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So großartig ist der Oscar-Gewinner "Nomadland"

Endlich auch bei uns im Kino: Der meisterhafte Oscargewinner "Nomadland" feiert die USA als Land einer grenzenlosen Freiheit, die ihren Preis hat.

Es war nicht einfach in den letzten Jahren, Amerika zu lieben. Joe Biden macht es einem seit ein paar Monaten ein Stück weit leichter, aber manch Narbe, die in den Trump-Jahren geschlagen wurde, verheilt nur langsam. Vielleicht braucht es deshalb den Blick einer Frau, die Amerika nicht für selbstverständlich hält, um den Zauber, der ja noch immer von diesem Land ausgeht, wieder einzufangen. Chloé Zhao, die für ihr Filmmeisterwerk "Nomadland" im Frühjahr den Regie-Oscar gewann (sowie den Preis für den besten Film), wurde 1982 in Peking geboren, ging als Jugendliche in England zu Schule und zog später in die USA. Die Enddreißigerin hat sich Traum von den USA als Land der grenzenlosen Freiheit erhalten, ist aber auch wachsam genug, um dessen Schattenseiten bloßzulegen.

Frances McDormand, die für diese Rolle ihren dritten Oscar als beste Hauptdarstellerin gewann, spielt Fern, eine Frau, die als moderne Nomadin durch die USA zieht. Ihre Heimat in Nevada hat sie allerdings nicht freiwillig verlassen. Erst starb ihr Mann, dann schloss das Gipswerk, das dem Ort Wohlstand und beiden über Jahre Arbeit gegeben hatten. Die Behörden wollen sie in den Vorruhestand schicken, Fern aber will arbeiten. Also verkauft sie fast all ihr Hab und Gut, erwirbt einen kleinen Van und baut ihn als Wohnwagen aus, der fortan ihr Zuhause wird. "Ich bin nicht obdachlos. Ich bin nur hauslos", sagt sie einmal, auch wenn sie ihr Geschäft in einen Eimer verrichten muss. "Das ist nicht dasselbe."

"Nomadland" lebt von den Begegnungen

Auch in den USA aber gibt es grenzenlose Freiheit nur im Tausch gegen harte Arbeit. Fern heuert in einem Amazon-Lager an, um im Weihnachtgeschäft auszuhelfen, schuftet auf einem Zuckerrübenfeld und in einem Restaurant. Vor allem aber lässt sie sich treiben, kreuz und quer durchs Land. Von den Begegnungen, die Fern dabei macht, lebt "Nomadland". Es sind zumeist Laienschauspieler, auf die Frances McDormand trifft. Etwa auf Bob Wells, der tatsächlich so etwas ist wie ein Nomade auf vier Rädern. Chloé Zhaos Film sprengt so die Grenzen zwischen Inszenierung und reiner Beobachtung. Durch Fern blickt Zhao, die auch das Drehbuch schrieb, auf das Land und auf seine Leute, vorurteilsfrei und schonungslos offen. Und wenn die Kamera zwischen all den Begegnungen immer wieder einen Sonnenuntergang oder Sonnenaufgang einfängt, dann ist das nie kitschig, sondern ehrlich und wunderschön.

Das Nomadentum, das Umherziehen nur mit dem, was man bei sich tragen beziehungsweise mit sich herumfahren kann, sei es im Van oder einst im Planwagen, wird in "Nomadland" zu ureigenen DNA der Vereinigten Staaten. Der Film - der zeitlos wirkt, aber im Jahr 2011 angesiedelt ist - feiert ein Gemeinschaftsgefühl unter den motorisierten Nomaden, das es womöglich so nie gab, aber ein wenig Idealismus gehört eben zum Träumen dazu. "Nomadland" hat keine wirkliche Handlung, sondern folgt Fern in ihrem Wohnwagen einfach unermüdlich durchs Land, und was nach nicht viel klingt, ist hier unglaublich viel.



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