Der "Echte Gysi" in Mittweida

Publikation Politiker stellt seine Autobiografie vor

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Gregor Gysi stellte in Mittweida sein neuestes Buch vor. Foto: Funke

Mittweida. Eine fast volle Sporthalle garantierte die Ankündigung von Gregor Gysi mit seiner Buchvorstellung und Radio-Moderator Jürgen Rummel.

"Kommt da wirklich der echte Gysi", wurde Initiatorin und Bibliothekarin Katrin Knobloch mehrfach gefragt. Und er kam wirklich wenn auch verspätet. Bevor er seine 600 Seiten umfassende Autobiografie "Ein Leben ist zu wenig" vorstellte, beantwortete der Linke-Politiker bereitwillig Fragen zur aktuellen Politik.

Gysi zur aktuellen Politik

Den Rücktritt Tillichs kommentierte er mit: "Sachsen war viel zu lange in einer Hand (CDU). Es müssen mal andere Leute ran". Sein Wunsch ist es außerdem noch zu erleben, dass die beiden Staaten Israel und Palästina friedlich nebeneinander existieren.

Vor einigen Tagen erschien nun seine Autobiografie. "Es war höchstanstrengend, ich habe kein Tagebuch geführt und musste mich an alles erinnern, das hat zwei Jahre gedauert".

Sieben Leben - aber keine Katze

In Anspielung auf den Titel "Ein Leben ist zu wenig" stellt Gysi fest: "Ich habe sieben Leben: Kindheit, Jugend, Student, Rechtsanwalt, Bürger der BRD und die schwer erarbeitete Akzeptanz. Ich bin preußisch stur und wenn ich schlecht behandelt werde, spornt mich das an".

Private Einblicke sind im Buch wohl dosiert. "Ich bin zweimal geschieden. Ich denunziere niemanden im Buch, berichte aber gern über das, was es in der DDR gegeben hat", stellt der 69-Jährige fest.

Neues Lebensmotto: Das Alter genießen

Er wuchs in einer wohlhabenden Familie auf, sein Vater war Kulturminister. Beim Monopolyspiel habe er bereits den Kapitalismus kennengelernt. Er lernte Rinderzüchter mit Abitur danach studierte er Rechtsanwalt.

"Zehn Sachen hätten nach dem Mauerfall aus der DDR übernommen werden müssen, unter anderen die Polikliniken und die Ganztagsbetreuung. Jetzt wird vieles eingeführt und keiner will mehr wissen, dass es das schon in der DDR gab".

Ärgerlich sei zudem die soziale Ausgrenzung, deshalb will er sich für Chancengleichheit in der Bildung einsetzen. Sein Lebensmotto sei nun: "Ich bin wild entschlossen, das Alter zu genießen".