Drei Jahre auf der Walz: Was diesen jungen Handwerker nach Mittelsachsen führt

Schwarzer Hut, Kluft und Wanderstock: Schreiner Gabriel Feller ist auf der Walz und erzählt, warum ihn Handwerk, Fernweh und Wissensdurst antreiben.

Frankenberg/Sa.

Breiter schwarzer Hut, dunkle Zunftkleidung mit auffälligen weißen Knöpfen und die blaue „Ehrbarkeit“ am Kragen: Wer Gabriel Feller begegnet, erkennt schnell, dass der junge Mann nicht einfach nur auf Reisen ist.

Wanderstock und Reisegepäck hat der 26-Jährige aus der Nähe von Trier dabei. Im Mittelpunkt seiner Reise stehen das Handwerk, neue Erfahrungen und das Wissen, das er unterwegs sammeln möchte.

Am Montag, 24. August, führte ihn sein Weg ins Rathaus Frankenberg/Sa. Dort überbrachte der Schreiner-Geselle die traditionellen handwerklichen Grüße und traf Bürgermeister Oliver Gerstner. Seit vier Monaten ist Gabriel Feller bereits auf der Walz. Drei Jahre und einen Tag sollen es insgesamt werden.

Handwerk lernen – unterwegs auf der Walz

Feller ist als sogenannter „fremder Rolandsbruder“ unterwegs und reist im Rolandschacht, einer 1891 gegründeten Gesellenvereinigung. Erkennbar ist er an seiner blauen „Ehrbarkeit“, der traditionellen Krawatte der Wandergesellen.

Seine Reise führte ihn bislang unter anderem nach Polen und Döbeln. Nach dem Zwischenstopp in Frankenberg/Sa. geht es für ihn weiter in Richtung Gera. Unterwegs ist er hauptsächlich zu Fuß oder per Anhalter.

Wer zieht heute noch von Ort zu Ort, um sein Handwerk zu lernen?

Doch warum entscheidet sich ein junger Handwerker heute dafür, für mehrere Jahre sein gewohntes Umfeld hinter sich zu lassen?

„Reise, um zu arbeiten, arbeite, um zu reisen“, beschreibt Gabriel seine Motivation. Ihn faszinieren Fernweh, Wissensdurst und das Abenteuer. Doch auf der Walz geht es ihm nicht nur darum, neue Orte kennenzulernen: Der Schreiner möchte neue Handwerkstechniken erlernen, seine handwerklichen Fähigkeiten erweitern und neue Erfahrungen sammeln.

Eine jahrhundertealte Handwerkstradition

Die Walz blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bereits im Mittelalter war die Wanderschaft Voraussetzung für die Zulassung zur Meisterprüfung. Traditionell sind Gesellen mindestens drei Jahre und einen Tag unterwegs – einen Tag länger, als ihre Ausbildungszeit dauerte.

Bis heute hat sich die Walz als besondere Handwerkstradition erhalten. Sie bietet jungen Gesellen die Möglichkeit, fremde Orte zu entdecken, neue Arbeitstechniken zu erlernen und wertvolle Lebenserfahrung zu sammeln.

Mit Wanderstock ins Frankenberger Rathaus

Auch optisch bringt Gabriel Feller ein Stück Handwerkstradition mit nach Frankenberg: schwarze Kluft, breitkrempiger Hut, blaue Ehrbarkeit und Wanderstock prägen sein Erscheinungsbild.

Im Rathaus folgte er ebenfalls der Tradition und bat um einen Stempel für seinen Wanderpass. Bürgermeister Oliver Gerstner freute sich über den überraschenden Besuch und unterstützte den jungen Gesellen mit einem kleinen Beitrag für die Reisekasse. Außerdem überreichte er ihm ein Handwerkstuch der Kulturhauptstadt Chemnitz 2025.

Welche Erfahrungen nimmt Gabriel von seiner Walz mit?

Drei Jahre und einen Tag unterwegs, neue Orte und neue Erfahrungen: Für Gabriel verbindet die Walz das Reisen mit seinem Beruf. Im Mittelpunkt steht dabei immer wieder das Handwerk – und die Möglichkeit, dazuzulernen.

Nach seinem Zwischenstopp in Frankenberg geht es nun weiter in Richtung Gera. Welche Erfahrungen und handwerklichen Kenntnisse Gabriel auf seinem weiteren Weg sammeln wird, ist noch offen. Fest steht: Seine Walz hat gerade erst begonnen.

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