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Mord im Hause Gucci: Das sind die Kino-Highlights der Woche

"House of Gucci", "Gunpowder Milkshake" und "Benedetta": Das sind die Kino-Neustarts am 2. Dezember.

Von "Alien" über "Thelma und Louise" bis "Gladiator": Kaum ein Filmemacher ist derart vielseitig interessiert wie Ridley Scott. Da kann es schon mal vorkommen, dass man einen Film dreht, den dann keiner sehen will. So wie zuletzt das Ritter-Epos "The Last Duel", das trotz Matt Damon, Ben Affleck und Adam Driver in den Hauptrollen an den Kinokassen scheiterte. Regisseur Scott hatte sogleich einen Schuldigen für das Debakel ausgemacht: Millennials. "Heute haben wir ein Publikum, das mit diesen verdammten Handys aufgewachsen ist", schimpfte der Brite unlängst in einem Interview. "Die Millennials möchten nicht, dass man ihnen etwas beibringt - außer, man erzählt es ihnen auf dem Handy!"

Jetzt kommt schon wieder ein Ridley-Scott-Film in die Kinos, und diesmal scheint der Regisseur einen Nerv getroffen zu haben: "House of Gucci" legte in den USA einen guten Start hin - vielleicht ja, weil sich diese handyvernarrten Jugendlichen von heute eher für Mode-Dynastien interessieren als für rachsüchtige Ritter im Mittelalter. "House of Gucci" ist eines der Kino-Highlights der Woche, neben dem Action-Streifen "Gunpowder Milkshake" und dem Historienfilm "Benedetta".

House of Gucci

Die Fashion-Ikone Lady Gaga spielt in einem Film über das Modehaus Gucci - wie passend. Nach ihrer viel beachteten und oscarnominierten Rolle in "A Star Is Born" schmeißt sich die Sängerin und Schauspielerin in "House of Gucci" in Schale. "Alien"-Regisseur Ridley Scott erzählt in seinem Biopic vom Mord am Mode-Zaren Maurizio Gucci (Adam Driver), der 1995 Italien schockierte. Nachdem der seine Ex-Frau Patrizia Reggiani (Lady Gaga) in den 80er-Jahren für eine andere Frau verlassen hatte, heuerte Reggiani einen Auftragskiller an, der Gucci im Jahr 1995 erschoss. Reggiani, die als italienische Modeikone galt, wanderte für den Auftragsmord an ihrem Ex-Mann zwischen 1998 und 2016 ins Gefängnis.

Der Kinofilm - eine Mischung aus düsteren Familiengeheimnissen, Verrat und tödlichen Intrigen - adaptiert nun das Buch "The House of Gucci: A Sensational Story of Murder, Madness, Glamour and Greed" von Sara Gay Forden aus dem Jahr 2000. Neben Lady Gaga und Adam Driver gehören die Oscargewinner Jared Leto ("Dallas Buyers Club"), Al Pacino ("Der Duft der Frauen") und Jeremy Irons ("Die Affäre der Sunny von B.") zur Besetzung, ebenso wie Salma Hayek und Tom Ford.

Gunpowder Milkshake

Wie die Mutter, so die Tochter: Profikillerin Scarlet (Lena Headey, "Game of Thrones") muss nach einem Einsatz, der nicht ganz nach Plan lief, untertauchen. Zurück bleibt ihre Teenager-Tochter Sam, die Jahre später in die Fußstapfen ihrer schießwütigen Mom tritt. Und Sam (Karen Gillan, "Doctor Who") ist nicht weniger zimperlich als ihre Mutter: Um die Aufträge ihres Arbeitgebers, der geheimnisvollen "Firma", auszuführen, tötet sie, ohne mit der Wimper zu zucken. Doch jetzt hat sie den Falschen erwischt, den einzigen Sohn eines mächtigen Gangsterbosses. Und der hetzt ihr seine Killer auf den Hals, um seinen Sohn zu rächen. Aber auch Sam hat noch ein paar Rechnungen offen - mit ihrem Arbeitgeber etwa, der nach einem missglückten Einsatz seine eigenen Killer auf sie ansetzt. Ein Glück, dass Mutter Scarlet nach 15 Jahren im Untergrund rechtzeitig zur Stelle ist, um ihrer Tochter auszuhelfen.

In den USA wurde "Gunpowder Milkshake" bereits im Sommer bei Netflix veröffentlicht, hierzulande erscheint der Film zunächst nur im Kino. Und die große Leinwand ist tatsächlich die richtige Bühne für diesen Baller-Streifen, denn Regisseur Navot Papushado hat eine ziemlich stylishe Optik gefunden, um seine Heldinnen in Szene zu setzen. "Gunpowder Milkshake" erinnert ein wenig an die "John Wick"-Filme, ist allerdings weniger brutal, dafür aber auch deutlich humorvoller. Und Karen Gillan, die schon in den "Guardians of the Galaxy"-Filmen als Bösewichtin Nebula eine gute Figur machte, zeigt hier erneut, welche Action-Qualitäten in ihr stecken.

Benedetta

Italien zu Beginn des 17. Jahrhunderts: Die junge Benedetta wird von ihren Eltern in eine Abtei in der Toskana gebracht, um als Nonne ein Leben im Dienste Gottes zu führen. "Dein Körper ist dein Feind", erklärt ihr eine Schwester, als sie ihr zur Begrüßung ein kratziges Nonnengewand umlegt. "Am besten, du fühlst dich in ihm nicht zu Hause." Jahre später ist Benedetta (Virginie Efira) eine erwachsene Frau, die von seltsamen Visionen heimgesucht wird. Mal erscheint ihr Jesus Christus höchstselbst, dann wieder spricht sie in Zungen oder erwacht mit blutenden Stigmata aus dem Schlaf. Und sie verspürt Begierden, die in jener Zeit eigentlich nicht vorkommen dürfen: Als die gutaussehende Bartolomea (Daphne Patakia) in Benedettas Abtei eintritt, beginnen die beiden Frauen eine leidenschaftliche Affäre. Während im Land die Pest wütet, wird die Kirche auf die seltsamen Vorgänge unter den Nonnen aufmerksam.

"Benedetta" basiert auf wahren Begebenheiten: Benedetta Carlini (1590-1661) gab es wirklich, auch ihre Beziehung zu einer Nonne ist belegt, und es gibt Aufzeichnungen über ihre Visionen. Der niederländische Regisseur Paul Verhoeven ("Basic Instinct") macht aus der Lebensgeschichte der Nonne einen mal einfühlsamen, mal reißerischen Film, zeigt sehr viel nackte Haut, vernachlässigt dabei aber die politische Dimension des historischen Falls.

Sehenswert ist sein auf Französisch gedrehtes Drama, das in diesem Jahr in Cannes im Wettbewerb gezeigt wurde, dennoch: Weil Verhoeven mit seinen noch weitgehend unbekannten Hauptdarstellerinnen zwei fantastische Schauspielerinnen vor die Kamera geholt hat und weil "Benedetta" spannende Einblicke ins Italien der Renaissance gibt.