Der Sachsenring in seinem 85. Jahr

Serie Kurioses, Wissenswertes und Interessantes vom Traditionskurs

Der Sachsenring ist in diesem Jahr 85 Jahre alt geworden. BLICK hat seit dem Frühjahr viele Episoden und Geschichten aus dieser Historie veröffentlicht. Heute:

Weltmeisterschaft 1999

Der 5.000 Lire-Trick

Da war sie wieder am Sachsenring: die MZ. Aber an jenem Wochenende unter der Bezeichnung: MuZ 500. Diesmal unter Regie des Schweizers Weber und seines Teamchefs Rolf Bieland, der sieben Weltmeister-Titel im Seitenwagengeschäft eingefahren hatte. Da die MuZ nicht mit Bridgestone-, sondern mit Michelin-Gummis unterwegs sein musste, holte der Seitenwagen-Spezi den 34-fachen GP-Sieger Luca Cadalora von seinem feudalen Landsitz nach Sachsen an den Ring. "Der kann mit diesen Gummis umgehen", wusste Bieland. 15 Minuten vor dem ersten Training tauchte der alternde Star an der Strecke auf und schloss nach wenigen Proberunden mit dem neuen Sachsenring eine innige Freundschaft. "Es macht Spaß, hier zu fahren", meinte der achtfache Millionär, der innerhalb der nächsten Stunden mächtige Reserven an Motivation hervorholte.

Aber der MuZ mangelte es an Druck. Motorenkonstrukteur Urs Wenger aus der Schweiz ließ nach Cadaloras Hinweisen Veränderungen an Kolben, Zylinder und Zylinderköpfen sowie an den Auspuffanlagen vornehmen - das kostete Lire, war aber ein Volltreffer. Das Leistungsparameter stimmte. "5.000 Lire und eine Stunde Arbeit reichten", so Cadalora und knallte mit neuen Zeiten über die Sachsenringpiste. Im Samstagstraining wurde er Dritter. Das reichte für die erste Startreihe. Tobende Fans begleiteten den Italiener bei seinem Gastspiel.

Das Rennen der Königsklasse hatte seinen Reiz jedoch bereits verloren, noch ehe die ersten beiden Runden vorbei waren. Zur Enttäuschung der Tausenden flog Luca Cadalora in die Wiese. Urplötzlich wurde es merklich ruhiger auf den Tribünen. Das Hinterrad rutschte ihm weg, die großen Hoffnungen wurden am Boden zerstört.Kurz entschlossen lief er in die Box zurück, packte seine Tasche, verschwand und war Minuten später bereits wieder auf dem Weg zu seinem sonnenüberströmten toskanischen Herrensitz.