Ein Autogramm fürs Herz: Bewegende Begegnung mit einer Eislauflegende in der Kita Sonnenschein

Zwischen Hüpfburg, Zuckerwatte und Weltmeister Robin Szolkowy – warum dieser Termin in Mittelsachsen mehr war als nur ein Auftrag und wie ein Mann namens Gottfried Herbst ihn unvergesslich machte

Zettlitz

Manche Termine schreibt man. Und manche Termine schreibt man ins Herz.

Ich kam, um zu fotografieren, zu filmen, Stimmen einzufangen. Ich ging mit einer Geschichte, die mich selbst berührt hat.

Am 27. Februar war ich als Redakteurin von BLICK.de in der Kita Sonnenschein in Zettlitz (Mittelsachsen). Gemeinsam mit Schlau‑Mieten.de - Jan Prager, ein idealer Partner wenn es um Veranstaltungen geht, und Robin, als Initiator der Glücksmomente, gestalteten wir einen besonderen Vormittag für die Kinder, ein Muldentaler Jugendhaus und die Bewohner des betreuten Wohnens „Oldie“.

Ergänzend gab es dieses Mal auch Unterstützung von der „Discothek Hurrican“ – Danilo Döhling.

Eislauflegende Robin Szolkowy vor Ort - und ein heimlicher Fan

Im Mittelpunkt des Tages stand unter anderem Eiskunstlauf-Weltmeister Robin Szolkowy, der mit vor Ort war.

Doch im Mittelpunkt meines Herzens stand ein Mann, der leise war – und gerade deshalb so viel Eindruck hinterließ: Gottfried Herbst.

Ein sonniger Februartag voller Leben

Über 15 Grad im Februar, strahlender Sonnenschein, Kinderlachen, das durch die Luft getragen wurde.

Hüpfburgen ragten bunt in den Himmel. Es duftete nach Popcorn und Zuckerwatte. Kinder zwischen null und sechs Jahren tobten über das Gelände, kletterten, bauten mit großen Bausteinen, fuhren mit Fahrzeugen. Dies wurde alles kostenlos zur Verfügung gestellt von Schlau-Mieten.de - Jan Prager.

Und am Rand dieses fröhlichen Trubels saßen Bewohnerinnen und Bewohner des betreuten Wohnens. Manche im Rollstuhl, begleitet von Pflegekräften. Sie bastelten kleine Frühlingsgrüße – und beobachteten die Kinder mit diesem Blick, der alles sagt: Freude. Erinnerung. Leben.

Gottfried war einer von ihnen.

Die Fotobox – und ein Gespräch, das alles veränderte

In einer kleinen Ecke war eine Fotobox aufgebaut. Zwei große Bausteine dienten als Sitzgelegenheit. Dort nahm Robin Szolkowy Platz.

Gottfried wurde mit seinem Rollstuhl daneben gestellt. Ein Foto entstand.

Doch er wusste zunächst gar nicht genau, wer neben ihm saß. Er fragte Robin offen, welche Rolle er bei dieser Veranstaltung habe. Robin antwortete freundlich, dass er wegen des Eiskunstlaufs hier sei.

Eiskunstlauf?

Man sah Gottfried an, wie er überlegte. Wie er versuchte, diese Information einzuordnen. Und dann kamen sie ins Gespräch.

Mit jedem Satz wurde ihm klarer, dass er einem Weltmeister gegenübersaß. Einem Sportler, dessen Karriere er verfolgt hatte. Den er gemeinsam mit seiner Frau im Fernsehen gesehen hatte.

Seine Frau, sagte er später, sei inzwischen „im Himmel“. Kinder konnten sie leider keine bekommen.

Vielleicht war es genau deshalb noch zusätzlich so bewegend, ihn an diesem Tag umgeben von Kinderlachen zu sehen.

Ein Autogramm – und so viel Erinnerung

Als ihm bewusst wurde, wer Robin Szolkowy war, veränderte sich etwas in seinem Gesicht.

Er rollte ein Stück zur Seite. Dachte nach.

Ich ging zu ihm und fragte, ob ich ihm noch etwas Gutes tun könne. Da sagte er leise, noch sichtlich berührt, er hätte gern ein Autogramm.

In diesem Moment lag so viel Ehrlichkeit. So viel Herz.

Später hielt er dieses Autogramm in seinen Händen wie einen Schatz.

Ein Lehrer, der Mädchen Fußball spielen ließ

Im Gespräch erzählte mir Gottfried von seinem Leben. Er war viele Jahre Sport- und Deutschlehrer. Selbst Sportler mit Leidenschaft.

Bei ihm gab es keine Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen. Alle spielten alles. Fußball. Völkerball. Jeder bekam dieselbe Chance.

Mit leuchtenden Augen berichtete er, wie seine Mädchen später in einer Mannschaft spielten – und die Jungen besiegten. Wie sie unterschätzt wurden. Wie sie sich Respekt erkämpften.

Eine Szene beschrieb er besonders lebendig: Ein Mann hatte sich abfällig darüber geäußert, was Mädchen auf einem Fußballplatz zu suchen hätten. Eine Frau stand im Tor.

Nach dem Spiel kniete genau dieser Mann vor dem Tor, schlug mit den Fäusten auf den Boden und rief:

„Die Frau hält alles!“

Gottfried erzählte das mit Stolz. Ruhig. Bescheiden. Aber voller Überzeugung.

Und ich musste lächeln.

Denn auch ich bin Fußballerin. Auch ich bin als einziges Mädchen in einer Jungenmannschaft groß geworden. Auch ich kenne diese Sätze.

In diesem Moment war ich nicht nur Redakteurin. Ich war Zuhörerin. Und irgendwie auch ein kleines Stück Verbündete.

Blumige Fantasie und volle Manuskripte

Irgendwann kamen wir vom Sport zum Schreiben.

Ich erzählte ihm, dass ich heute als Redakteurin unterwegs bin. Da lächelte er und sagte, man habe ihm schon als Kind eine „blumige Fantasie“ nachgesagt. Er habe immer gern geschrieben, erzählte er.

Es seien stets viele Gedanken in seinem Kopf gewesen – so viele, dass seine Manuskripte schon als Schüler oft sehr umfangreich waren. Lebendig, ideenreich, voller Bilder. Für Idee und Umsetzung habe er sehr gute Noten bekommen.

Nur mit der Ordnung habe es manchmal gehapert, sagte er schmunzelnd. Da sei auch schon einmal eine Fünf darunter gewesen. Seine Aufzeichnungen vor der Reinschrift seien schlicht zu ausführlich gewesen – und am Ende habe die Zeit gefehlt, alles noch sauber und ordentlich zu übertragen.

Er erzählte das mit einem Augenzwinkern. Und ich dachte: Manche Gedanken sind eben größer als jedes vorgegebene Seitenmaß.

Er wertschätzte die Arbeit der Redakteure und gab offen zu, dass sich vieles heute verändert hat. Große Zeitungstexte seien heute schwierig für ihn. Irgendwann schalte man ab. Und dann verpasse man vielleicht das Wichtigste. Eine ehrlich gemeinte Kritik, über die ich nachdachte.

Blaue Zuckerwatte, rosa Fassbrause

Kurz zuvor hatte Gottfried blaue Zuckerwatte gegessen. Sein Mund war noch blau.

Als ich ihn fragte, ob er noch etwas trinken möchte, stimmte er zu. Ich reichte ihm eine Fassbrause. Dann schaute er die Flasche an. Und wurde kurz still. Seine Mimik erzählt jedoch so einiges. Man konnte förmlich spüren, dass er sich an etwas erinnerte. „Die habt es früher immer gegeben“, sagte er.

Nun mischte sich ein zarter rosa Rand in das Blau. Er saß dort mit seinem Autogramm, ließ diesen vormittag Revue passieren, legt diese Erinnerung in sein großes Herz.

Seit dem 23. Dezember lebt er im betreuten Wohnen. Noch nicht lange. Aber er sprach positiv darüber. Wirkte angekommen.

Und an diesem Tag wirkte er einfach glücklich.

Lieber Gottfried …

Sie sagten, große Texte seien manchmal schwer zu lesen.

Dieser hier ist auch lang geworden.

Vielleicht nicht perfekt geordnet. Vielleicht eher ein Manuskript – mit vielen Gedanken, vielen Bildern, viel Gefühl.

Aber an diesem Tag sind so viele große Herzen zusammengekommen, dass dieser Bericht einfach groß sein musste.

Vielleicht liest ihn Ihnen jemand vor, wenn die Augen müde werden. Vielleicht lächeln Sie an der Stelle mit der Fassbrause. Oder bei „Die Frau hält alles!“

Für mich war diese Begegnung ein Geschenk.

Und manche Geschenke schreibt man nicht nur auf. Man trägt sie weiter. Schön, dass ich sie kennenlernen durfte. Danke für diese Begegnung.

Bewerbung für Robins Glücksmomente noch möglich

Die Kita war im Februar Gewinner von ‚Robins Glücksmomente‘. Wer ebenfalls ein solches Event erleben möchte, kann sich weiterhin bewerben.

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