Die Linde ist Baum des Jahres 2016

Natur Winterlinde löst den Feldahorn ab

Kaum ein Baum in unserem Land ist so volkstümlich wie die vielbesungene Linde, beispielsweise im Lied "Am Brunnen vor dem Tore…". "Als Dorf-, Tanz- und Gerichtslinde spielte sie im Leben unserer Vorfahren eine bedeutende Rolle", weiß auch Baum-Experte Bernd Jentsch, der gemeinsam mit Ex-Wanderwegewart Uwe Starke und Ringethals Ortsvorsteher Ullrich Sachse 2009 den Baumpark in Ringethal geschaffen hat und noch heute betreut. Die Winterlinde ist der Baum des Jahres 2016. Sie ist robuster und deshalb die vorwiegend vorkommende Art im Vergleich zur ebenfalls weit verbreiteten Sommerlinde. Wesentliche Unterschiede zwischen diesen beiden Lindenarten sind die größeren und unterseits filzigen Blätter der Sommerlinde. Die Winterlinde blüht auch erst sehr spät - nämlich zwischen Anfang und Ende Juli. Deshalb ist die Winterlinde als eine der am spätesten blühenden Bäume äußerst wichtig für die Bienen. Die ältesten Linden-Funde stammen aus dem unteren Pliozän, also aus einer mehr als 20 Millionen Jahre zurückliegenden Zeit, in der auf der Erde noch nicht einmal von Primaten, geschweige denn von Menschen die Rede war. Nicht ganz so alt, aber trotzdem schon rund 500 Jahre, hat das Naturdenkmal der sogenannten Streitlinde von Königsfeld auf dem Buckel. Dieser Erinnerungsbaum soll damals im Rahmen eines Gottesgerichts mit den Wurzeln nach oben gepflanzt worden sein, um über den Besitz zweier adeliger Bürger zu entscheiden. "Das ist natürlich Unsinn", widerspricht Jentsch der Sage. "Dieser Baum ist ganz normal gewachsen", erklärt der Baum-Experte zur Streitlinde. Der Treffpunkt unter der Linde im Ortszentrum war aber trotz allem viele Jahrhunderte lang ein äußerst wichtiger Ort. In slawischen und germanischen Stämmen galt der Baum beispielsweise als heiliger Baum der Frigga - Göttin der Fruchtbarkeit. Ein Treffen unter Linden den meist stattlichen Lindenbäumen war schon immer etwas ganz Besonderes, es gab Kraft und Stärke, Mut und nahm das Böse fort. Standen Linden an einem Gewässer oder einer Quelle, so wurde dem Wasser heilkräftige Wirkung nachgesagt. Mit dem Bast der Linde konnten Teufel und böse Geister gefesselt werden, mit Lindenzweigen verjagte man Hexen. Viele Sagen, Gedichte, Bilder und Lieder sind entstanden, die den Linden ihre besondere Stellung verleihen. Unter Linden wurde sich seit je her getroffen, ausgeruht, geredet, gespielt, getanzt, gearbeitet, geheiratet - und Gericht gehalten. Mehr über den Titel "Baum des Jahres", der in diesem Jahr zum 28. Mal vergeben wurde, ist auch im Internet unter www.baum-des-jahres.de zu erfahren.