Der Mensch braucht "böse" Täter

BILDUNG Ein Psychiater erklärt, warum Menschen schlecht sind

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Hans-Joachim Maaz erklärte in seinem Vortrag, was uns böse macht. Foto: C.Brinkmann

Mittweida. Der Hörsaal im Zentrum für Medien und Soziale Arbeit war am letzten Mittwochabend voll. Auch zur zweiten Veranstaltung der vierten öffentlichen Ringvorlesung sind über 200 Interessierte gekommen. Sie alle schauen gespannt zum Rednerpult. Dort steht Hans-Joachim Maaz, Psychiater, Psychoanalytiker und bekannter Autor. Passend zum Thema der diesjährigen Ringvorlesung "Das Böse - ist überall (?)" will Maaz als Referent des Abend darüber sprechen, was einen Menschen böse macht. "Was ich sagen will ist wohl nicht so einfach zu verdauen", beginnt der streitbare Autor seinen Vortrag. Im Hörsaal wird es still.

Kindliche Entwicklung ausschlaggebend für Zukunft

"Weil wir böse sind, brauchen wir das Böse. Die Welt braucht Täter", fährt Maaz fort und ergänzt: "Es gibt allerdings keine Täter, die nicht auch Opfer waren". Durch das Publikum geht ein leises, erstauntes Raunen. Mit seinen weiteren Ausführungen macht der Psychoanalytiker Maaz aber schnell klar, was er meint. So ist unsere Kindheit entscheidend für unser Verhalten. Neuste Studien des Gehirns zeigen, dass in den ersten drei Lebensjahren die wichtigsten neuronalen Verknüpfungen entstehen.

"Das Hirn bleibt zwar ein Leben lang plastisch und veränderbar, die Dominanz der ersten drei Jahren besteht aber dauerhaft", gibt der Referent Maaz einen Einblick in die Wissenschaft. Die Menschen, die sich, anderen oder anderem Schaden zufügen, haben damit in ihrer Kindheit einen Mangel erfahren.

Balance

In seiner Arbeit mit Patienten erkannte Maaz hier mehrere Krankheitsbilder. Waren die Eltern zu fordernd, so entwickeln die Kinder Selbstzweifel. Erfuhr das Kind zu wenig Liebe, wird es hingegen aggressiv und antriebslos. "Nur wenn man das Angestaute los wird, kann man das Böse besiegen", gibt Maaz zum Abschluss dem Publikum mit auf den Weg.