Auf den Spuren jüdischen Lebens in Mittweida

Buch Nitsche veröffentlicht Buch über jüdische Glaubensgemeinschaft

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Der Autor Jürgen Nitsche. Foto: Andrea Funke

Mittweida. Am 27. Januar zum Gedenken an die Opfer des Holocaust soll das Buch "Juden in Mittweida - Spuren jüdischen Lebens in Stadt und Umgebung" von Jürgen Nitsche erscheinen. Geplant ist dazu eine Buchvorstellung. Jürgen Nitsche ist freier Historiker, Autor und Kurator und brachte 2002 bereits über Juden in Chemnitz ein Buch heraus. Dabei erfuhr er viel über die Juden in Mittweida, die zur Chemnitzer Gemeinschaft gehörten.

Wie alles begann

Sein Vortrag über erste Erkenntnisse jüdischer Einwohner in Mittweida im Museum stieß im Jahre 2004 auf großes Interesse. Damals reifte die Idee für ein weiteres Buch, speziell Mittweida betreffend. In der Stadtverwaltung fand er einen interessierten Partner an dem Buchprojekt, welches in der Schriftenreihe des Stadtarchivs und Stadtmuseums zur Geschichte der Stadt Mittweida und Umgebung erscheinen soll. Das 600-seitige Werk wird in einer Auflage von 750 Stück gedruckt.

Die Recherchen dazu liefen über mehrere Jahre, Ende 2015 begann der 59-Jährige mit dem Schreiben. "Ich berichte in knapp hundert Geschichten über Mittweidaer Juden und aus der Umgebung im Zeitraum von 1870 bis 1987. Darunter sind teils jüdische Kaufleute und ausgewählte Studenten", erklärt Jürgen Nitsche. Wie beispielsweise über den ersten jüdischen Student Leonhard Welsch.

"Ich möchte ein Denkmal errichten"

Bis zum November 1938 absolvierten über 1800 jüdische Studenten diese Bildungseinrichtung. Auch über jüdische "Zöglinge" aus dem Erziehungsheim und Bewohnern des späteren Pflegeheims am jetzigen Standort des Landratsamtes gibt es Einiges zu berichten. "Ich möchte mit meinem Buch ein Denkmal errichten für die Juden und dass ihr Schicksal nicht in Vergessenheit gerät. Es ist eine Art Gedenkbuch, das ist eine alte Tradition bei den Juden", berichtet der Verfasser, der auch über einen Mord an einem bekannten Chemnitzer Rechtsanwalt und Notar bei seinen Recherchen stieß.

So wurde Arthur Weiner am 10. April 1933 in Chemnitz entführt und später an der Sandgrube in Wiederau misshandelt und dann erschossen. Verwandte von Mittweidaer Juden trugen zur Veröffentlichung bei.

Weitere Projekte sind in Planung

Einmal brachte eine Enkelin eine Familienkiste. Ihr Vater hatte darauf bestanden, dass diese stets weiter vererbt werde. "Darin befanden sich Fotos, Judensterne, Postkarten und Gegenstände, der Inhalt löste eine tiefe Betroffenheit bei mir aus. Ich habe verschiedenen Schicksale in Geschichtenform zu Papier gebracht und denke, dass das Buch auch für den Schulunterricht interessant ist", stellt der Verfasser fest, der bereits weitere Bücherprojekte plant.