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Wie das Bemalen von Matroschkas zum Hobby wurde

Hobby Von einer Schnapsidee zum Instagram-Shop

Leipzig. 

Um sich einen Ausgleich zu Arbeit oder Studium zu schaffen, gehen zahlreiche Menschen in ihrer Freizeit einem Hobby nach. Wie vielfältig diese Hobbies sein können, wollen wir bei Blick.de aktuell zeigen und lassen dazu Menschen aus der Region zu Wort kommen, die einem besonderen Hobby nachgehen, das der ein oder andere vielleicht noch nicht auf dem Schirm hat. Heute: Besondere Kunst.

Katharina Block ist 26 Jahre jung und wurde in Semipalatinsk in Kasachstan geboren. Im Kindesalter sind Kathas Eltern nach Deutschland gekommen, wodurch Thüringen, genauer Hermsdorf, ihre neue Heimat werden sollte. Seit zwei Jahren hat sie ihr Herz jedoch an Leipzig verloren, wo sie ihrem ganz besonderem Hobby nachgeht. Derzeit ist Katha Werkstudentin in Richtung Medien- und Spieleentwicklung. Über die Jahre des Studiums hat sie jedoch bemerkt, dass ihr ihre Hobbys sehr fehlen und etwas zu kurz gekommen sind. So hat sie sich dazu entschieden etwas an dieser Situation zu ändern und ihre Hobbys in Richtung Beruf zu lenken. Zudem nimmt sie Kurse, um sich künstlerisch stetig weiter zu entwickeln.

Faszination Matroschkas: mehr als nur ineinander gestapelte Puppen

"Ich kann mich noch daran erinnern, wie mir meine Baba das Zeichnen im Kindesalter beigebracht hat. Seitdem konnte ich meine Stifte nicht weglegen", so Katha in unserem Interview. Doch es scheint, als wäre sie nicht die Einzige in ihrer Familie, die künstlerisch wie musikalisch begabt ist. All ihre drei Geschwister sowie ihr Vater spielen mehrere Instrumente und leben sich immer wieder kreativ aus. Daher war es leicht für Katha in dem, was sie tut, gefördert zu werden. "In den ganzen Jahren hatte ich sehr viele Kunstrichtungen ausprobiert, um endlich meins zu finden. Aber muss man unbedingt eine Richtung besitzen, solange es nur ein Hobby ist", erklärt sie.

Die Wahlleipzigerin zeichnet bereits ihr ganzes Leben lang, doch erst vor fünf Jahren hat sie sich Matroschkas gewidmet. Vor allem die Herkunft und Bedeutung von Matroschkas und damit einhergehend das Interesse an der japanischen Kultur und heidnischer Geschichte waren hierfür der ausschlaggebende Punkt. Denn die Inspiration, die Puppen, die Glück bringen sollen, ineinander zu stapeln, stammt eigentlich aus Japan. Damals waren sie eine Mischung aus bemalten Eiern und der Figur eines japanischen Gelehrten. Die Tradition Eier zu bemalen stammt noch aus heidnischen Zeiten.

Die Werte Mütterlichkeit, Familie und Zusammenhalt sind der jungen Künstlerin besonders wichtig

In den slawischen Ländern galten die mit verschiedenen Mustern bemalten Eier als Glücksbringer und sollten vor Unheil schützen. Nach dieser Inspiration wurden vor gerade mal ca. 32-34 Jahren (1990 in Paris vorgestellt) die ersten Matroschkas erstellt. Zudem stehen die Puppen für die Werte Mütterlichkeit, Familie und Zusammenhalt, welche die junge Künstlerin mit ihrer Funktion als große Schwester von drei Geschwistern ebenfalls vertritt. Auch in den Werten Tradition und Beständigkeit, das es immer weitergeht und man nicht allein ist, finden sich Katha und ihre Kunst wieder.

Da sie und ihre Familie aus Kasachstan stammen und die Matroschkas in der Region auch sehr beliebt sind, haben die Puppen außerdem einen hohen familiären und ideellen Wert für die junge Künstlerin. Sie ist mit ihnen groß geworden und hatten selbst einige bei sich zuhause stehen. Aufgrund des hohen persönlichen Wertes und ihres ganz individuellen Charakters sind sie so kostbar, wie ein Fotoalbum oder Portrait - nur auf eine andere Art. Tatsächlich waren es Kathas Eltern, die auf die Idee kamen. "Ich könnte sie doch Bemalen und an unsere Verwandtschaft verschenken, da es einen persönlichen großen Wert hätte. Da ich vorher nicht viel Portraitmalerei geübt habe, brauchte ich anfangs bei den gewölbten Matroschka Gesichtern etwas länger", so erzählt Katha im Interview. Es brauchte etliche Zeichnungen und Ideen, bis die erste Matroschka-Familie ihrer Cousine entstehen konnte - mit viel Fleiß und schlaflosen Nächten.

Matroschkas sind wie Überraschungseier, da stets ungewiss ist, welche Puppe als nächstes folgt

Die Leipzigerin hatte bereits die Ehre kleine Familien für eigene Verwandte und Bekannte zu kreieren und ist begeistert davon, jedem seinen ganz eigenen Glücksbringer zu erstellen sowie ganze Familien repräsentieren zu können. "Sobald die Empfänger ihre Matroschkas auspacken und ich mit dabei sein darf, ist es einfach ein schönes Gefühl, dabei zu beobachten, wie sie bei jeder Puppe aufs neue reagieren. Beim Aufmachen jeder einzelnen Puppe eine so unterschiedliche, witzige oder auch schöne Reaktion mitzubekommen ist unglaublich und vor allem für den Empfänger besonders."

Wenn sich Katha nicht gerade mit dem Gesicht eines Kunden beschäftigt, holt sie sich Inspiration bei verschiedenen anderen Künstler und ist immer wieder aufs Neue begeistert, wie wandelbar Matroschkas sein können. Was liebst du am meisten an deinem Hobby, wollten wir wissen?

"Warum ich gerne zeichne? Der Spaßfaktor und gleichzeitig jemanden eine Freude zu machen, steht bei mir an erster Stelle. Der Prozess selbst etwas in Form von Kunst zu Erschaffen ist für mich ein befriedigendes Gefühl von Leichtigkeit und Schwerelosigkeit, also mit geradezu therapeutischem Effekt. Es entspannt, wenn man sich gedankenverloren und detailverliebt stundenlang einem Motiv widmen kann oder die Grenzen mit dem Malmedium ausprobieren kann. Außerdem ist es schön jemanden auf Papier verewigen zu können. Über die letzten Jahre habe ich viele freudige Gesichter gesehen, die sich sehr über meine personalisierte Puppen sowie andere Kunst erfreut haben, und das ist, was mir selbst ein Lächeln ins Gesicht zaubert", so die Worte der jungen Künstlerin. Nach der Idee für Matroschkas hat die 26-Jährige zudem die Leidenschaft für Portraitmalerei entdeckt und nimmt seither auch Kurse, um sich regelmäßig zu verbessern.

Von einer Schnapsidee zum Instagram-Shop

Bis jetzt konnte Katha vielen Menschen aus ihrem Bekannten- und Verwandtenkreis eine Freude machen. Es war anfangs kein Ziel dieses Hobby zu erweitern, doch die Empfänger waren immer so begeistert von ihren Produkten und ihrem Talent, dass sie sie dazu ermutigt haben, Matroschkas auch für andere anzubieten. Vor kurzem hat sie schließlich einen kleinen Shop auf Instagram eröffnet - kathasatelier, um ihre Kunst für jede und jeden anzubieten. Sie möchte damit etwas Großes aufbauen, viele Kontakte knüpfen und natürlich jedem, der Interesse hat, eine Freude bereiten. Auf Etsy soll ebenfalls ein Shop eröffnet werden.

Ein Hobby für jede und jeden?

Die junge Künstlerin ist davon überzeugt, dass jeder das Zeug hat Matroschkas zu bemalen, aber man ein gewisses Können braucht, sollte man den Anspruch haben möglichst realitätsgetreu zu zeichnen. Das sollte aber keinen entmutigen, denn so wie Katha, kann sich jeder über die Jahre Skills aneignen und in sich selbst investieren. Und wenn Interesse an so einem kreativen Hobby besteht, warum nicht? Einfach ausprobieren.

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