Die Welt der Perltaschen näher gebracht

Sonderschau Weihnachtsausstellung im Mittweidaer Stadtmuseum hat wieder Sehenswertes zu bieten

Mittweida. 

Mittweida. Erzgebirgische und schwäbische Perlstrickerei - ein weitgehend vergessener, ehemals erfolgreicher textiler Industriezweig steht diesmal im Mittelpunkt der Weihnachts-Sonderausstellung im Museum "Alte Pfarrhäuser" Mittweida, Kirchberg 3.

Das Motto der Schau auf dem Dachboden des Museums lautet "Perle für Perle - erzgebirgische und schwäbische Perltaschen". Die beiden passionierten Sammlerinnen Sabina B. Schürenberg aus Tübingen in Schwaben und Dr. Bettina Levin aus dem erzgebirgischen Sehmatal-Sehma zeigen viel Interessantes zu diesem einst erfolgreichen Industriezweig.

Die Sonderschau zeigt anschaulich, welch hohen Stellenwert das Herstellen von Perltaschen insbesondere im Zeitraum von 1890 bis 1930 hatte. War die Fertigung in Schwaben fast ausschließlich Handarbeit, so wurden im Erzgebirge mittels Jacquardmaschinen höhere Stückzahlen erreicht, was zu einer echten Konkurrenz für die schwäbischen Produzenten wurde, hat Dr. Bettina Levin, die auf diesem Gebiet umfangreiches Fachwissen besitzt, recherchiert. Die Perltaschen aus dem Erzgebirge hatten vor allem in den USA, Großbritannien und Australien ihre Käuferinnen. Mit der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre ebbte das Interesse für Perltaschen sowohl in Übersee als auch in Europa ab, bevor der Zweite Weltkrieg völlig zum Aus dieser Fertigung führte. Immerhin waren im Erzgebirge etwa 9.000 Menschen mit der Perlweberei beschäftigt.

Viele der ausgestellten Taschen bestechen durch Bildmotive, denen zeitgenössische Druckgrafiken als Vorlage dienten. Damals waren es für die Gutbetuchten überwiegend Souvenirartikel, die lieb gewonnene Erinnerungen an eine bestimmte Reise in beeindruckender Farbenpracht fest hielten. Auch Werbung für touristisch attraktive Gegenden wurden so gemacht. Farbfotos waren ja damals noch Mangelware.

Gezeigt wird diese sehenswerte Ausstellung mit viel Wissenswertem zur Perlstickerei/-weberei noch bis zum 3. Februar 2019. Weitere telefonische Informationen unter 03727/3450.