Die unbekannte Seite von Martin Luther

Archiv Auch in Lunzenau beschäftigt man sich mit Luther

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Foto: Andrea Funke

Lunzenau. Corina Schilling blättert behutsam in den zirka 500 Jahre alten Büchern und studiert interessiert die Korrespondenzen und Niederschriften vom Reformator Martin Luther. Seit Oktober ist die Nöbelnerin als Kirchenarchivarin in der Lunzenauer Kirche beschäftigt. Acht Bände hat sie vorerst in Bearbeitung. Die großen schweren Bücher haben einen Holzdeckel und einen abgegriffenen Ledereinband. Eines davon ist sogar etwas verkohlt, aber noch gut lesbar.

Woher die Brandschäden kommen weiß Pfarrer Gert Flessing auch nicht, stammen die Bücher doch aus der Rochsburger Kirche und kamen nach deren Schließung in das Lunzenauer Pfarramt. Drei bis vier Wochen benötigt Corina Schilling für ein Buch. "In dem Register schaue ich, ob etwas Interessantes in den jeweiligen Buch zu finden ist und schreibe mir dann Stichpunkte heraus", sagt die Archivarin.

Die Lunzenauer Kirche plant anlässlich des 500-jährigen Jubiläums der Reformation eine Ausstellung in der St. Jacobus Kirche im Juni. Am vorläufigen Konzept feilt noch Corina Schilling in Abstimmung mit dem Pfarrer. Details, wie die Feier und die Ausstellung ablaufen soll, verraten die beiden noch nicht. Nur so viel, es wird am 1. Juni ein Orgelkonzert geben. Auch werden Auszüge aus den Bücher zu sehen sein.

"Ich habe kein Problem mit dem Lesen der alten Schrift. Fasziniert war ich jetzt beispielsweise von einem Brief Luthers an seine Mutter. Über seinen Bruder erfuhr er von der Herzkrankheit seiner Mutter und tröstete sie schriftlich. Es zeigt eine ganz persönliche Seite von ihm", stellt die Archivarin fest. In Lunzenau existierten keine alten Unterlagen und Bücher, da alles durch den großen Stadtbrand 1781 vernichtet wurde.