollte sie unbedingt zur allergeheimsten Geheimabteilung der Welt, die normalerweise jede Erinnerung an Alienkontakt mittels Neuralysator wieder löscht - die junge Molly ist dem "Blitzdingsen" aber vor 20 Jahren entkommen und suchte fortan nach einem Weg, um auch eine Agentin der "Men in Black" zu werden. Das ist ihr nun mit besonderem Spürsinn und einer großen Portion Hartnäckigkeit gelungen, weswegen sie zur Probezeit nach London geschickt wird.

Kurze Zeit später ermittelt sie schon gemeinsam mit H im Fall der Zwillinge. Als jedoch bei ihrer Mission ein wichtiger Informant stirbt, müssen sie erkennen, dass sie es wohl oder übel mit einem Feind in den eigenen Reihen zu tun haben: In der britischen MiB-Zentrale gibt es einen Maulwurf! Doch wer mag es sein?

Alles schon mal da gewesen

"Men in Black: International" macht etwas zu viel Aufhebens rund um die Suche nach dem Verräter - man ahnt bereits von Anfang an, wer wohl dahintersteckt. Die Geschichte der Sci-Fi-Comedy ist insgesamt nur selten richtig mitreißend, die Optik kann sich jedoch zweifelsohne sehen lassen. Die Actionszenen krachen und geizen nicht mit originellen visuellen Einfällen - insbesondere die Kräfte der Zwillinge sind stylisch in Szene gesetzt. Zudem harmonieren Hemsworth und Thompson prächtig miteinander und sorgen für die nötige Portion Humor, die seit jeher zur DNS der "MiB"-Reihe gehört. Kongeniale Unterstützung erhalten sie von einer kleinen lebendigen Schachfigur namens Pawny, die mit ihren flotten Sprüchen und ulkigen Aktionen großen Spaß macht - dem fantastischen Synchronsprecher Kumail Nanjiani sei Dank.

Obwohl Grays Film durchaus einen hohen Unterhaltungswert besitzt, kann man sich jedoch kaum des Eindrucks erwehren, dass man das alles schon mal irgendwo gesehen hat. Sicher, die gesamte Kinoreihe, die auf den Comics von Lowell Cunningham basiert, verstand sich schon immer als kurioser Mix aus Fantasy, Science-Fiction und einer gehörigen Portion 007. Doch im neuen Teil fehlt es einfach an Charme. Das Ganze ist handwerklich gut gemachte Hochglanz-Blockbuster-Kost - allerdings nicht mehr und nicht weniger. Das wird auch an vielen selbstzweckhaften Elementen ersichtlich. So darf das Brüder-Duo, das die Alien-Fieslinge verkörpert, in einer Club-Szene sein tänzerisches Talent unter Beweis stellen, ohne dabei einen nennenswerten erzählerischen Zweck zu erfüllen - ihre Performance wirkt seltsam deplatziert.

Selbiges lässt sich über den Cameo-Auftritt von Fußballer Jérôme Boateng sagen: Der Kicker ist auf einem riesigen Bildschirm in der "MiB"-Zentrale zu bewundern, darf jedoch kein einziges Wort sagen. In Zeiten von Smith und Jones funktionierten Gastauftritte noch ganz anders: Da waren Stars wie Steven Spielberg oder Lady Gaga tatsächlich nur ganz kurz zu sehen und rissen das Publikum somit nicht aus der Erzählung. Michael Jackson durfte sich hingegen in einem hervorragenden Gag um einen Job bei den Männern in Schwarz bewerben. Und Nicole Scherzingers Rolle stellte sogar den narrativen Motor des Prologs von "Men in Black 3" dar.

Die Qualität der vier "Men in Black"-Abenteuer gleicht in gewisser Weise einer Sinuskurve: mal sind die Filme top, dann wieder nur okay. So begeisterte Teil eins als origineller Genremix mit tollen Figuren und allerlei Alien-Kuriositäten; die Fortsetzung übertrieb es dann allerdings mit noch mehr Slapstick und CGI-Effekten; der dritte Film überzeugte wiederum als clevere und emotionale Zeitreisegeschichte mit 60s-Flair. Und "Men in Black: International" fehlt nun einfach das gewisse Etwas: Das Spin-Off sieht zwar super aus und ist ein durchaus solider Film geworden, der einen Kinobesuch lang gut unterhält. Ikonische Charaktere, kultige Sprüche und denkwürdige Szenen sucht man allerdings vergeblich.

Trailer " Men in Black: International"