Bundespräsident verleiht Bundesverdienstkreuz in Freiberg

Auszeichnung Sieben Menschen aus Sachsen erhielten ein Bundesverdienstkreuz

Freiberg. 

Freiberg. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat heute in der Konzert- und Tagungshalle Nikolaikirche in Freiberg drei Frauen und vier Männer aus Sachsen mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Dabei würdigte er in seiner Rede das große bürgerschaftliche Engagement der Ausgezeichneten, die sich in hohem Grad seit Jahren für gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen und als Stellvertreter aller ehrenamtlich tätigen Frauen und Männer zu sehen sind. Die Ordensverleihung fand als krönender Abschluss der "Ortszeit Freiberg" statt. Bereits zum fünften Mal verlegte der Bundespräsident in der Reihe "Ortszeit Deutschland" seinen Amtssitz in verschiedene Regionen, um in direkten Austausch mit den Menschen vor Ort zu treten.

 

Auszeichnung für Carmen Hartung, Freiberg

Besonders stolz sind die Silberstädter auf Carmen Hartung. Die Freibergerin erhielt ebenfalls das Bundesverdienstkreuz. Sie setzt sich seit mehr als 25 Jahren im Freiberger Verein Esther-von-Kirchbach für die Gleichstellung der Geschlechter und gegen Gewalt gegenüber Kindern und Frauen ein. Sie ist ehrenamtliche Leiterin der intergenerativen Begegnungsstätte des Vereins, die in der Stadt Freiberg besonders für alleinstehende Seniorinnen und Senioren eine wichtige soziale Anlaufstelle ist. Ihr Wirken ist stets den Menschen zugewandt. Die Begegnungsstätte verdankt Carmen Hartung daher nicht nur die administrative Konzeption, sondern vor allem die familiäre Atmosphäre. Ihr Einsatz zum Abbau von geschlechtsbezogener Gewalt führte Anfang der 1990er Jahre zum Aufbau einer Frauenschutzeinrichtung im Landkreis Mittelsachsen. Für das Schutzhaus übernimmt sie ehrenamtlich Rufbereitschaften außerhalb der regulären Geschäftszeiten und ist damit oft die erste helfende Ansprechpartnerin für die von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen.

 

Auszeichnung für Julia Cissewski, Leipzig

Als Julia Cissewski bei Freilandforschungen auf Borneo die Zerstörung des Regenwaldes mit eigenen Augen sehen konnte, beschloss sie, nicht länger tatenlos zu bleiben. Die Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig ist Gründerin und Vorsitzende des Vereins Orang-Utans in Not, mit dem sie sich für den Schutz der letzten freilebenden Orang-Utans sowie den Erhalt des südostasiatischen Regenwaldes engagiert. Ihr Verein unterstützt Aufzucht-, Auswilderungs- und Aufforstungsstationen auf Borneo und Sumatra und betreibt Öffentlichkeitsarbeit zur Aufklärung vor Ort. Auch in Deutschland ist Julia Cissewski im Bereich der Umweltbildung aktiv. So bietet ihr Verein in Schulen und Kindergärten der Region Leipzig Projekte zu den Themen Regenwald, Menschenaffen und Nachhaltigkeit an. Ihr Einsatz ist getragen von der Verantwortung für die natürlichen Lebensgrundlagen und ist generationenübergreifend.

 

Auszeichnung für Christine Hinkel, Annaberg-Buchholz

Die Förderung von jungen Menschen durch musikalische Bildung prägt den Lebensweg von Christine Hinkel. In der DDR selbst am Studium der Musikpädagogik gehindert, begann sie nach der Friedlichen Revolution ihr kommunalpolitisches und kulturelles Engagement. Als Vorsitzende des sächsischen Landesverbandes des Deutschen Familienverbandes und Mitglied des Stadtrates setzte sie sich für die bessere Wertschätzung von Familienarbeit ein. Darüber hinaus war sie die treibende Kraft der Initiative zur Gründung der Evangelischen Schulgemeinschaft, die heute das größte Gymnasium im Erzgebirgskreis ist. Nach dem Tod ihres Ehemannes, des bekannten, in der DDR mit Berufsverbot belegten Chorleiters Hans Hinkel, wurde die Hans-Hinkel-Stiftung ins Leben gerufen, um Jugendliche im Erzgebirge durch Musik zu fördern. Christine Hinkel ist bis heute im Vorstand der Stiftung aktiv und engagiert sich für die musische Bildung benachteiligter Kinder.

 

Auszeichnung für Stefan Mertenskötter, Dresden

Umweltschutz, Flüchtlingshilfe und internationale humanitäre Hilfe - das sind die Kernanliegen des Engagements von Stefan Mertenskötter. Bereits als Leiter des Umweltzentrums Dresden überaus engagiert, ist der Diplom-Ökonom heute ehrenamtlich in der Stiftung des Umweltzentrums aktiv. Im Sommer 2015 initiierte er mit den ABC-Tischen ein Projekt, das Geflüchteten nicht nur das Erlernen der deutschen Sprache erleichterte, sondern einen Beitrag zum Gelingen von Integration und für das gesellschaftliche Miteinander leistete. Vor allem aber ist die internationale humanitäre Hilfe sein Herzensanliegen. Als Vorstandsvorsitzender des Vereins Arche noVa - Initiative für Menschen in Not setzt Stefan Mertenskötter sich für die Trinkwasser- und Hygieneversorgung von Menschen in Afrika und Asien ein. Aktuell ist er mit seinem Verein zudem in der humanitären Hilfe für die Ukraine engagiert.

 

Auszeichnung für Roland Schöne, Chemnitz

Die Stärkung der lebensbegleitenden Bildung ist das Lebenswerk von Roland Schöne. Der geschätzte Experte auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung gründete 1993 das Seniorenkolleg an der TU Chemnitz, dessen wissenschaftlicher Leiter er über viele Jahre war. Damit schuf er ein wichtiges Bildungsangebot für ältere Bürgerinnen und Bürger der Stadt und ihrer Umgebung. Dabei war ihm immer wichtig, das Angebot seniorengerecht und generationenübergreifend zu gestalten und es für alle Menschen, unabhängig von ihrem Bildungsabschluss, zu öffnen. Auch die Belange von Menschen mit Behinderung oder Migrationshintergrund wurden stets besonders berücksichtigt. So hat Roland Schöne älteren Menschen die fortwährende Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen ermöglicht. Auch durch seine Mitarbeit in einer Vielzahl von Gremien der Seniorenarbeit auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene hat er einen herausragenden Beitrag für die lebensbegleitende Bildung geleistet. Ein Engagement, das angesichts des demographischen Wandels von großer gesellschaftlicher Bedeutung ist.

 

Auszeichnung für Christian Schramm, Bautzen

Christian Schramm ist einer der maßgeblichen Wegbereiter des demokratischen Umbruchs in der Oberlausitz. 1989 Mitbegründer des Neuen Forums in Bautzen, wurde er im darauffolgenden Jahr zum Oberbürgermeister der Stadt gewählt - ein Amt, das er 25 Jahre lang ausübte. Die Etablierung der kommunalen Selbstverwaltung in den neuen Bundesländern, das Zusammenwachsen der Kommunen zwischen Ost und West sowie die Stärkung der kommunalen Spitzenverbände sind Verdienste seines Wirkens im Amt des Oberbürgermeisters sowie im Deutschen Städte- und Gemeindebund und beim Sächsischen Städte- und Gemeindetag. In seinem Einsatz für eine gerechte und solidarische Gesellschaft erwies sich Christian Schramm immer als Brückenbauer zwischen kirchlicher Diakonie und kommunaler Sozialpolitik. Auch sein Engagement im Sächsischen Kultursenat sowie im Rundfunkrat des MDR diente stets dem Zusammenwachsen und dem Zusammenhalt der Gesellschaft.

 

Auszeichnung für Immo Stamm, Frankenberg

Seit mehr als 30 Jahren setzt sich Immo Stamm ehrenamtlich für die Belange von benachteiligten und körperlich behinderten Menschen ein. Als selbst Betroffener weiß er um die gesellschaftlichen Akzeptanzprobleme und die erfahrenen Diskriminierungen der an einer Lippen- beziehungsweise Gaumenspaltfehlbildung leidenden Menschen. Sein Engagement um soziale Zuwendung führte 1992 zur Gründung der Initiativvereinigung zur Förderung und Unterstützung für Spaltträger. Neben der Befähigung zur Selbsthilfe, die Kernaufgabe des Vereins ist, steht insbesondere die soziale und seelische Unterstützung der Betroffenen im Zentrum seines Wirkens. Darüber hinaus ist er auch Vorstandsvorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Sachsen, die die Interessen von Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen vertritt. Mit seinem Engagement baut Immo Stamm Schwellen aus Vorbehalten und Distanz in der Gesellschaft ab und leistet so einen heilsamen und unschätzbar hilfreichen Beitrag für die Betroffenen.

 

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