Bienenschwarm im Garten: Ein Imker aus Hartmannsdorf erklärt, was jetzt zu tun ist

Ein dunkles Summen über der Hecke, hunderte Bienen am Baum – und mitten darin ein Hartmannsdorfer Imker, der nicht nur Schwärme einfängt, sondern eine alte Familientradition weiterleben lässt.

Hartmannsdorf

Plötzlich hängt ein Bienenschwarm im Garten – was tun? Imker Patrick Clauß erklärt, warum Ruhe jetzt entscheidend ist, wie ein Schwarmfang abläuft und weshalb ihn der Duft der Bienen bis heute zurück in seine Kindheit führt.

Vom leisen Brummen zum ganzen Schwarm

Erst ist nur ein leises Brummen zu hören. Sekunden später wird daraus ein deutliches Summen in der Luft. Hunderte, manchmal einige tausend Bienen ziehen plötzlich über Terrassen, Hecken und Gärten hinweg, bevor sie sich wie eine lebendige Traube an einem Ast niederlassen.

Viele spüren die Angst

Für viele Menschen ist dieser Moment beunruhigend. Die erste Reaktion: Abstand halten, Kinder ins Haus holen, vielleicht sogar Panik. Doch genau dann sei vor allem eines wichtig, sagt Imker Patrick Clauß aus Hartmannsdorf: Ruhe.

„Ein Bienenschwarm ist in dieser Situation meist friedlich“, erklärt er. „Die Tiere wollen niemanden angreifen. Sie suchen lediglich ein neues Zuhause.“

Was tun, wenn ein Bienenschwarm im Garten hängt?

Wenn Bienen schwärmen, verlässt ein Teil des Volkes gemeinsam mit der Königin den alten Stock. Die Tiere sammeln sich zunächst an Bäumen, Sträuchern oder Zäunen, während sogenannte Spurbienen eine neue Unterkunft suchen.

Patrick Clauß rät deshalb:

  • Ruhe bewahren
  • Den Schwarm nicht mit Wasser vertreiben
  • Nicht nach den Tieren schlagen
  • Abstand halten und
  • einen Imker verständigen

Oft bleibe ein Schwarm nur wenige Stunden an Ort und Stelle. Landet er jedoch erst am Abend, könne er auch über Nacht bleiben.

Gerade in den warmen Monaten ist Patrick Clauß deshalb regelmäßig unterwegs. In Hartmannsdorf, Burgstädt, Mühlau, Röhrsdorf, Kändler und am nördlichen Rand von Chemnitz fängt er Bienenschwärme fachgerecht ein und siedelt sie um. Manches Mal bleiben noch einige Bienen als Rückkehrer zurück. Diese seien jedoch harmlos und würden bald schon weiter ziehen.

Zwischen Summen, Wachs und Kindheitserinnerungen

Dass Patrick Clauß heute zwischen Bienentrauben arbeitet, hat viel mit seiner eigenen Geschichte zu tun.

Wenn er einen Bienenstock öffnet, steigt ihm sofort dieser besondere Duft entgegen: warmes Wachs, Honig, Propolis und Sommerluft. Für den 49-Jährigen ist der Geruch eine Erinnerung an seine Kindheit.

Sein Großvater Willy Lucke betrieb bereits ab den 1950er-Jahren ein Bienenhaus im Rochlitzer Bergwald. Dort standen rund 40 Bienenvölker mitten in der Natur. Strom gab es nicht. Der Honig wurde noch mit einer Handschleuder verarbeitet.

„Ich habe schon als kleiner Junge beim Honigschleudern geholfen“, erinnert sich Patrick Clauß.

Nach dem frühen Tod des Großvaters ruhte die Imkerei viele Jahre. Doch die Begeisterung für die Bienen blieb.

Die Rückkehr zur alten Familientradition

Heute summt es wieder rund um Patrick Clauß. Seit etwa zehn Jahren widmet er sich erneut der Imkerei und betreut inzwischen mehr als 20 Bienenvölker in der Region.

Beruflich arbeitet er als Justizvollzugsbeamter in Chemnitz. Die Arbeit mit den Bienen bildet für ihn den bewussten Gegenpol zum Alltag.

„Man muss ruhig und konzentriert arbeiten. Hektik spüren die Tiere sofort“
Patrick Clauß

Gerade diese Ruhe sei es, die ihn an der Imkerei bis heute fasziniert. Das gleichmäßige Summen an warmen Sommertagen. Die konzentrierte Arbeit am Stock. Der Moment, wenn die Bienen am Abend zurückkehren.

Für Patrick Clauß ist die Imkerei längst mehr als ein Hobby. Sie verbindet Familiengeschichte, Naturverbundenheit und Verantwortung.

Warum Bienen heute mehr Schutz brauchen denn je

Gleichzeitig beobachtet der Imker mit Sorge, wie schwer es Honigbienen inzwischen haben. Parasiten wie die Varroamilbe, der Rückgang blühender Flächen und die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse setzen den Völkern zunehmend zu.

Umso wichtiger sei es, Verständnis für die Tiere zu schaffen – gerade dann, wenn plötzlich ein Bienenschwarm im eigenen Garten auftaucht.

Denn was auf den ersten Blick bedrohlich wirkt, ist in Wahrheit ein beeindruckendes Schauspiel der Natur: Ein Volk bricht gemeinsam auf, um neu zu beginnen.

Und manchmal braucht es nur einen besonnenen Imker, der ihnen dabei hilft.

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