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So ungewöhnlich wird die Oscar-Verleihung im Pandemie-Jahr

Am Sonntag, 25. April, werden zum 93. Mal die Oscars vergeben. Es könnte eine denkwürdige Veranstaltung werden.

Zwei von fünf: Gäbe es bei den Oscars so etwas wie eine Frauenquote, sie wäre in diesem Jahr beinahe erfüllt. Zumindest in einer Kategorie, stehen doch mit Emerald Fennell ("Promising Young Woman") und Chloé Zhao ("Nomadland") zwei Frauen auf der Liste der nominierten Regisseure. Das wäre eigentlich keine Nachricht wert, wenn die Oscar-Academy nicht so notorisch männerlastig abstimmen würde. In der langen Geschichte des wichtigsten Filmpreises der Welt durfte bislang nur eine Frau den Goldjungen in der Hand halten (Kathryn Bigelow für "Tödliches Kommando"), und im vergangenen Jahr waren mal wieder nur fünf Männer nominiert.

Auch sonst scheint sich bei den mehr als 9000 wahlberechtigten Mitgliedern der Academy herumgesprochen zu haben, dass Diversität das Gebot der Stunde ist. Insgesamt 70 Frauen wurden nominiert, und neun der 20 Männer und Frauen aus den vier Schauspiel-Kategorien sind nicht weiß. Fast scheint es so, als wollte man nach der historischen Wahl des südkoreanischen Thrillers "Parasite" zum besten im Film im vergangenen Jahr eins drauflegen. Zeit wurde es.

Zwar führt mit "Mank" möglich sind zehn Auszeichnungen) ein klassischer Hollywood-Stoff die Liste der Nominierten an, ein Film über die Entstehung des Drehbuchs von Orson Welles' Klassiker "Citizen Kane". Nominiert sind aber auch "Minari", die Geschichte einer koreanischstämmigen US-Familie, sowie "Judas and the Black Messiah" über einen Kämpfer der Black-Panther-Bewegung, der von Polizisten im Schlaf erschossen wurde. Großer Favorit, zumindest bei den Kritikern, ist aber "Nomadland" von Chloé Zhao. Frances McDormand, die ebenfalls auf einen Oscar hoffen kann, spielt in dem Roadmovie eine Frau, die in ihrem umgebauten Lieferwagen lebt und als moderne Nomadin durch die USA zieht. Sechsmal ist der Film nominiert, Vorschusslorbeeren gab es von den Festivals in Venedig und Toronto.

Viele unbekannte Filme

Neben McDormand stehen Viola Davis ("Ma Rainey's Black Bottom"), Andra Day ("The United States vs. Billie Holiday"), Vanessa Kirby ("Pieces of a Woman") und Carey Mulligan ("Promising Young Woman") auf der Liste der nominierten Hauptdarstellerinnen. Bei den Männern können Riz Ahmed ("Sound of Metal"), Anthony Hopkins ("The Father"), Gary Oldman ("Mank"), Steven Yeun ("Minari") sowie der im vergangenen Jahr verstorbene Chadwick Boseman ("Ma Rainey's Black Bottom") auf eine Auszeichnung hoffen.

Wer nun mit all diesen Filmtitel wenig oder gar nichts anfangen kann: keine Sorge! Eine Studie des Marktforschungsinstituts Guts+Data hat kürzlich 1.500 amerikanische Filmfans befragt, welche der Oscarkandidaten sie denn kennen. Mit dem zehnfach nominierten "Mank" konnten nur 18 Prozent der Befragten etwas anfangen, viel besser sah es auch bei den anderen Filmen nicht aus. Immerhin, Spitzenreiter "Judas and the Black Messiah" kannte fast jeder zweite. Dabei war es in diesem Jahr, trotz Pandemie und geschlossener Kinos, nicht unbedingt schwierig, sich in Oscar-Stimmung zu bringen.

Schließlich sind viele der nominierten Produktionen bei Streaminganbietern abrufbar. "Mank" und "The Trial of the Chicago 7" bei Netflix, "The Sound of Metal" bei Amazon, der Animationsfavorit "Soul" bei Disney+. Ob die Dominanz der Streamer in diesem Jahr eine Corona-bedingte Ausnahme bleibt oder neue Realität ist bei einem Filmpreis, der eigentlich Kinoproduktionen ehrt, bleibt abzuwarten.

Maske auf, Maske ab

Ungewöhnlich wird in diesem Jahr auf jeden Fall die Zeremonie. Zunächst hatte die Academy noch darauf bestanden, dass alle Nominierten nach Los Angeles kommen sollen. Nach Kritik ruderte man allerdings schnell zurück, schließlich macht Corona die Einreise in die USA nicht gerade leichter. Nun sollen sich die Kandidaten auch in Paris und London versammeln könne, um dann live in die Zeremonie geschaltet zu werden, laut "New York Times" sind insgesamt gar 20 Städte vorgesehen. Vor Ort in L.A. habe man eine "hochmoderne Testanlage", gab ein von den Veranstaltern bestellter Corona-Berater kürzlich zu Protokoll.

Produziert wird die Gala, die hierzulande wieder ProSieben überträgt, von Regisseur Steven Soderbergh ("Ocean's Eleven). Was genau sich Soderbergh für den 25. April überlegt hat, ist noch nicht bekannt. "Wir haben es in eine Art Cocktailparty verwandelt", ließ der Filmemacher aber bereits wissen. Um zu verhindern, dass sich zu viele Gäste gleichzeitig auf einem Fleck befinden, würden "die Nominierten im Laufe des Abends rotiert". Dazu stünden weitere Räumlichkeiten bereit, in denen auch die Pre- und Post-Show stattfinden. Ein traditioneller roter Teppich sei hingegen nicht geplant, dafür findet die Verleihung nicht nur im traditionellen Dolby Theatre statt, sondern auch in der Union Station im Zentrum von Los Angeles. Die Moderation der Veranstaltung werden 15 Stars übernehmen, darunter die Oscar-Preisträger Renée Zellweger, Joaquin Phoenix, Brad Pitt und Laura Dern.

Bleibt das Thema Maskenpflicht. Weil die Stofffetzen im Gesicht wenig attraktiv sind, andererseits aber helfen, das Virus in Schach zu halten, einigte man sich offenbar auf einen Kompromiss. Wie das Branchenblatt "Variety" kürzlich berichtete, sollen die Gäste in L.A. und wohl auch in Paris und London und andernorts immer dann einen Mund-Nase-Schutz tragen, wenn sie nicht zu sehen sind, etwa in den Werbepausen. Sind McDormand, David und Co. aber im Fokus der Kamera, dann heißt es: Maske ab! So viel Glamour muss sein, auch in diesen Zeiten.



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