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Ein "Ankerplatz" für die Gemeinde

Eine gute Bildung für die Kleinsten wird in Zethau großgeschrieben - Langjährige Netzwerkarbeit mit Preis gewürdigt

Zethau. 

Zethau. Manchmal hilft nur eine Zeichnung, um den Überblick zu behalten. "Wir haben einmal alle Verbindungen unsers Netzwerkes zu Eltern, Großeltern und anderen Beteiligten aufgezeichnet. Da zeigte sich, welch dichtes Netz wir über Zethau gewoben haben", sagt Andrea Schmieder. Die 39-Jährige ist Leiterin des Christlichen Kinderhauses "Ankerplatz" im Muldauer Ortsteil. Im Mai wurde das Netzwerk "Zethau bewegt sich" von der Jury des Deutschen Kitapreises ausgezeichnet. Und auch wenn die Kita "Ankerplatz" im Netzwerk so etwas wie der Anker ist, stellt die engagierte Kitaleiterin klar: "Der Preis ging nicht an die Kita, sondern den ganzen Ort."

Das Miteinander ist zentral

Vor acht Jahren übernahm der Radebeuler Verein Kinderarche Sachsen, der in sieben sächsischen Landkreisen und der Landeshauptstadt Kitas betreibt, das Haus in Zethau. Von Anfang wurde Wert auf einen guten Kontakt zur Kirchgemeinde gelegt. "Uns war von Anfang an klar, dass man, wenn man in einem Dorf zusammenlebt, sich auch für dieses Dorf engagieren muss", sagt Andrea Schmieder. So wuchsen über die Jahre das Netzwerk und die Ideen.

Viermal im Jahr gibt es in der Kita Angebote für Familien. Ausgangspunkt war ein gemeinsamer Fahrraderlebnistag mit Kitakindern und deren Eltern rund um das Kinderhaus, aus dem sich wiederum das Projekt "Zethau bewegt sich" entwickelt hat. Das Besondere dabei: Jedes Jahr am 1. Mai können die Kinder mit ihren Familien im ganzen Ort verschiedene Stationen absolvieren, die dazu animieren, gemeinsam aktiv zu sein: Angefangen vom Fahrradparcours am Kinderhaus über Basketball bei der Sportvereinigung Zethau bis hin zum Zielspritzen mit der Handpumpe bei der Feuerwehr. Die Jury des Deutschen Kitapreises fand dieses Konzept preiswürdig.

So entstehen die Ideen

Geplant werden die Aktionen in zwei Beiräten. Der kleine Beirat, dem unter anderem Vertreter der Kirchgemeinde und Elternvertreter angehören, plant und bespricht alle Dinge, die die Kita betreffen. Im großen Beirat sind darüber hinaus auch Mitglieder der Feuerwehr, des Sportvereins oder der Grünen Schule grenzenlos vertreten. Die Vorteile liegen für alle Beteiligten auf der Hand: Die Kinder werden frühzeitig auf diejenigen aufmerksam, die im Ort etwas sinnvolles zu bieten haben, im Gegenzug haben weder Feuerwehr noch Posaunenchor der Kirchgemeinde echte Nachwuchssorgen.

Für Kitas, Elternvertretungen, Gemeinden oder Träger, die in ihrem Ort etwas vergleichbares anschieben wollen, hat Andrea Schmieder ein paar einfache Tipps parat: "Zunächst braucht es Engagierte, denn wir machen alles ehrenamtlich. Und dann ist die richtige Kommunikation ganz wichtig." Ihre Erfahrung habe gezeigt, dass weder Briefe noch soziale Medien das persönliche Gespräch als wichtiges Kommunikationsmittel ersetzen konnten.

Bei den nächsten Netzwerktreffen soll entschieden werden, was mit dem Preisgeld von 10.000 Euro passiert. "Wir sind noch in der Ideenfindung, wollen aber gern etwas für den Ort und vielleicht auch für die etwas älteren Kinder auf die Beine stellen", sagt Andrea Schmieder.

Einrichtung entwickelt sich weiter

Über mangelnde Arbeit werden sich die Zethauer auch in Zukunft nicht beklagen können: Seit 2016 entwickelt sich die Kita als eine von 31 Einrichtungen in Sachsen und drei in Mittelsachsen zu einem Eltern-Kind-Zentrum weiter. "Wir wollen Willkommensorte für Familien schaffen, die einen Austausch ermöglichen und Hilfe anbieten", erklärte die damalige Kultusministerin Brunhild Kurth zum Start des Projektes im Mai 2016 dessen wichtigste Ziele. Andrea Schmieder gefällt der Begriff Familienzentrum deshalb auch besser, schließlich haben ja auch die Großeltern oder Freunde einen Bezug zu den Kindern und gehören damit auch zur Familie. Diesen werden auf Wunsch unter anderem die verschiedensten Bildungsangebote - von Natur bis Pädagogik - in der Kita unterbreitet.

Jurybegründung

Aus diesen Gründen hat die Jury des Deutschen Kitapreises das Kinderhaus "Ankerplatz" in Zethau ausgezeichnet:

- Das Kinderhaus entwickelt das Dorf: Gute kindorientierte Arbeit ist der Impuls für die Stärkung einer stabilen Zivilgesellschaft im ländlichen Raum.

- Junge und ältere Bürgerinnen und Bürger finden hier passende und vielfältige Angebote.

- Das Kinderhaus "Ankerplatz" ist zentraler Schauplatz im Dorf und Anlaufstelle auch für neu zugezogene Dorfbewohnerinnen und -bewohner.

- Die gegenseitige Verantwortung, die nicht am Gartenzaun endet und das Wissen, dass es neben vielen Kindern eben auch gute Bildungsangebote braucht, hält die Bürger zusammen.

Dieser Artikel ist in der Sonderzeitung "10 Jahre Landkreis Mittelsachsen - Die besten Seiten einer besonderen Region" erschienen.



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