Opernball Leipzig: Zwischen Glamour, Lindemann-Protest und kalkulierter Kontroverse

Kommt er oder kommt er nicht?

Leipzig

Das war die große Frage des Abends beim Leipziger Opernball 2025. Selten wurde zuvor so leidenschaftlich über den "kleinen Bruder" des Dresdner SemperOpernballs diskutiert. Grund dafür war die Einladung des Rammstein-Sängers Till Lindemann (62) durch die Fenger-Gruppe, ein Bauunternehmen aus Kemberg bei Wittenberg.

Mehrere hundert Demonstranten

Vor der Oper auf dem Augustusplatz versammelten sich rund 300 bis 400 Demonstrierende, um gegen Lindemanns Teilnahme zu protestieren. Zeitweise musste die Polizei eingreifen, um zu verhindern, dass Aktivistinnen und Aktivisten die Absperrungen überwinden und zum Roten Teppich gelangen. Doch von Till Lindemann war zunächst nichts zu sehen.

Schillernder Mix auf dem roten Teppich

Stattdessen zeigte sich auf dem roten Teppich ein schillernder Mix aus Politik, Gesellschaft und Reality-TV. Unter den Gästen: Nico Schwanz (47), Moderatorin Verena Kerth, Claudia Obert (64) - die im TV-Interview provokant meinte, die Demonstrierenden hätten "wohl zu wenig Geld, um am Opernball teilzunehmen" - sowie Sachsens Wirtschaftsminister Sebastian Gemkow (47).

SOKO Leipzig Darsteller liefen nicht über den roten Teppich

Einige Gäste, darunter die Darsteller der SOKO Leipzig, entschieden sich aus Rücksicht auf die Proteste, auf den Gang über den Roten Teppich zu verzichten. "Der Charity-Gedanke steht für uns im Vordergrund", erklärte Schauspieler Johannes-Hendrik Langer.

Im Saal wird spekuliert

Im Saal wurde derweil spekuliert: Ist Lindemann vielleicht schon da? Oder mischt er sich - wie bei früheren Gelegenheiten - unerkannt unter die Gäste? Am Tisch 8, der Fenger-Gruppe, blieb sein Platz (Kostenpunkt rund 1000 Euro) zunächst leer. Ebenfalls dort platziert: Sven Schulze, Spitzenkandidat der CDU Sachsen-Anhalt.

Ankunft gegen 21.30 Uhr

Erst gegen 21.30 Uhr, als die meisten Demonstrierenden den Augustusplatz längst verlassen hatten, hielt vor dem Roten Teppich ein Kleinbus. Und tatsächlich: Till Lindemann betrat gemeinsam mit Star-Geiger David Garrett die Oper.

Opernball unter gutem Motto

Abseits der Debatte blieb der Leipziger Opernball seinem eigentlichen Zweck treu - dem guten Zweck. Die Gala stand in diesem Jahr unter dem Motto "Leipzig hilft Kindern", unterstützt von zahlreichen regionalen Unternehmen und Institutionen. Der Erlös aus Spenden, Tombola und Ticketverkäufen kommt traditionell sozialen Projekten in Leipzig zugute - von Bildungsinitiativen bis hin zu Kinderhilfsorganisationen.

Mediale Aufmerksamkeit oder Zufall?

Und doch stellt sich die Frage: War die Einladung Till Lindemanns ein unglücklicher Zufall - oder bewusstes Kalkül? Sowohl für die Fenger-Gruppe als auch für den Opernball selbst brachte die Kontroverse enorme mediale Aufmerksamkeit. In Zeiten, in denen öffentliche Aufmerksamkeit längst zur härtesten Währung geworden ist, scheint die alte PR-Weisheit wieder auf: Lieber schlechte Werbung als gar keine.