Virenhemmer aus Freiberg: Klinische Untersuchungen gegen Corona möglich

Erfolg Wissenschaftler der TU Bergakademie erforschen Virenhemmer

Freiberg. 

Aplysina aerophoba klingt jetzt erst einmal nicht so einfach, geschweige denn dass man wüsste, worum es sich dabei handelt. Das wird auch nicht viel besser, benutzt man die deutsche Bezeichnung Marinehornschwamm. Er wächst seit mehr als 500 Millionen Jahren in den flachen Küstengebieten von warmen Meeren.

Die größten Vorkommen dieser Schwammart gibt es heute im europäischen Mittelmeer. Seit 2014 betreuen die Wissenschaftle der TU Bergakademie Freiberg zusammen mit Meeresbiotechnologen des Instituts für Marine Biologie im montenegrinischen Kotor eine Schwammzuchtanlage und forschen an den einzigartigen Eigenschaften von Aplysina aerophoba.

Klinische Untersuchungen gegen den Covid-19 Erreger könnten durchgeführt werden

Der Wirkstoff kann das Wachstum von Viren sowie den Eintritt von Viren in Zellen hemmen. Da es den Wissenschaftlern gelungen ist, größere Mengen der Substanz zu extrahieren, könnten damit jetzt sogar klinische Untersuchungen zur Anwendung gegen den Covid-19-Erreger durchgeführt werden. Verantwortlich für die antivirale und außerdem antibakterielle sowie antiparasitäre Wirkung sind die sogenannten Bromtyrosine, die der Aplysina-Schwamm immer dann produziert, wenn sein Gewebe verletzt wurde und er sich in der Folge gegen verschiedene Erreger zur Wehr setzen will.

Offen für die Zusammenarbeit mit den entsprechenden Behörden und Institutionen

"Es ist uns gelungen diese bioaktiven Substanzen in einer rein kristallinen Form, in solchen Mengen, das heißt deutlich mehr als 10 Gramm, zu isolieren, dass diese für sofortige klinische Untersuchungen gegen den COVID-19 Erreger zur Verfügung stehen", erklärt Prof. Dr. Hermann Ehrlich von der Arbeitsgruppe Biomineralogie und Extreme Biomimetik an der TU Bergakademie Freiberg. "Selbstverständlich sind wir in der aktuellen Situation offen für die Zusammenarbeit mit den entsprechenden Behörden und Institutionen."

Bis zu 100% des wertvollen Bromtyrosine konnten die Forscher in den vergangenen Jahren dank einer neuen Methode aus dem Schwamm gewinnen. Gemeinsam mit dem sächsischen Start-up-Unternehmen BromMarin GmbH forscht das Team um Professor Ehrlich weiter an der okölogisch schonenden Methode, bei der nur ein Teil des Schwamms unter Wasser abgeschnitten wird und dessen Regenerationsfähigkeit so vollständig erhalten bleibt.