Die Schäden nach einem Unfall

Kosten Teure Vertragswerkstatt oder freie Werkstatt wählen?

Wird bei einem Verkehrsunfall das Fahrzeug eines anderen Verkehrsteilnehmers infolge des Verschuldens des Unfallverursachers beschädigt, muss dieser dem Geschädigten Schadensersatz in der Weise leisten, dass letzterer so gestellt wird, wie wenn der Unfall nicht eingetreten wäre. Dies wird meist in Form der Überweisung eines Geldbetrages erfolgen. Gleiches gilt, wenn der Schädiger für den Schaden an seinem eigenen Fahrzeug auf seine Kaskoversicherung zurückgreift.

Hierbei kann sich der Versicherungsnehmer entscheiden, ob er sein Fahrzeug mit diesem Geld tatsächlich reparieren lassen möchte oder ob er das Fahrzeug in beschädigtem Zustand belässt und das Geld anderweitig verwendet. In ersterem Fall steht es ihm frei, eine beliebige Werkstatt zu wählen. Aufgrund des berechtigten Interesses des Geschädigten, das ihm bekannte Fahrzeug zu behalten, können Reparaturkosten bis zur Höhe von 130 % des Neubeschaffungswertes eines vergleichbaren Fahrzeugs verlangt werden.

Ob der Geschädigte entsprechende Reparaturkosten einer teuren Fachwerkstatt für den Fall verlangen kann, dass er sein Fahrzeug in beschädigtem Zustand belässt, war bis jetzt umstritten und wurde in der Rechtsprechung unterschiedlich gehandhabt.

Am 11.11.2015 hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass die Kosten einer Fachwerkstatt für den Fall ersetzt verlangt werden können, wenn eine vollständige und fachgerechte Instandsetzung nur in einer Markenwerkstatt möglich wäre.

Gleichfalls kann ein entsprechender Geldbetrag verlangt werden, wenn es sich um ein neueres Fahrzeug handelt oder der Versicherungsnehmer das Fahrzeug bisher stets in einer markengebundenen Fachwerkstatt hat reparieren lassen.

Darlegungs- und beweisbelastet ist für diese Umstände der Versicherungsnehmer. Es ist mithin für die Beurteilung dieser Problematik, insbesondere wann es sich um ein neueres Fahrzeug handelt, auf den entsprechenden Einzelfall abzustellen. So kann beispielsweise auch die Frage mit in die Entscheidung einzubeziehen sein, ob ein anderweitiges Reparaturangebot am Wohnort des Geschädigten vorhanden ist. Auch Sondervereinbarungen mit dem Versicherer müssen berücksichtigt werden.

Ist der Versicherungsnehmer nach einem Unfall unsicher, welche Ansprüche ihm gegen den Versicherer zustehen, ist ihm zu empfehlen, sich bei einem fachkundigen Rechtsanwalt beraten zu lassen.

Jörg Neuber

Rechtsanwalt

Fachanwalt für Strafrecht