Die Dresdener Architektur hat hier ihre Wurzeln

Kunsthistorie Vortrag in Mittweida über das Architekturbüro Schilling & Graebner

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Foto: vm/Getty Images

Mittweida/Dresden. Dass die Dresdner Architektur ihre Wurzeln auch in Mittweida hat, wissen nur wenige. Um das etwas aufzuhellen, sprach kürzlich der Kunst- und Architekturhistoriker Maximilian Claudius Noack aus Radebeul über das Dresdener Architekturbüro Schilling & Graebner. Der Vortrag im Museum "Alte Pfarrhäuser" Mittweida fand zahlreiche interessierte Zuhörer.

Organisiert wurde diese Veranstaltung durch den Vorstand des Fördervereines des Museums. Die rührigen Fördervereinsmitglieder unter der Führung ihres Vorsitzenden Michael Kreskowsky haben sich schwerpunktmäßig auch dem Erforschen des Lebens und Wirkens von Johannes Schilling (1828 bis 1910), Mittweidas erstem Ehrenbürger, verschrieben.

Eng mit dem Leben und Wirken des begnadeten Bildhauers ist auch die Erfolgsgeschichte des Architekturbüros Schilling & Graebner verbunden. Schillings Sohn Rudolf (1859 bis 1933) gründete es nämlich gemeinsam mit seinem Freund und Geschäftspartner Julius Graebner (1858 bis 1917). An der Wende zum 20. Jahrhundert gehörten Schilling & Graebner zu den renommiertesten Dresdner Architekten.

Nicht nur im sächsischen Raum hinterließen sie ihre Spuren

Rudolf Schilling und Julius Graebner waren beide beim Dresdener Architekturbüro Weißbach & Giese beschäftigt, "wo sich beide kennenlernten", so Noack. 1889 beschlossen sie schließlich, gemeinsam zu arbeiten. Insgesamt entwarf das Büro rund 150 Bauprojekte, davon fast 40 Kirchen und Gebäude mit sakraler Funktion. Besonderes Aufsehen erregte bereits ihr 1891/92 ihr Debüt, die Kirche zu Radebeul, ab 1934 Lutherkirche.

Dieser Entwurf galt damals als "extravagant", ja gar als "unkirchlich". Trotzdem entschied sich der Kirchenvorstand für den Entwurf von Schilling & Graebner. Vor allem im sächsischen Raum, aber auch auf Norderney (Ostfriesland), in Freiburg (Breisgau), im österreichischen Kufstein oder in Karlsbad (Tschechien) stehen Bauten dieses kreativen Architekten-Duos. Besonders große Wohnkomplexe schufen die Beiden ebenfalls.

Weitere bemerkenswerte Bauwerke sind die Christuskirche in Strehlen, die von 1902 bis 1905 entstand, sowie zahlreiche Villen in Dresden. Auch in Mittweida wurden Schilling & Graebner tätig: Von ihnen stammen die Entwürfe der Gebäude des Neuen Friedhofes an der Chemnitzer Straße, die ab 1915 hier errichtet wurden.