Ein großes Zelt für Flüchtlinge

Bau In Freiberg entstehen mehr Unterkünfte

Die Brückenstraße in Freiberg war in der Vergangenheit, trotz ihrer Nähe zur stark befahrenen Chemnitzer Straße, ein ruhiger Ort. Neben dem Finanzamt steht hier die Musikschule, ihr schließt sich das Hotel "Regenbogenhaus" an und dahinter steht ein moderner Block mit Wohnungen. In der Nachbarschaft befindet sich die Glück-Auf-Turnhalle der TU Bergakademie. Deren Gelände ist in diesen Tagen von undurchsichtigen Zäunen umringt, Baggerhälse sind zu sehen, Motorenlärm zu hören. Auf manchen Balkonen des Hauses an der Brückenstraße stehen Bewohner, schauen über die Zäune und durch die Baumkronen hinüber. Sie sind unglücklich und auch verärgert. Vor einigen Wochen wurde die Turnhalle zur Unterkunft von Asylbewerbern hergerichtet. Erst kurzfristig wurde darüber die Stadt unterrichtet. Seit Montag dieser Woche erhebt sich das Gerüst eines großen, winterfest geplanten Zeltes auf dem Gelände, direkt neben dem Wohnhaus. Weitere knapp 200 Flüchtlinge sollen hier Unterkunft finden. Die Stadt Freiberg erhielt dazu erst Informationen, als die Bagger schon in Aktion waren und Oberbürgermeister Sven Krüger sie einforderte. Seinen Unmut über diese Art von Aktionismus hielt er nicht zurück. Auch die Anwohner äußern sich entsprechend. "Ich bin entsetzt und traurig darüber, dass mit niemandem darüber geredet wird", sagt eine von ihnen. Andere denken wohl schon über einen Umzug nach. Nur wenige Meter von den Wohnungen entfernt sollen die Aggregate für die Wärmezufuhr des Zeltes stehen. Allein deren Lärm rund um die Uhr sei eine starke Beeinträchtigung. Es wird keine Stimme laut, den Flüchtlingen eine Unterkunft zu verwehren, aber an den Einwohnern von Städten und Gemeinden vorbei Tatsachen zu schaffen, ist keine glückliche Lösung, trotz der Schwere der Situation.