Fassbinder-Schauspielerin Irm Hermann ist tot

Bekannt wurde sie als "Fassbinder-Zicke", entwickelte sich aber zu einer der gefragtesten Charakterdarstellerinnen Deutschlands: Nun ist Irm Hermann im Alter von 77 Jahren gestorben.

Bekannt wurde sie als "Fassbinder-Zicke", entwickelte sich aber zu einer der gefragtesten Charakterdarstellerinnen Deutschlands: Nun ist Irm Hermann im Alter von 77 Jahren gestorben.

In dem Kurzfilm "Der Stadtstreicher" (1966) trat Irm Hermann zum ersten Mal auf - und war in den folgenden Jahren in zahlreichen Filmen von Rainer Werner Fassbinder zu sehen, unter anderem auch in "Effi Briest" (1974) oder auch später in "Lili Marleen" (1980). Nun hat die Schauspielerin im Alter von 77 Jahren für immer ihre Augen geschlossen: Wie ihre Agentin Antje Schlag mitteilte, verstarb Hermann "nach kurzer, schwerer Krankheit" am 26. Mai im Alter von 77 Jahren.

Erst nach 1975 löste sie sich von Rainer Werner Fassbinder und arbeitete mit weiteren Erfolgsregisseuren zusammen wie Werner Herzog oder Percy Adlon. Zu ihren bekanntesten Filmen zählte "Woyzeck" (1979) neben Klaus Kinski, "Der Zauberberg" (1982) oder "Fünf letzte Tage" (1982). 1986 wirkte sie erstmals in der ARD-Krimireihe "Tatort" mit, von 2008 bis 2011 übernahm sie eine Rolle in der ARD-Serie "Die Stein". In den letzten Jahren trat sie in Serien wie "Rosenheim Cops", "Doctor's Diary" oder "Der Bulle und das Landei" auf. Zuletzt spielte sie in dem Kinoerfolg "Fack ju Göhte 3" (2017) und in der sechsteiligen Fernsehserie "Labaule & Erben" mit.

"Die Fassbinder-Zicke"

Doch trotz ihrer langen Filmkarriere wird sie immer mit den unzähligen Fassbinder-Filmen verbunden bleiben. Er entdeckte Hermann in den 60er-Jahren, als die gelernte Verlagskauffrau noch als Sekretärin arbeitete. In seinen Filmen spielte sie immer die verdruckste Spießerin, die intrigante Denunziantin, die hinter der bürgerlichen Fassade den Hexentanz übte. "So sah mich Fassbinder am liebsten. Andere Rollen ließ er gar nicht erst zu", erzählte die gebürtige Münchnerin einst. Dabei wollte sie so gern wie die Schygulla sein - "schön, begehrenswert, geheimnisvoll".

Doch der Meister hatte anderes im Sinn, besetzte sie nach seiner Vision. So blieb sie Zeit seines Schaffens die Anti-Heldin, "die Fassbinder-Zicke - und letztlich hat er mich damit aufgebaut", so Hermann, "Das Spießertum kenne ich genau. Ich stamme selbst aus kleinbürgerlichen Verhältnissen und spielte die kleinen Bosheiten aus dem Stegreif." Hermann hinterlässt ihren Ehemann, den Kinderbuchautor Dietmar Roberg, und zwei Söhne.