Wenn der Tod an der Türschwelle steht: Das sind die Kino-Highlights der Woche

Neustarts "Was man von hier aus sehen kann", "Blueback - Eine tiefe Freundschaft" und "Die Insel der Zitronenblüten": Das sind die Kino-Neustarts am 29. Dezember.

Schon als Buch war "Was man von hier aus sehen kann" ein absoluter Volltreffer. Der Roman von Mariana Leky aus dem Jahr 2017 war von den Spitzenplätzen der "Spiegel"-Bestsellerliste lange nicht wegzudenken, wurde über 800.000-mal verkauft und in 22 Sprachen übersetzt. Nun erfolgt der fast schon logische Schritt: Der erfolgreiche Stoff wird fürs Kino adaptiert. Im skurrilen Drama mit einem Okapi als Todesboten spielen Corinna Harfouch, Luna Wedler und Karl Markovics die Hauptrollen.

Was das Kino-Publikum in dieser Woche außerdem erwartet: Im Umweltdrama "Blueback - Eine tiefe Freundschaft" geht ein Mädchen eine tiefe Beziehung mit einem exotischen Meeresbewohner ein - bis dessen Leben von rücksichtslosen Unternehmern bedroht wird. Das Mallorca-Schwesterndrama "Die Insel der Zitronenblüten" führt dagegen zwei voneinander entfremdete Geschwister wieder zueinander.

Was man von hier aus sehen kann

Ein Okapi zu Gesicht zu bekommen ist außerhalb von Tierparks quasi unmöglich. Der Bestand der scheuen Paarhufer gilt als "stark gefährdet". Wenn überhaupt, dann treiben sie die Tiere aus der Familie der Giraffenartigen in Naturschutzreservaten der Demokratischen Republik Kongo herum. Was also haben Okapis mit einem verschlafenen Dorf im Westerwald zu tun? Auf den ersten Blick erst einmal gar nichts. Und doch wissen im Filmdrama "Was man von hier aus sehen kann" alle Angehörigen der verschworenen Dorfgemeinschaft ganz genau über das exotische Tier Bescheid.

Denn immer, wenn Selma (Corinna Harfouch) in ihren Träumen einem der rötlich-braunen Tiere mit weiß-schwarz gestreiften Beinen begegnet, verheißt das nichts Gutes. Der tierische Unglücksbote sagt nämlich zielsicher den Tod eines der Dorfbewohner voraus. Wer es ist, bleibt indes stets unklar, weshalb das Dorf nach einer erneuten Vision Selmas in Aufruhr gerät. Verborgene Wahrheiten werden plötzlich ausgesprochen, Liebesbekenntnisse nicht weiter hinausgezögert. Da ringt sich der Optiker (Karl Markovics) des Dorfes endlich durch, Selma seine Liebe zu gestehen. Und auch Selmas Enkelin Luise (Luna Wedler) handelt ab sofort aus dem Bauch heraus und nicht vom Kopf gesteuert.

Schon in Buchform war der einerseits skurrile, andererseits aber auch philosophische angehauchte Stoff ein voller Erfolg. Der Roman von Autorin Mariana Leky hält sich seit der Veröffentlichung 2017 fast ohne Unterbrechung auf der "Spiegel"-Bestsellerliste. Regisseur und Drehbuchautor Aron Lehmann ("Highway to Hellas", "Das schönste Mädchen der Welt") transferiert den berührenden Stoff nun auf die Kinoleinwand. Obwohl der Tod im wahrsten Sinne des Wortes an der Türschwelle steht, gelingt dem Filmemacher ein lebensbejahendes Drama mit einer wertvollen Botschaft: Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.

Blueback - Eine tiefe Freundschaft

Geht das Okapi in "Was man von hier aus sehen kann" bestenfalls als Antiheld durch, gehören einem anderen Tier im Umweltdrama "Blueback - Eine tiefe Freundschaft" alle Sympathien. Eines hat der titelgebende Protagonist aber mit einem Okapi gemeinsam: Auch Lippfisch Blueback geht durchaus als Exot unter tierischen Kinohelden durch. Mit dem knuffig anmutenden Meeresbewohner verbindet die achtjährige Abby (Ariel Donoghue) ab ihrem ersten Tauchgang eine ganz besondere Beziehung.

Mit ihrer Mutter Dora (Radha Mitchell) lebt das Mädchen an der westaustralischen Küste in Einklang mit der Natur. Doch die Idylle samt prächtiger Korallenriffe unter Wasser - der Heimat von Blueback - ist in Gefahr. Um die Gegend für Touristen attraktiver zu machen, planen raffgierige Unternehmer bauliche Maßnahmen ohne Rücksicht auf die Umwelt. Abby, mittlerweile Teenagerin und von Ilsa Fogg verkörpert, tritt in die Aktivistinnen-Fußstapfen ihrer Mutter und sagt den Naturschändern den Kampf an. Egal, wie mächtig die Gegenspieler zu sein scheinen, den Lebensraum ihres tierischen Seelenverwandten Blueback gibt Abby nicht so schnell auf.

Spätestens seit den zuletzt vermehrten und mitunter kompromisslosen Aktionen der "Letzten Generation" ist Klima- und Umweltschutz wieder in aller Munde. Derart radikal prescht Regisseur Robert Connolly in der Filmadaption des erfolgreichen Romans von Tim Winton nicht vor. Mit wunderschönen Unterwasseraufnahmen führt "Blueback - Eine tiefe Freundschaft" dennoch die Gefahr vor Augen, was passiert, wenn wirtschaftliche Interessen über alles andere gestellt werden. Daneben handelt Connolly den unermüdlichen Kampf des Frauen-Duos Abby und Dora glaubwürdig ab - die wenigen Männerrollen, unter anderem von Eric Bana verkörpert, sind im familientauglichen Drama dagegen eher Nebensache.

Die Insel der Zitronenblüten

Sommer, Sonne und Mallorca - angesichts der zuletzt frostigen Temperaturen in Deutschland wäre es kein Wunder, wenn etwas Fernweh aufkommt. Alle Urlaubswilligen, die an den Weihnachtsfeiertagen doch "nur" die wohlig erhitzte Stube der Schwiegermutter erwartet, sollten sich womöglich einen Besuch des Kinodramas "Die Insel der Zitronenblüten" überlegen. Der spanische Regisseur Benito Zambrano nimmt in der Verfilmung des gleichnamigen Debütromans von Cristina Campos sein Publikum mit auf die sonnige Baleareninsel.

Dorthin kehrt auch Marina (Eli Galera) zurück. Seit 14 Jahren war sie nicht in der Heimat, arbeitete stattdessen als Ärztin für eine NGO auf der ganzen Welt. Mit ihrer Schwester Anna (Eva Martin) hat sie den Kontakt abreißen lassen. Doch das Schicksal führt die Frauen wieder zusammen: Ohne zu wissen, warum, erben die Geschwister eine alte und sehr traditionsreiche Bäckerei. In der Backstube schwelgen Marina und Anna in Erinnerungen - und kommen sich wieder näher.

Im Sommer debütierte "Die Insel der Zitronenblüten" bereits beim Film Festival von Köln. In der Domstadt wurde das Drama als "einer der charmantesten und anrührendsten Filme des Jahres" gefeiert. Zwar packt Regisseur und Drehbuchautor Zambrano mit den beiden entzweiten Schwestern, einem dunklen Familiengeheimnis, einer Adoptionsgeschichte und einer tragischen Krankheitsdiagnose fast schon zu viel Drama in den Film. Trotzdem unterhält die Schwesterngeschichte vor traumhafter Kulisse und geht teilweise ziemlich an die Nieren. Die deutsche Schauspielerin Désirée Nosbusch zeichnet als Koproduzentin verantwortlich.

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