Schöner sterben

You can check out any time you like, but you can never leave: In "Suicide Tourist" verschlägt es "Game of Thrones"-Star Nikolaj Coster-Waldau in ein Hotel für Sterbewillige.

Es ist einer dieser Sätze, die niemand gerne von seinem Arzt hört. "Wenn es etwas gibt, das Sie wirklich tun wollen, tun Sie es jetzt", sagt der Mediziner zu Max Isaksen (Nikolaj Coster-Waldau). Dass er krank ist, weiß Max da schon länger. Jeden Morgen fragt ihn eine App, wie es ihm heute geht (Schlaf: 6 von 10, körperliche Fitness: 5 von 10) und lässt ihn Zungenbrecher aufsagen, um sein Sprachzentrum zu trainieren. Der Hirntumor, der in Max' Kopf wächst, wird aber immer größer. Max wird von Schwindelanfällen geplagt, kippt manchmal unvermittelt um. Also entschließt er sich, seinem Leben ein Ende zu bereiten, bevor er seiner Frau Laerke (Tuva Novotny) zur Last fällt.

Man könnte meinen, "Suicide Tourist" wäre ein Film über selbstbestimmtes Sterben, über den Wert des Lebens und den Wert des Todes. Doch der Film des Dänen Jonas Alexander Arnby beginnt bereits seltsam, kalt, düster, unnahbar. Und dann ist da noch der deutsche Untertitel, "Es gibt kein Entkommen", der wenig subtil andeutet, dass man eher einen Thriller erwarten darf als ein gefühliges Melodram. Tatsächlich pendelt der Film aber über weite Strecken recht unentschlossen zwischen den Genres und überrascht auf den letzten Metern sogar noch mit einem Mystery-Element. Ob es geschmacklos ist, mit einem ernsten Thema so umzugehen, mag jeder selbst entscheiden. Ärgerlich ist es allemal, wenn sich ein Film nicht entscheiden kann, was er sein will, wenn sich ein Filmemacher nicht traut, sein Werk in eine Richtung zu steuern, sondern unentschlossen in der Luft hängen lässt.

Vom Königsspross zum Selbstmörder

Hauptdarsteller Coster-Waldau, der als inzestuöser Königsspross Jamie Lannister in der Serie "Game of Thrones" bekannt wurde, ficht das nicht an. Er versteckt sich zwar den ganzen Film über hinter einer hässlichen Brille und einem riesigen Oberlippenbart, spielt den sterbenskranken Max aber so überzeugend, wie es das Drehbuch zulässt. Zweimal will er sich von eigener Hand töten, doch beide Versuche gehen schief. Über eine Kundin, deren Mann sich das Leben genommen hatte - Max arbeitet für eine Versicherung -, erfährt er von einer Selbsthilfeorganisation für Sterbewillige.

Also reist er - nein, nicht in die Schweiz, sondern irgendwo hoch in den skandinavischen Norden, zu Aurora, wie sich der Verein nennt. Max geht in ein schlichtes, in nordischem Chic gehaltenes Hotel, rundherum schneebedeckte Berge, vor den großen Fenstern ein wilder Bach. Die Gäste, allesamt des Lebens überdrüssig oder eben auch todkrank, machen hier Atemübungen, versuchen, sich angesichts des aus ihrer Sicht Unausweichlichen zu entspannen. Es ist so schön hier, dass man eigentlich gar nicht mehr wegwill. Max unterschreibt dennoch die nötigen Papiere, bespricht mit seiner "Abschiedsberaterin" die letzten Dinge, und nimmt ein Video für seine Partnerin und wohl auch für die Behörden auf ("Wenn Sie das hier sehen, bin ich bereits tot ...").

Erzählt wird all das mit einer befremdlichen Distanz und äußerst unterkühlt. Mit Max mitzufühlen, seine Motivation und die der anderen Gäste im Selbstmordhotel nachzuvollziehen, fällt schwer. Als Max dann eine seltsame Entdeckung macht und merkt, dass etwas sehr faul ist in der tödlichen Idylle von Aurora, wird einem aber bewusst: "Suicide Tourist" ist kein bisschen daran interessiert, etwas preiszugeben über die innerste Motivation seiner Protagonisten. All die doch sehr oberflächlichen Einblicke in Max' Seelenleben dienen lediglich als Vorbereitung für eine sehr seltsame Wendung, die der Film irgendwann nimmt, die aber so spät kommt, dass man sich noch immer verwundert die Augen reibt, wenn der Abspann längst begonnen hat.

Trailer "Suicide Tourist"