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Heimat - mit oder ohne Rosine

Mit dem "Kaiserschmarrndrama" kommt die siebte Verfilmung eines Rita-Falk-Krimis rund um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer in die Kinos. Wobei: Ein echter Krimi ist das nun wirklich nicht mehr ...

Zumindest in Bayern lassen sich die Menschen klar in zwei Kategorien einteilen: jene, die ihren Kaiserschmarrn mit Rosinen essen. Und die anderen, die die Rosine im aus Mehl, Milch, Eiern und etwas Zucker und Salz bestehenden Teig verteufeln wie derselbige das Weihwasser. Dazwischen ist niemand, und die paar, die die Süßspeise gar nicht mögen, sind ohnehin zu vernachlässigen. Mit den Regionalkrimis von Rita Falk verhält es sich ähnlich. Für die einen sind sie grandiose Unterhaltung mit Entspannungsfaktor 100. Für die anderen ein trivialer, klischeebeladener Mist. Und ein paar, die sind dann oft unter 30, kennen sie gar nicht.

Mit dem "Kaiserschmarrndrama" kommt nun die mittlerweile siebte Verfilmung eines Rita-Falk-Krimis rund um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer in die Kinos. Coronabedingt mit deutlicher Verspätung. Eigentlich startet inzwischen jährlich eine neue, und jedes Mal laufen die stets von Regisseur Ed Herzog mit zauberhaft leichter Hand verfilmten Komödien bestens auch im großen Kinosaal. Dass es diesmal deutlich schwieriger wird - damisches Virus, damisches - dafür kann ja niemand was.

Ein "Regionalkrimi" also, nicht erst seit Kurzem der Deutschen liebster Zeitvertreib. Wobei man schon sagen muss: Das "Kaiserschmarrndrama" hat viel Regionales, aber ein Krimi ist das nun wirklich nicht mehr. Schon im Buch spielte der Mordfall, den es im fiktiven Niederkaltenkirchen gibt, eher eine untergeordnete Rolle. Im Film streng genommen eigentlich gar keine mehr. Ein bisschen schade ist das schon, denn als Fan wünscht man sich dann doch, Teil eines "Whodunnit"-Ratespiels mit überschaubarer Verdächtigenauswahl zu werden, so wie es die Kollegen aus Wolfratshausen in der "Hubert mit oder ohne Staller"-Serie im Fernsehen so wunderbar zelebrieren. Da wird fleißig ermittelt, und ganz nebenbei offenbaren sich die Macken und merkwürdigen Eigenarten der Hauptfiguren. Beim Eberhofer ist's genau andersherum.

Der Eberhofer ist Heimat

Der Vollständigkeit halber hier dennoch der Fall: Das Webcam-Girl Simone aus dem Dorf wird ermordet. Offenbar hatte die Dame auch einige lokale Kunden wie etwa den Metzger Simmerl (Stephan Zinner) und den Heizungspfuscher Flötzinger (Daniel Christensen). Irgendwann gibt's es dann noch eine zweite Leiche an gleicher Stelle im Wald, sodass sogar die einigermaßen verhasste Chefin Thin Lizzy (Nora Waldstätten) nach Niederkaltenkirchen kommen muss, um den (Serien?)-Mörder dingfest zu machen. Dazu beitragen wird sie wenig, und auch der Eberhofer (Sebastian Bezzel) ist von all dem nicht wirklich gefordert.

Weit mehr beschäftigt ihn da das Privatleben rund um seine Familie und Freunde, das auch diesmal etwa 90 Prozent des Films ausmacht. Es wird, wie das vielerorts im Ländlichen so ist in Bayern, gebaut auf dem Grundstück der Eltern. Freundin Susi (Lisa Maria Potthoff) engagiert sich fleißig beim Entstehen der beiden Doppelhaushälften. Dass die zweite dem verhasstem Bruder Leopold (Gerhard Wittmann) und dessen Familie gehört und das neue Patchwork-Glück in einer Gemeinschaftssauna kulminiert, findet der Eberhofer so gar nicht gut. Sein Engagement in Kachelfarbenfragen und darüber hinaus hält sich jedenfalls in Grenzen.

Wer völlig durchdreht, ist Papa Eberhofer, der gerade von einem längeren Spanien-Aufenthalt zurückkehrt. Sein Ausraster, als er den modernen Rohbau auf seinem Grundstück entdeckt, ist der humoristische Höhepunkt des gesamten Films. Was seiner Familie denn einfiele, so eine "bourgeoise Scheißhüttn" zu errichten, poltert er in Phase eins. In Phase zwei folgen hingepinselte Gentrifizierungsklagen, in der dritten dann ein veritabler Sitzstreik in luftiger Höhe. Eisi Gulp als cholerischer, chronisch schlecht gelaunter Vater ist ein Segen für diesen diesmal bisweilen doch eher nicht ganz so originellen Film.

Das im Titel erwähnte "Drama" nimmt seinen Lauf

Recht häufig bediente man sich diesmal altbekannter Stilmittel: Ob nun die irren Träume vom Flötzinger im Liebesrausch oder das ausufernde Besäufnis in der lokalen Gaststätte - alles schon dagewesen. Wer's bekritteln mag, bemängelt also fehlende neue Ideen. Die anderen, die Mehrheit sicher, freut sich eben genau auf diese vertrauten Dorfturbulenzen. Zumal sie eben weiterhin mit ungeheurem Charme und viel Liebe erzählt sind. Dazu großartig gespielt und sicher balancierend zwischen politischer Unkorrektheit und menschlicher Vernunft. Der Eberhofer im Kino ist dann schon ein Stück weit Heimat, so wie sie in rustikal-charmanten Gegenden gelebt und geliebt wird.

Aber eines ist dann doch neu: Das im Titel erwähnte "Drama" gibt es tatsächlich. Freilich nicht, weil der Eberhofer-Freund und treue Ermittlungs-Partner Rudi (Simon Schwarz) mit den Rosinen im Schmarrn und außerdem den Folgen eines Autounfalls hadert. Nein - aufmerksame Leser der Bücher wissen es längst: Es steht nicht gut um den Ludwig, den treuesten aller treuen Eberhofer-Gefährten. Der Hund ist ja auch schon 14 und nicht mehr ganz quirlig. Die Tierärztin (Olivia Pascal) schockiert den Eberhofer folglich mit wenig optimistischen Prognosen.

Das Drehbuch gibt fortan diesem Thema einigen Raum. Autor Stefan Betz machte das wirklich gut - mit der richtigen Mixtur aus Tragik und Humor, die bekanntlich eine jede gute Komödie ausmacht. Und so wird mancher Eberhofianer dann im Kino sitzen und ein winziges Tränchen verdrücken, was ja für einen luftig-leichten Regionalkrimi eher ungewöhnlich ist. Zum Troste sei ergänzt: Die Zukunft ist gesichert: Sie hat zwar nur drei Beine, aber schon einen kurzen Gastauftritt im Film.