Teenie-Nacktszene vor über 50 Jahren: "Romeo und Julia"-Stars verklagen Paramount

Olivia Hussey und Leonard Whiting Eine Nacktszene in dem Film "Romeo und Julia" aus dem Jahr 1968 könnte Paramount nun zum Verhängnis werden: Die damals minderjährigen Stars Olivia Hussey und Leonard Whiting verklagen das Studio auf Schadensersatz in Höhe von 500 Millionen Dollar.

1968 sorgte der Film "Romeo und Julia" von Franco Zeffirelli für Aufregung: Vor allem die Nacktszene der damals 15-jährigen Hauptdarstellerin Olivia Hussey als Julia und ihres ein Jahr älteren Kollegen Leonard Whiting als Romeo sorgte bereits im Vorfeld für Kritik. In einigen Ländern wurde die Szene sogar ganz rausgeschnitten. Nun, 55 Jahre später, könnte die Szene dem verantwortlichen Studio teuer zu stehen kommen: US-Medienberichten zufolge, verklagen Hussey und Whiting Paramount nun vor einem kalifornischen Gericht. Sie fordern 500 Millionen Dollar Schadensersatz.

Die Schauspieler, die beide in Großbritannien geboren wurden, werfen dem Studio wie auch dem 2019 verstorbenen Regisseur Franco Zeffirelli vor, sie zu der Szene gedrängt zu haben. Im Vorfeld der Dreharbeiten, so heißt es in der Klage, sei ihnen versichert worden, keine Nacktszene drehen zu müssen.

Bei der nun beklagten Bettszene sollten die beiden Minderjährigen fleischfarbene Unterwäsche tragen. Wenige Tage vor Drehschluss soll Zeffirelli die beiden jedoch angefleht haben, nackt und mit Körper-Make-up aufzutreten. Andernfalls drohe der Film zu scheitern, sagte er. Auch habe er ihnen versprochen, dass sie aufgrund der Kamera-Position ohnehin nicht nackt zu sehen sein würden. Tatsächlich sorgten Whitings nackter Hintern und Husseys entblößte Brüste dafür, dass der Film keine Jugendfreigabe erhielt.

"Was ihnen gesagt wurde und was tatsächlich geschah, sind zwei verschiedene Dinge"

"Was ihnen gesagt wurde und was tatsächlich geschah, sind zwei verschiedene Dinge", beklagt Tony Marinozzi, der für die beiden Schauspieler als Manager tätig ist, nun im Gespräch mit dem US-amerikanischen Branchendienst "Variety": "Sie vertrauten Franco. Mit 16 Jahren haben sie sich als Schauspieler darauf verlassen, dass er dieses Vertrauen nicht missbrauchen würde. Franco war ihr Freund."

Marinozzi weiter: "Und offen gesagt, was sollen sie mit 16 Jahren tun? Es gibt keine Optionen. Es gab kein #MeToo." Sie seien "sehr junge, naive Kinder" gewesen, "die nicht wussten, was auf sie zukommen würde", fuhr er fort: "Plötzlich waren sie in einem Ausmaß berühmt, das sie nicht erwartet hatten, und außerdem wurden sie in einer Weise verletzt, mit der sie nicht umzugehen wussten."

Dass die Klage nach all den Jahren überhaupt zulässig ist, liegt an einem kalifornischen Gesetz, welches die Verjährungsfrist für ältere Klagen wegen sexuellen Kindesmissbrauchs vorübergehend ausgesetzt hat. Die Klage kommt dennoch ein wenig überraschend: Noch 2018 hatte Hussey, die für die Rolle den Golden Globe als beste Nachwuchsschauspielerin gewann, die Szene in einem Interview verteidigt: "Es war für den Film notwendig", sagte sie und bezeichnete die Drehweise als geschmackvoll.

In einem anderen Interview bezeichnete sie die Szene als "keine große Sache": "Leonard war überhaupt nicht schüchtern! Mitten in den Dreharbeiten habe ich völlig vergessen, dass ich keine Kleider anhatte." In der Klage heißt es nun, Hussey und Whiting hätten wegen der Nacktszene unter mentalen Ängsten gelitten. Auch hätten sie danach kaum mehr Jobs bekommen.

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