"Diese Idee könnte vielen zu Gute kommen"

Interview mit Dirk Neubauer, Bürgermeister der Stadt Augustusburg

In der vergangenen Woche wurde in der Firma Buschbeck in Erdmannsdorf der Prototyp einer Unterkunft für Asylbewerber vorgestellt, die Unternehmer der Stadt Augustusburg entwickelt haben. Mit Bürgermeister Dirk Neubauer sprach Ulli Schubert.

Herr Neubauer, Sie unterstützen mit Vehemenz das Vorhaben, warum?

Weil ich, wie alle anderen Beteiligten, fest davon überzeugt bin, dass es Sinn macht. Wir stehen nach wie vor zu einer dezentralen Unterbringung der Asylbewerber, haben in der Stadt aber nicht genügend Wohnraum, der sofort genutzt werden könnte. Und die Sanierung des leerstehenden und vorwiegend überalterten Wohnraums in der Stadt käme wesentlich teurer und wäre mit Kreditaufnahmen verbunden. Die Modellhäuser würden - wenn die Idee angenommen wird - vom Landkreis finanziert.

Das stimmt und auch wieder nicht. Wir haben von Leasinggesellschaften ein Zwischenmodell errechnen lassen. Beim Leasen eines solchen Hauses über fünf Jahre kämen monatliche Belastungen in Höhe von rund 650 Euro auf den Mieter zu. Das Modellhaus hätte nach fünf Jahren einen Restwert von 3000 bis 4000 Euro, die dann noch zu zahlen wären. Und: Diese Lösung kostet nur so lange Geld, wie man diese benötigt. Auf Kredit finanzierter Wohnraum über Bedarf steht dann kostenpflichtig leer.

Der Leasingnehmer ist aber im Fall der Asylbewerber nicht die Stadt, sondern der Landkreis Mittelsachsen.

Ja, der Landkreis müsste bei diesem Projekt mitziehen. Aber es hat aus meiner Sicht viele Vorteile: Wir schaffen keine Überkapazitäten in Sachen Wohnraum und die Selbstbauhäuser können von Interessenten nachgenutzt werden. Beispielsweise als Ferienhäuser.

Dennoch wird an den Häusern auch verdient, wenn denn das Projekt umgesetzt werden kann. Wie stehen Sie dazu?

Ich habe kein Interesse, dass das Geld für irgendwelche Container aus sonst woher ausgegeben wird, die womöglich noch teuerer sind. Wenn das Geld in der Stadt bleibt, ist das auch für uns gut. Es fließen Steuern und womöglich können sogar Arbeitsplätze geschaffen werden. Wenn das alles Augustusburg und seinen Einwohnern zugute kommt, sehe ich das sehr positiv.

Der Aufbau muss natürlich unter fachmännischer Anleitung erfolgen. Aber es gibt viele Handgriffe, die auch von den Asylbewerbern geleistet werden können. Welche bessere Integration könnte es geben, als gemeinsame Arbeit? Dabei lernt man die Sprache, sich besser kennen und womöglich schätzen. Wir können uns sogar vorstellen, dass Flüchtlinge bei der Produktion der Häuser in der Firma Buschbeck mitwirken.

Weitere Informationen zum Selbstbauhaus im Internet: www.ecomodul.de