"Auftauchender" holt Atem

Turmgalerie Künstler Lichtblau zeigt Holzschnitte und Erinnerungen im Lindenhaus

Eine Ausstellung, die unzweifelhaft autobiografische Züge des agierenden Künstlers Lichtblau trägt, weil der Dialog mit den Porträtierten besonders deutlich wird, wurde am Samstag in der Turmgalerie des Schlosses Augustusburg mit einer Vernissage eröffnet. Eine Präsentation, in der ausschließlich Holzschnitte gezeigt werden, geschaffen mittels Hohleisen und einer Neukombination verschiedener Druckstöcke, beeindruckte die Besucher sichtlich. Gerade befreundete Künstler waren des Lobes voll. Ähnlich einem Puzzle werden in einem meditativen Prozess die einzelnen Aspekte des Werkes zusammenfügt, erläuterte Laudator Michael Goller aus Chemnitz dazu. Er hangelte sich am Begriff der Erinnerungen entlang, kam nicht an der Problematik der Zeit vorbei ebenso wenig wie am Betrachten der Wirklichkeit und krönte seine philosophischen Gedankenspiele mit Worten, die er aus den Anfangsbuchstaben der Bildtitel fertigte. Das Alphabet der Erinnerungen, Hauptteil der Schau, zeigt porträtierte Künstlerkollegen. So klar und faszinierend die jeweiligen Arbeiten daher kommen, Können und Fleiß verkörpernd, so geheimnisvoll muten teilweise die Titel derselben an. Dass es auch eine Person hinter den Werken gibt, blieb Michael Goller letztlich nicht verborgen, er nannte Lichtblau einen Auftauchenden und wusste, dass das Betrachten der Erinnerungen ein Atemholen vor dem weiteren Schaffen ist. Die Ausstellung ist bis zum 25. November in der Turmgalerie zu sehen.