20. AWO-Treffen in Lunzenau: Zwischen Motorrad-Legenden, Familiengeschichte und echter Gemeinschaft

Ein spontaner Besuch wurde für BLICK.de-Redakteurin Simone „Elli“ Esper zu einer Reise in die Vergangenheit – mit glänzenden AWO-Motorrädern, bewegenden Geschichten und einer unvergesslichen Beiwagenfahrt.

Lunzenau

Direkt an der Mulde, nahe der Küblerbrücke, haben sich an diesem Wochenende Motorradfreunde aus ganz Deutschland versammelt. Das 20. AWO-Treffen in Lunzenau lockt seit Jahren Liebhaber historischer Zweiräder nach Mittelsachsen und gilt in der Szene als feste Größe.

Dabei hat das AWO-Treffen nichts mit der Arbeiterwohlfahrt zu tun. Im Mittelpunkt steht die legendäre Simson AWO 425, eines der bekanntesten Motorräder aus DDR-Zeiten. Organisiert wird die Veranstaltung von der AWO Runde Lunzenau, einer lockeren Gemeinschaft von Motorradfreunden, bei der die Liebe zu den Maschinen, gemeinsame Ausfahrten und das Miteinander im Vordergrund stehen.

Seit inzwischen zwei Jahrzehnten kommen hier Fahrer, Schrauber, Sammler und Besucher zusammen. Das Jubiläum läuft noch bis Sonntag.

Wo Motorräder Geschichten erzählen

Als ich am Samstag gegen 12 Uhr auf dem Gelände ankam, herrschte bereits reges Treiben.

Überall standen liebevoll gepflegte AWO-Motorräder, Gespanne und andere historische Zweiräder. Manche glänzten wie neu, andere trugen die Spuren vieler gemeinsamer Kilometer.

Vor allem die Beiwagen-Gespanne zogen die Blicke auf sich. Sie wirkten wie rollende Zeitzeugen einer vergangenen Epoche.

Viele Teilnehmer hatten direkt vor Ort ihr Lager aufgeschlagen. Hinter den Motorrädern standen kleine Zelte, Campingstühle und Gepäckrollen. Manche verbrachten das gesamte Wochenende auf dem Gelände – näher an ihren Maschinen geht es kaum.

Hackepeterbrötchen, Kuchen und jede Menge Herzlichkeit

Wer Hunger bekam, musste nicht lange suchen.

Am großen Zelt der Freiwilligen Feuerwehr gab es frische Hackepeterbrötchen und selbst gebackenen Kuchen. Auch der Eierlikör sei der „Renner“: „ Es ist der weltbeste Eierlikör, dick wie Pudding und mit Liebe zubereitet, nach Omas Rezept“ - hieß es aus dem Team.

Als ich dort war, blieb das Zelt allerdings vergleichsweise leer. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und die meisten Besucher genossen die Sonne zwischen den Motorrädern. Nach dem Regen am Vorabend dürfte das am Abend zuvor noch ganz anders ausgesehen haben.

Doch nicht nur die Verpflegung blieb in Erinnerung.

Man wurde freundlich begrüßt, kam sofort ins Gespräch und hatte nie das Gefühl, nur Besucher zu sein. Vielmehr entstand der Eindruck, Teil einer großen Gemeinschaft zu werden.

Um 13 Uhr wurde es laut

Kurz nach 13 Uhr begann einer der Höhepunkte des Tages.

Nach und nach wurden die Motorräder gestartet. Das charakteristische Knattern der historischen Maschinen hallte über das Gelände und entlang der Mulde.

Dann setzte sich der lange Korso in Bewegung.

Für Besucher bot sich ein beeindruckendes Bild, als sich die Motorräder auf ihre gemeinsame Ausfahrt durch die Region begaben.

Tausende Kilometer bis zum letzten Stopp in Lunzenau

Unter den Teilnehmern waren auch drei Motorradfreunde aus Leipzig, die eine ganz besondere Geschichte mitgebracht hatten.

Auf ihren T-Shirts war ihre Reiseroute dokumentiert: Tschechien, Österreich, Ungarn, Slowakei, Tschechslowakai, Lunzenau.

Knapp 2500 Kilometer lagen bereits hinter ihnen.

„Das hier ist unser letzter Stopp, danach geht es nach Hause“, erzählte Marko Dornfeld.

Während viele Besucher nur für ein paar Stunden nach Lunzenau kamen, endete für die drei Leipziger hier ein echtes Motorrad-Abenteuer quer durch Mitteleuropa.

Eigentlich begann alles am Vorabend

Für mich persönlich hatte die Geschichte dieses Treffens bereits einen Tag früher begonnen.

Eigentlich war ich mit einer Freundin nur zu einem Spaziergang in Lunzenau unterwegs, als wir eher zufällig am Gelände vorbeikamen.

Schon von Weitem waren Stimmen, Motorräder und gute Stimmung zu hören. Schnell kamen wir mit Teilnehmern ins Gespräch und wurden spontan eingeladen, noch zu bleiben. Sogar eine Band sollte am Abend auftreten.

Da mein Freitagabend bereits verplant war, musste ich absagen.

Doch die Atmosphäre ließ mich nicht los.

Also entschied ich mich, am Samstag noch einmal vorbeizuschauen.

Mit dem Fahrrad rollte ich auf das Gelände und kam mir zwischen all den historischen Maschinen, knatternden Motoren und Motorrad-Enthusiasten zunächst fast ein wenig wie ein Fremdkörper vor.

Doch dieser Eindruck hielt nicht lange.

Hier wurde nicht nach Hubraum, Baujahr oder Markenlogo gefragt. Stattdessen zählten die Geschichten hinter den Maschinen, die Freude am Fahren und die Gespräche zwischen Menschen, die ihre Leidenschaft teilen.

Erinnerungen auf drei Rädern

Mein Papa war ebenfalls mit dabei – gemeinsam mit seiner Frau.

Während wir über das Gelände schlenderten, erzählte er von früher. Von seiner EMW mit Beiwagen, die er selbst gefahren hatte. Geschichten aus einer Zeit, an die ich mich nicht erinnern kann, weil ich damals noch viel zu klein war.

Doch plötzlich wurden diese Erzählungen greifbar.

Zwischen den historischen Motorrädern, den Gesprächen der Fahrer und dem Duft von Benzin und Sommerwiese entstand eine Verbindung zwischen den Erinnerungen meines Vaters und dem, was ich an diesem Tag erleben durfte.

Mein persönliches Highlight: Eine Runde im Beiwagen

Ein Erlebnis werde ich sicher nicht vergessen.

Ich durfte selbst im Beiwagen Platz nehmen und eine Runde mitfahren.

Was zunächst gemütlich klingt, entpuppte sich als kleines Abenteuer. Jede Kurve fühlt sich anders an, jede Bewegung des Motorrads wird unmittelbar spürbar. Aber es war sehr bequemer, als ich glaubte, dass es ist.

Spätestens da konnte ich zumindest ein kleines Stück nachvollziehen, warum mein Vater damals so begeistert von seinem Gespann war.

Noch bis Sonntag zu erleben

Wer das 20. AWO-Treffen bislang verpasst hat, hat noch Gelegenheit vorbeizuschauen.

Die Veranstaltung läuft noch bis Sonntag. Interessierte können die historischen Motorräder bestaunen, mit den Besitzern ins Gespräch kommen oder einfach die besondere Atmosphäre an der Mulde genießen.

Da die Parkmöglichkeiten direkt am Gelände begrenzt sind, empfiehlt sich das Parken auf öffentlichen Parkflächen in Lunzenau oder auf dem Markt.

Ein persönliches Dankeschön

Als die Motoren zur Ausfahrt starteten und die Gespanne über die Straßen rund um Lunzenau rollten, wurde deutlich, warum Menschen teils tausende Kilometer auf sich nehmen, um hier dabei zu sein.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle, die mich so offen empfangen haben, für die vielen Gespräche, die Möglichkeit, im Beiwagen mitzufahren, und die Einblicke in eine Szene, die von echter Leidenschaft lebt.

Danke auch für das Vertrauen des Teams in meine Arbeit. Wer mich kennt, weiß: Ich komme nicht, um zu urteilen oder nach einer schnellen Schlagzeile zu suchen. Negative Nachrichten gibt es schon zu viele. Ich möchte zeigen, wo Menschen mit Herzblut bei der Sache sind, wo Gemeinschaft gelebt wird und wo Leidenschaft Generationen verbindet.

Genau das habe ich beim 20. AWO-Treffen in Lunzenau erlebt.

Manchmal braucht es nur einen sonnigen Samstag an der Mulde, den Duft von Benzin und Sommerwiese, selbst gebackenen Kuchen und ein paar Geschichten aus vergangenen Zeiten, damit aus einem spontanen Besuch etwas wird, das lange in Erinnerung bleibt.

Von Simone Esper (Elli), Redakteurin bei BLICK.de

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