Chemnitzer ist Sachsens Chef-Retter

Ehrenamt Michael Birkner wurde zum dritten Mal zum Leiter der Wasserwacht gewählt

Michael Birkner ist Sachsens oberster Rettungsschwimmer. Zum dritten Mal in Folge wurde der 48-Jährige im Oktober zum Landesvorsitzenden der sächsischen Wasserwacht gewählt. Ein verantwortungsvoller Posten, wie Zahlen belegen: Im vergangenen Jahr absolvierten die etwa 5.000 Verbandsmitglieder unter Birkners Leitung - 3.310 davon sind aktive Rettungsschwimmer - 62.000 Einsatzstunden. Insgesamt 1.800 mal rückten sie in Sachsen und auch an Deutschlands Küsten aus, um Badeunfälle zu verhindern oder im Ernstfall zu helfen. Nicht immer mit Erfolg: 14 Opfer kamen in diesem Jahr bisher durch Ertrinken zu Tode. "Jeder einzelne Fall ist leider einer zu viel", sagt Birkner. Trotzdem: Die Wasserretter leisten wertvolle Hilfe. Nur dass es bei vielen Einsätzen nicht immer hochdramatisch zugeht. Birkner: "Bei etwa 80 Prozent unserer Einsätze handelt es sich um die Versorgung von Verletzungen wie zum Beispiel Schnittwunden an den Fußsohlen oder Wespenstiche."

Überhaupt will der Chemnitzer lieber, dass die Wasserwacht vorbeugt statt nachsorgt. "Zum Beispiel wollen wir jetzt ganz klare Richtlinien für die Ausbildung der Lehrer, die Kindern im Schulunterricht das Schwimmen beibringen, festlegen. Dazu gehört auch, dass sich die Aufsichtspersonen regelmäßigen Tauchtrainings stellen müssen, um notfalls ein Kind aus drei Meter Beckentiefe bergen zu können." Es sei schlimm genug, dass diese Richtlinien noch nicht existieren, so Birkner. "Aber", lenkt er ein, "Sachsen ist damit, überhaupt so eine Ausbildung zu haben, anderen Bundesländern voraus. Wir klagen auf hohem Niveau." Michael Birkner ist Rettungsschwimmer, seit er 16 Jahre alt ist. Eigentlich wollte er Wettkampfschwimmer werden, konnte seine sportliche Karriere jedoch wegen Repressalien im damaligen DDR-Regime nicht verfolgen. "Die Westverwandtschaft wurde mir zum Verhängnis." Mehrfach konnte Birkner schon Leben retten. In den 1980er Jahren fischte er zum Beispiel ein Kleinkind aus einem damaligen Bad am Zeisigwald. "Wir übergaben es gesund der Mutter. Eine halbe Stunde später schwamm dasselbe Kind allerdings diesmal bewusstlos im Wasser. Die Mutter hatte wieder nicht aufgepasst. Aber wir konnten helfen." Diese Geschichte, sagt Birkner, dessen Frau ebenfalls aktive Rettungsschwimmerin ist, vergesse er nie.

Am 17. November wird Chemnitz Sachsens Rettungsschwimmer-Hauptstadt. Dann messen sich 250 Aktive in einem Wettkampf im Sportforum.