Wie geht es nach dem Tiger-Ausbruch nun in Dölzig weiter? (BLICK.de berichtete) Nachdem am 17. Mai ein Tigermännchen der ehemaligen Zirkusdompteurin Carmen Zander (52) aus seinem Gehege im Gewerbegebiet ausgebrochen und einen Mann (72) schwer verletzt hatte, fordert der Bürgermeister (53) von Schkeuditz, dass die Tiere weg müssen. Auch der bekannte Tierschützer Robert Marc Lehmann (43) sowie die Tierschutzorganisation Vier Pfoten haben sich eingeschaltet und der Dompteurin ein Angebot gemacht. Wie geht es jetzt weiter?
Tiger-Haltung seit Jahren in der Kritik
Dass am 17. Mai der ausgewachsene Tigerkater Sandokan einen 72-jährigen Helfer der Tiger-Queen Carmen Zander in Dölzig während der Fütterung erst schwer verletzt und danach aus seinem Gehege ausgebrochen war, hält die Region weiter in Aufruhr. Die Polizei hatte das Tier nach dem Vorfall auf seinem Streifzug durch eine Gartenanlage nahe eines Wohngebietes aus Sicherheitsgründen erschossen. Während des Vorfalls sei keine weitere Person, außer dem 72-Jährigen, in Zanders Tigerareal in Dölzig vor Ort gewesen. Bis zum Ausbruch hielt Carmen Zander neun Tiger, vier davon ausgewachsen, in Käfigen im Gewerbegebiet. Tierschützer schlagen seit Jahren deshalb Alarm. Auch BLICK.de sprach bereits ausführlich mit der geborenen Karl-Marx-Städterin, welche aber weiter darum kämpft, ihre Tiere nicht zu verlieren.
„Die Tigerhaltung in Dölzig muss beendet werden“ - Oberbürgermeister Berger
Nun hat auch der Oberbürgermeister von Schkeuditz, Rayk Berger, sich klar zum Fall positioniert. Berger fordert, dass die Wildtierhaltung von Carmen Zander in Dölzig beendet werden muss. Dabei beteuert er, dass die Stadt die Tigerhaltung nicht unterstützt. Die Anlagen vor Ort wurden am 18. Mai gemeinsam mit Frau Zander, dem Ordnungsamt sowie dem Veterinäramt erneut begutachtet.
Mehrere Ermittlungsverfahren gegen Carmen Zander
Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung durch Unterlassen gegen Carmen Zander und prüft gegenwärtig, wie es zum Ausbruch kommen konnte. Auch läuft derzeit ein weiteres Verfahren gegen die Tiger-Queen (BLICK.de berichtete). Nach Informationen von BLICK.de steht dabei die Zucht der Tiere im Fokus der Ermittlungen. Die Behörden äußern sich nicht zu laufenden Verfahren. Erst im Herbst 2025 stand die Dompteurin wegen illegaler Tigershows vor Gericht (BLICK.de berichtete). Das Verfahren endete gegen die Zahlung einer Geldauflage.
Wie geht es jetzt weiter?
Bereits in der Corona-Pandemie war das Thema der umstrittenen Tigerhaltung von Carmen Zander hochgekocht und es wurde nach Lösungen gesucht, wohin die ehemaligen Zirkustiger untergebracht werden könnten, sollte sich Frau Zander dazu entscheiden, ihre Haltung zu beenden. Damals meldeten sich der Silky Park in der Schweiz, sowie die Tatzmania in Süddeutschland und machten Angebote, die damaligen sechs Tiger gemeinsam zu übernehmen. Nachdem die Angebote abgelehnt wurden, vergaben die Tiereinrichtungen ihre freien Haltungsplätze anderweitig. Das bestätigte Zooleiter Marx Zihlmann vom Silky Park und der ehemalige bekannte Tigerdompteur Christian Walliser, der heute als Tierpfleger in der Tatzmania tätig ist. Beide haben momentan keine freien Plätze für die Tiger in ihren zoologischen Einrichtungen.
Eine echte Chance?
Auch die Tierschutzorganisation Vier Pfoten war 2024 und 2025 im Gespräch mit den Behörden. „Wir hatten angeboten, einen Plan für die Unterbringung aller Tiger von Frau Zander zu entwickeln, mit dem Ziel, die Haltung gänzlich aufzulösen“, so Sven Wirth, Kampagnenleiter von Vier Pfoten. Dieser erklärt BLICK.de gegenüber weiter: „Grundsätzlich hat Vier Pfoten die Möglichkeit, Tiger unterzubringen - etwa in den Schutzzentren Tierart in Maßweiler, Felida in den Niederlanden oder Lionsrock in Südafrika - und prüft derzeit, wie viele Tiere für den Fall einer Konfiszierung aufgenommen werden können. Zwingende Voraussetzung für Vier Pfoten ist allerdings, dass die Halterin die Haltung von Großkatzen gänzlich und dauerhaft einstellt.“
Die Wildtierstation Tierart in Maßweiler ist ein gemeinsames Projekt der Tierschutzorganisation Vier Pfoten und des Vereins Tierart e.V. Viele der Tiere stammen aus schlechter oder illegaler Haltung, etwa aus Privathand, Zoos oder Zirkussen, und finden in Maßweiler ein dauerhaftes, artgerechtes Zuhause. Verletzte oder verwaiste heimische Wildtiere werden dagegen häufig nach ihrer Pflege wieder ausgewildert.
Robert Marc Lehmann sagt finanzielle Unterstützung zu
Auch Tierschützer Robert Marc Lehmann schaltete sich am Sonntag, 25. Mai, in das Thema ein. In seinem neuen Youtubevideo reagierte er auf den Tiger-Ausbruch und bot Carmen Zander vor laufender Kamera an, sollte sie sich dazu entscheiden, die Tiger abzugeben - und eine Möglichkeit der Unterbringung, beispielsweise durch Vier Pfoten, bestünde - würde er die Kosten der Überführung der acht Tiere tragen. „Wenn du was brauchst, ruf mich an, ich helfe dir“, sagte Robert Marc Lehmann am Ende seines Videos.
Was sagen die Behörden?
Erst nach dem Tiger-Ausbruch äußerte sich Carmen Zander, dass sie alles dafür tun wolle, dass man ihr die Tiere nicht wegnehmen würde. Ein Sprecher des Landratsamtes erklärte BLICK.de gegenüber, dass die Behörden Tiger nicht einfach konfiszieren könnten. Rechtlich gesehen seien die Tiere das Eigentum von Carmen Zander, was ihr nicht einfach entzogen werden dürfe. Jedoch muss die Halterin die Auflagen des Säugetiergutachtens erfüllen und nicht gegen das Tierschutzgesetz verstoßen.
Frau Zander wurde vom Landratsamt bereits vor einiger Zeit mit neuen Auflagen zur Tigerhaltung beauftragt. Die Behörden fordern sie auf, den „Tierbestand zu reduzieren“ oder aber die „Gehege auszubauen.“ Stichtag der Auflagen sei der 30. Mai 2026, wie ein Sprecher des Landratsamtes Nordsachsen mitteilte. „Frau Zander hat aber das Recht, gegen diese Auflagen juristisch vorzugehen, was sie aktuell auch tut“. Demnach wird sich das Ganze weiter verzögern. Dadurch, dass im Dezember 2024 fünf Tigerbabys zur Welt gekommen waren, brauchen die Tiere noch mehr Platz und bessere Bedingungen als zuvor. BLICK.de gegenüber erklärte Carmen Zander in der Vergangenheit, dass sie bemüht sei, zu vergrößern, ihr aber auch das Geld und die Möglichkeiten fehlen würden.
Es wäre also möglich, dass Carmen Zander tatsächlich wegen fehlender Mittel gezwungen ist, einen Teil der Tiere abzugeben. Bislang hat sie sich noch nicht wieder öffentlich dazu geäußert. BLICK.de bleibt an dem Fall dran.
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