Zwei irische Männer, einer hat eine große Schere: Das sind die Kino-Highlights der Woche

Neustarts "Operation Fortune", "Belle & Sebastian - Ein Sommer voller Abenteuer" und "The Banshees of Inisherin", das erste große Film-Highlight 2023: Das sind die Kino-Neustarts am 5. Januar.

Auszeichnungen in Venedig, acht Golden-Globe-Nominierungen, auch bei den Oscars gehört der Film zum Favoritenkreis: Das Kinojahr 2023 beginnt direkt mit einem Highlight. Allerdings, bei diesem Titel könnten sich manche schwertun - "The Banshees of Inisherin". "Banshees", das sind hierzulande eher unbekannte Gruselfeen aus der irischen Mythologie. Wo sie auftauchen, heißt es, stehe der baldige Tod eines Menschen bevor. Und "Inisherin" ist die fiktionale irische Insel, auf der Martin McDonagh (Regie und Drehbuch) seinen neuen Film spielen lässt - eine Tragikomödie über die langjährige Freundschaft zweier Männer, die abrupt endet.

Was das Kino-Publikum in dieser Woche außerdem erwartet: Guy Ritchie präsentiert seine prominent besetzte neue Agenten-Komödie "Operation Fortune", und mit "Belle & Sebastian - Ein Sommer voller Abenteuer" wurde ein Jugendroman-Klassiker von Cécile Aubry neu verfilmt.

The Banshees of Inisherin

"Habt ihr euch gezankt?", fragen andere immer wieder. Es wäre wohl nichts Neues bei diesen beiden Kerlen, aber Padraic (Colin Farrell) weiß es selbst nicht so genau. "Haben wir uns gezankt ..?" Fest steht erst einmal nur, dass sein langjähriger Kumpel Colm (Brendan Gleeson) ihm plötzlich die Freundschaft aufgekündigt hat. Immer und immer wieder sucht Padraic den alten Grantler (er nennt ihn liebevoll "Fettwanst") auf, um der Sache auf den Grund zu gehen. Aber der will nicht wirklich reden - Padraic sei ein Langweiler, deshalb wolle er eben nicht mehr mit ihm befreundet sein, fertig.

Für Außenstehende ist der Zwist (oder was auch immer es sein mag) zwischen Colm und Padraic zunächst keine ernste Sache, für die beiden aber ist es todernst. Vor allem für den verschlossenen, mürrischen und sturen Colm, der perfekt in diese karge westirische Küstenlandschaft der frühen 1920er-Jahre passt. Die ständigen Aufwartungen von Padraic gehen ihm so sehr auf die Nerven, dass er irgendwann erklärt: "Ich habe eine große Schere daheim. Ich werde jedes Mal, wenn du mich ab jetzt belästigst, zu dieser Schere greifen. Und dann schneide ich mir einen Finger damit ab."

Sich selbst aus Zorn einen oder auch mehrere Finger abschneiden, wenn man ihm sonst keine Ruhe lässt - Colm ist in jedem Fall der Typ, dem man es zutrauen muss, und Oscargewinner Martin McDonagh der Mann, der so eine irrwitzige Tragödie erzählen kann. "Brügge sehen ... und sterben?" (ebenfalls mit Brendan Gleeson und Colin Farrell in den Hauptrollen) war 2008 sein erster großer Film, auch mit "7 Psychos" (2012) und vor allem "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" (2017) gelang ihm großes Kino. Nun also "The Banshees of Inisherin", der vierte Langfilm des Iren mit einer Vorliebe für schwarzhumorige Geschichten. Die Vorlage, ein nie aufgeführtes Theaterstück, schrieb McDonagh in den 90-ern selbst.

Operation Fortune

Ein schneidiger Agent mit Lizenz zum Töten, ein stinkreicher Bösewicht, schöne Frauen, schöne Autos, Explosionen. Ein ernsthafter neuer Konkurrent für James Bond? Nein, eine 007-Alternative hatte wohl kaum jemand im Sinn, als "Operation Fortune" entstand. Wohl eher: einen neuen "Austin Powers", diesmal aber wirklich cool, oder ein neues "Spy - Susan Cooper Undercover", nur eben etwas männlicher. Guy Ritchie ist der kreative Kopf hinter "Operation Fortune", und neben Jason Statham konnte er unter anderem auch Hugh Grant für seine Actionkomödie gewinnen.

Gestatten: Fortune, Orson Fortune. Das hat nicht ganz den Klang von "James Bond", aber ansonsten ist auch dieser Fortune ein echter Vorzeige-Kinoagent. Seine Anzüge sitzen perfekt, er mag schnelle Autos, ist sicher im Umgang mit allen möglichen Waffen, und weil er von Jason Statham gespielt wird, macht er auch im Nahkampf jeden Gegner platt. Er ist der Gute. Der Böse, das ist der narzisstisch-schnöselige Milliardär Greg Simmonds, gespielt von Hugh Grant.

Simmonds hat für sehr viel Geld etwas sehr Gefährliches gekauft (irgendwas mit Waffen), das man ihm unbedingt wieder abnehmen muss. MI6-Agent Orson Fortune ist der perfekte Mann für diesen Job, Sarah Fidel (Aubrey Plaza) unterstützt ihn als weiblicher Sidekick. Alleine und einfach so kommen die beiden aber nicht an Simmonds heran, also denken sie sich eine List aus: Sie wollen den Schurken ködern. Nicht etwa mit Geld oder Diamanten, sondern mit Danny Francesco (Josh Hartnett) - einem berühmten Hollywood-Schauspieler und Simmonds Nummer-eins-Lieblings-Filmstar, den Fortune mit einem Sex-Tape erpresst und so zum Mitmachen zwingt.

Die Jagd nach Simmonds führt Fortune und sein Team auf eine bildgewaltige Reise, gedreht wurde unter anderem in Antalya, Farnborough und Katar. Und am Ende, natürlich, geht es vor den vielen spektakulären Kulissen auch darum, die Welt zu retten. Bond würde das anders anstellen als Fortune, etwas eleganter und mit weniger schmierigen Tricks. Aber der etwas derbe Satire-Ansatz von "Operation Fortune" wird für viele Zuschauer vielleicht umso reizvoller sein. Dass er versteht, wie man Gangster-Geschichten, gesalzene Dialoge und handfeste Action in spaßigem Hollywood-Kino zusammenführt, hat Guy Ritchie ("Snatch", "Sherlock Holmes") ja auch schon oft genug bewiesen.

Belle & Sebastian - Ein Sommer voller Abenteuer

"Zwei Freunde, ein großes Abenteuer": Das war bereits 2013 der Slogan, als "Belle & Sebastian" ins Kino kam - eine Adaption des gleichnamigen Jugendromans von Cécile Aubry, die durchaus populär war. Zwei Fortsetzungen gab es (2015, 2017), und jetzt geht wieder alles von vorne los. "Belle & Sebastian - Ein Sommer voller Abenteuer" basiert ebenfalls auf Aubrys Klassiker, erzählt die Geschichte aber in einem neuen, etwas harmloseren Kontext als der Film von 2013.

Vor knapp zehn Jahren ging es um eine "Bestie", die vermeintlich ein paar Schafe gerissen hat und sich dann doch als liebenswerter Streuner herausstellte; im Hintergrund trieben Nazi-Besatzer in einem französischen Alpendorf ihr Unwesen. Die Nazis gibt es in der modernisierten Neuverfilmung "Belle & Sebastian - Ein Sommer voller Abenteuer" von Pierre Coré (Regie) nicht mehr, die Bestie von einst ist auch nicht mehr so gruselig. Berghündin Belle hat zwar ihren eigenen Kopf, wirkt aber von Beginn an wie ein großer kuscheliger Teddy. Ihr Besitzer allerdings behandelt sie schlecht, und da kommt Sebastian (Robinson Mensah-Rouanet) ins Spiel.

Der zehnjährige Sebastian wohnt eigentlich in der Stadt, aber weil seine Mutter zu tun hat, gibt es Zwangsurlaub auf dem Land. Weg von den Smartphones, weg vom urbanen Trubel, hinauf in die idyllischen Alpen, wo Tante und Großmutter wohnen. Sebastian, selbst ein bisschen Problemkind, soll sich um die Tiere kümmern, worauf er eigentlich überhaupt keine Lust hat. Dann trifft er Belle vom benachbarten Hof. Der Hund sei gefährlich, sagt man ihm, aber Belle und Sebastian - das ist so etwas wie Seelenverwandtschaft. Der Junge würde bald schon alles tun, um seinen tierischen Freund zu beschützen (und umgekehrt). Und so beginnt er, der neue "Sommer voller Abenteuer".

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