Auf den Tod gewartet

Porträt Ein Auschwitz-Überlebender erzählt

Es war ein Geschichtsunterricht, der unter die Haut ging - als Justin Sonder in dieser Woche den Jungen und Mädchen des Albert-Schweitzer-Gymnasiums sein Schicksal als Auschwitz-Überlebender schilderte. Der 86-Jährige erzählte seine Erlebnisse vom sechsten Lebensjahr an, über die Reichsprogromnacht am 8. November 1938, bis zum Kriegsende 1945. "105.027 war meine Häftlingsnummer in Monnowitz, einem Nebenlager von Auschwitz", erinnert sich der Senior. Im Klassenzimmer ist es ganz still. Das Schlimmste seien die Selektionen gewesen. "Aller fünf bis sechs Wochen musste man sich nackt ausziehen, von den Kommandanteuren begutachten lassen und auf deren Entscheidung für Leben oder Tod warten."

Nach seiner Rettung bei Kriegsende habe Justin Sonder 20 Jahre lang nicht über diese Erlebnisse sprechen können. Er appellierte an die Jugendlichen, sich dem Wert des Lebens in der heutigen Gesellschaft bewusst zu werden. "Ich bin beeindruckt von diesem Mann. Wir waren zwar auch schon mal in KZ Buchenwald, aber die Erfahrungen von einem direkt Betroffenen zu hören, ist nochmal etwas ganz anderes", sagte eine Schülerin im Anschluss.