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"Das ganze Dorf ist zum Abschied eingeladen"

Interview mit Helmut Schulze, der über 25 Jahre als Bürgermeister die Geschicke von Eppendorf leitete

Eppendorf. 

Nach über 25 Jahren im Amt räumt Helmut Schulze am Ende des Monats seinen Stuhl als Bürgermeister von Eppendorf. Der 59-Jährige geht mit einem lachenden und weinendem Auge, hat diese Entscheidung gemeinsam mit seiner Frau aber schon vor Jahren getroffen. Er möchte das Aufwachsen seiner Enkel erleben und für sie da sein, was bei den Kindern nicht immer möglich war. Ulli Schubert sprach mit ihm.

Herr Schulze, welches Gefühl beherrscht Sie, wenn Sie an Ihren letzten Arbeitstag denken?

Vorfreude. Denn am 31. Juli lade ich alle Eppendorfer ab 13 Uhr zu einem Abschiedsnachmittag vor der Feuerwache ein. Das kann mich im Extremfall 4.300 Bratwürste kosten (lacht).

Und darüber hinaus?

Lässt es mich schon nicht kalt, meinen Arbeitsplatz und die Kollegen zu verlassen. Wir sind zu einem richtig guten Kollektiv zusammengewachsen. Aber die Zeit war reif. Ich hatte bereits vor sieben Jahren überlegt, ob noch eine Amtsperiode gut ist. Ich bin überzeugt, spätestens jetzt ist ein Wechsel wichtig und richtig - für die Gemeinde und für mich.

Wir können nicht alle nennen, aber welche Erfolge dürfen nicht ungenannt bleiben und was hätten Sie gern noch erreicht?

Da kommt einiges zusammen, zuletzt der Schulanbau. Ich bin froh, dass wir Grund- und Oberschule erhalten konnten und bin ebenso glücklich über die beiden topsanierten Kitas. Auch dass wir die Babybegrüßung eingeführt haben war wichtig. Der Straßenbau, die Sanierung des Ortszentrums - alles Dinge, auf die wir gemeinsam stolz sein können. Sehr positiv finde ich, wie eng die drei Feuerwehren zusammengewachsen sind. Ich bin bei fast jedem Einsatz vor Ort und erlebe, wie alles reibungslos funktioniert. Das war nicht immer so. Nicht klar ist, was aus der Alten Schule und dem früheren Bahnhof wird. Das sind die dicksten Brocken, die ich meinem Nachfolger überlasse. Als Misserfolg sehe ich auch, dass ein Zusammenschluss mit einer unserer Nachbargemeinden nicht geklappt hat.

Es geht nicht nur Ihre Amtszeit, sondern auch die Ära der CDU zu Ende. Worauf führen Sie das zurück?

Das ist keine Niederlage der CDU, mit neun Mandaten hat die CDU die Mehrheit im Gemeinderat. Die Bürgermeisterwahl ist vorrangig eine Personenwahl.

Ihr Nachfolger, Axel Röthling von der SPD, war bereits in der vergangenen Woche zum ersten Mal im Rathaus. Wofür hat er sich interessiert?

Für alles, er hat ganz viele Fragen gestellt. Als Gemeinderat ist ihm ja vieles aus der Kommunalpolitik bereits bekannt. Ich habe eine Liste mit wiederkehrenden Terminen für ihn gefertigt. Nächste Woche wollen wir ins Landratsamt, wo ich ihn der Rechtsaufsicht vorstellen möchte. Wir wollen uns sehr viel Zeit für die Übergabe nehmen. Auch danach stehe ich ihm natürlich bei Bedarf zur Verfügung.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Ich habe keinen Plan, bin aber sicher, dass ich nach einer Pause etwas Sinnvolles finden werde. Ich habe übrigens einen Aufnahmeantrag bei der Eppendorfer Feuerwehr gestellt und bin auch noch in anderen Eppendorfer Vereinen und dem Vorstand der Diakonie Flöha aktiv.



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