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Mit Oscargewinnern und Blockbustern: Nach acht Monaten Corona-Pause ist das Kino zurück

Am 1. Juli öffnen bundesweit die Kinos - mit Dutzenden neuen Filmen, aber auch mit der bangen Frage nach der Zukunft der Branche: Haben die Filmtheater in Zeiten von Corona und Netflix noch eine Chance?

Acht lange Monate blieben die Kinoleinwände in Deutschland dunkel. Die Filmtheater hatten geschlossen, das Personal war in Kurzarbeit, Filmstarts wurden verschoben. Es war die zweite Corona-Welle, die die Republik im vergangenen Herbst immer weiter im Griff hatte und die auch das Kulturleben zum Erliegen brachte. Jetzt, da die Kinos langsam wieder öffnen, zeigt sich aber: Die meisten Betriebe sind glimpflich davongekommen. "Glücklicherweise sind uns bisher insgesamt nur acht Kinos in der Branche bekannt, die im Zuge der Pandemie Insolvenz angemeldet haben", sagt Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des größten deutschen Kinoverbandes HDF. "Die Lage ist relativ stabil, da eine Reihe von Hilfsmaßnahmen gegriffen haben, zum Beispiel die Fördermaßnahmen der Bundesregierung." Ähnlich sieht das Christian Bräuer vom Branchenverband AG Kino. "Die lange Schließung war extrem schmerzhaft", sagt er. "Dank der staatlichen Förderprogramme sind Kinoschließungen aber bislang die absolute Ausnahme."

Während die ersten Filmtheater bereits in den vergangenen Wochen ihre Türen öffneten, geht es für die meisten Kinos erst jetzt wieder los, am 1. Juli. Den Betreibern sei es wichtig, zeitgleich zu öffnen, sagt Christine Berg. "Das Kinogeschäft ist ein nationaler Markt. Nur wenn dieser auch flächendeckend geöffnet ist, werden neue Filme starten können." Die meisten Filmstarts werden von mehr oder minder teuren Werbe- und Pressekampagnen begleitet, die sich für eine Handvoll geöffneter Kinos kaum rentieren. Erst, wenn alle Theater gleichzeitig öffnen, lohnt es sich für die Verleiher, ihre Filme auch in die Kinos zu bringen.

Das bedeutet: Wohl nie zuvor in der Kinogeschichte drängten derart viele hochkarätige Filme gleichzeitig in die Kinos. "Die Startliste ist überwältigend", schwärmt Christian Bräuer. "Für das Publikum resultiert daraus eine unglaubliche Auswahl, gleich in den Startwochen warten mit den Oscar-Gewinnern, den deutschen Wettbewerbsbeiträge der Berlinale und bald den Titeln aus Cannes auch zahlreiche ausgewählte Filme."

Ein Kinohighlight nach dem anderen

Schon am ersten Starttag zeigt sich die ganze Vielfalt des Kinos. Da läuft der Mega-Blockbuster "Godzilla vs. Kong" an, ein viele Millionen Dollar teures Hau-drauf-Spektakel, gleichzeitig aber auch der dreifache Oscar-Gewinner "Nomadland". In dem Film von Chloé Zhao spielt Frances McDormand eine Frau, die nach dem Tod ihres Mannes und dem Verlust ihres Jobs als moderne Nomadin durch die USA zieht. "Judas and the Black Messiah" wiederum, fünffach oscarnominiert, erzählt ein hierzulande kaum bekanntes Kapitel der US-Geschichte, nämlich die Ermordung des Black-Panther-Aktivisten Fred Hampton im Jahr 1969. In "Der Spion" spielt Benedict Cumberbatch einen britischen Geschäftsmann, der zwischen die Fronten des Kalten Kriegs gerät, und in der Kinoadaption der britischen 70er-Jahr-Serie "Catweazle" wird Otto Waalkes zu zum Zeitreisenden.

Bereits in den Vorwoche starteten - dort, wo die Kinos bereits offen hatten - die Jugendbuchverfilmung "Chaos Walking" mit Tom Holland in der Hauptrolle, außerdem die Fortsetzung des Horror-Erfolgs "A Quiet Place" sowie die Komödie "Kings of Hollywood" (mit Robert De Niro, Morgan Freeman und Tommy Lee Jones). Weiter geht es ab 8. Juli mit dem Marvel-Spektakel "Black Widow" und eine Woche später mit dem PS-Blockbuster "Fast & Furious 9", der weltweit bereits um die 300 Millionen US-Dollar einspielen konnte. Beste Voraussetzungen eigentlich für volle Säle - oder?

Mit Maske im Saal?

Denn die Frage, ob das Publikum auch kommt, wenn all diese Filme jetzt starten, bleibt. Schließlich sind die Sommermonate eine an sich schon eher umsatzschwache Zeit fürs Kino, hinzu kommen in diesem Jahr noch die Einschränkungen durch die Pandemie. Maske am Platz, Maske nur in den Gängen, Abstand zwischen den Sitzplätzen - die Regelungen sind je nach Region und Inzidenz unterschiedlich. Als Treiber der Pandemie haben sich die Kinos im vergangenen Sommer, zwischen erster und zweiter Welle, jedenfalls nicht erwiesen.

"Kinos verfügen über bewährte Hygienekonzepte", sagt Christian Bräuer vom Branchenverband AG Kino. Er fordert einen "reduzierten Mindestabstand von einem Meter zwischen Besuchergruppen" und einen Verzicht auf die Maskenpflicht am Sitzplatz. "Einige Bundesländer und viele Nachbarstaaten haben dies bereits ermöglicht - ohne das ein einziger Fall bekannt ist, in dem ein Kino zum Infektionsherd wurde." Die HDF-Vorsitzende Christine Berg verweist darauf, dass es "für einen wirtschaftlichen Betrieb der Kinos zwingend erforderlich" sei, dem Publikum den Verzehr von Getränke und Snacks am Platz zu ermöglichen.

Wenn die Kinos ab 1. Juli wieder ihr Publikum begrüßen, laufen auch ein paar Filme an, die zuvor bereits bei Sky oder anderen Anbietern zu sehen waren, etwa das Superheldenspektakel "Wonder Woman 1984" und die Computerspielverfilmung "Mortal Kombat". Wenn man große Blockbuster, wie es die Pandemiemonate gelehrt haben, auch von Zuhause aus sehen kann, braucht es da das Kino überhaupt noch? Christine Berg vom Verband HDF ist überzeugt, "dass die Menschen es kaum erwarten können, ein Filmerlebnis wieder mit anderen vor der großen Leinwand zu teilen." Sie gibt sich, schon von Berufs wegen, optimistisch: Das Kino, sagt sie, ist "wieder da".