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"25 Jahre schlauchen schon ganz schön"

Interview mit Ralf Börner, scheidender Bürgermeister der Gemeinde Leubsdorf

In der letzten Juliwoche übergibt Ralf Börner die Geschäfte als Bürgermeister von Leubsdorf an seinen Nachfolger. Ulli Schubert zog mit dem 57-Jährigen eine - sehr unvollständige - Bilanz.

Herr Börner, als Sie im März 1990 Ihr Amtszimmer im damaligen Leubsdorfer Rathaus bezogen, hatten Sie da geglaubt, mehr als 25 Jahre Bürgermeister zu sein?

Mit keinem Gedanken. Damals wurde der Bürgermeister noch aus den Reihen des Gemeinderates bestimmt. Dort wollte ich mitwirken, dafür hatte ich kandidiert. Die CDU hatte die absolute Mehrheit erreicht und ich die meisten Einzelstimmen erhalten.

Da hieß es dann: Du machst das. Ich habe aber schon eine Weile überlegt, ehe ich das Amt annahm. Das daraus 25 Jahre würden, war unvorstellbar.

Sie hätten noch einmal zur Wahl antreten können, warum taten Sie das nicht?

Man verschleißt schon. Bürgermeister ist schließlich kein normaler Job, man muss viel Zeit aufwenden. Ich halte sowieso eigentlich zwei Amtszeiten für genug. Man verfällt da ja auch in einen gewissen Trott. Und außerdem, es war meine letzte Chance, noch mal mit etwas anderem zu beginnen.

Sie sind als Bürgermeister bekannt, der kein Blatt vor den Mund nahm, auch nicht gegenüber der Landespolitik. Was ist im Sinne der Kommunen in Sachsen verbesserungswürdig?

Die Finanzausstattung der Kommunen in Sachsen ist aus meiner Sicht verbesserungswürdig. Zum Beispiel sollte der Landeszuschuss für die Kitas erhöht werden. Die Kosten haben sich mit dem neuesten Tarifabschluss in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Auf dem Land läuft fast alles über die Leaderförderung der EU, aber das ist zum einem kompliziert, zum anderen lassen sich bei weitem nicht alle kommunalen Vorhaben über dieses Programm realisieren. Auch die Fachförderung in Sachen Straßenbau zum Beispiel könnte vom Land verbessert werden.

Das ist leicht beantwortet. Ich werde ab dem 3. August im Regionalmanagement in Gahlenz arbeiten und dort vor allem die Antragsteller beraten. Den Vorsitz im "Vereins zur Entwicklung der Erzgebirgsregion Flöha- und Zschopautal" werde ich natürlich abgeben.

Herr Börner, einer Ihrer Sprüche all die Jahre lautete: "Schreib doch, was Du willst". Wie ernst war das eigentlich gemeint?

Ich meinte das immer ernst. Die Presse hat ihre Aufgabe, ich habe ihr nichts vorzuschreiben. Wenn ich kritisiert werde, muss ich das aushalten.

Es muss nur die Fairness gewahrt bleiben. Und außerdem: Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern.



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