Die etwas anderen Klänge im Museum

Historie Restauriertes Polyphon zieht im Mittweidaer Stadtmuseum das Interesse der Besucher auf sich

Mittweida. 

Mittweida. Einen ganz besonderen Schatz der mechanischen Musikerzeugung besitzt das Museum "Alte Pfarrhäuser" von Mittweida: In der ersten Etage im Raum der Mittweidaer Industriegeschichte der Stadt steht ein reichlich zwei Meter hohes Polyphon mit der Bezeichnung No. 54 "Mikado" aus Wahren bei Leipzig. "Das ist ein mechanischer Musikautomat, wie er zu Beginn des 20. Jahrhunderts in fast jeder Kneipe stand", sagte Mittweidas Museumsleiterin Sibylle Karsch zu diesem mechanisch arbeitenden Musikspieler. "Leider wissen wir nicht, aus welcher Gaststätte er ist", bedauert Karsch.

Polyphone sind Kunstwerke der Feinmechanik, denn im Inneren dieser Musikerzeuger befindet sich filigrane Technik, die in unserer digitalisierten Welt mehr und mehr in Vergessenheit gerät. Dass das nicht passiert, ist eine der Aufgaben von Museen, und die Mittweidaer Museums-Chefin freut sich, dass diese mechanisch arbeitende Musik-Box für tolle Klänge sorgt, die der Besucher mit diesem Klangvolumen eher nicht erwartet. Karsch hatte sich im vergangenen Jahr an Experte Jan Ziederer aus Fraureuth bei Zwickau gewandt, um mit dessen Hilfe das Polyphon wieder funktionsfähig zu machen. Ein Polyphon ist ein mechanisch arbeitender Abspieler von Blechplatten verschiedener Durchmesser, die aus dem Blech herausgedrückte Erhöhungen besitzen, die den Klang erzeugen. Nachdem der sogenannte Musikautomat durch Münzeinwurf gestartet wurde, durchläuft die in Drehung versetzte Platte einen sogenannten Tonkamm und es erklingt eine Melodie. Die Funktionsweise ist ähnlich einer Spieldose. Das Polyphon No. 54 ist ausschließlich zum vertikalen Abspielen von Blechplatten mit einem Durchmesser von 24,6 Zoll, also etwa 62,5 Zentimeter Größe geeignet. "Im Museumsbestand befinden sich insgesamt etwa 15 solcher Platten, die sich nach etwa 100 Jahren aber nicht mehr in gutem Zustand befinden", so Karsch. Deshalb ist beabsichtigt, die beiden neuen über Jan Ziederer besorgten Platten durch weitere zu ergänzen, damit zu jeder Jahreszeit passende Musik vorhanden ist. Das Polyphon sorgt nach der Restaurierung, die der Museums-Förderverein finanzierte, wieder für ein beeindruckendes Klangerlebnis.

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