Ein Meister der Verwandlung

Porträt Jens Seibert liebt es, zur Gina zu werden - und begeisterte damit in Limbach

Sein Vorbild ist Mary und ganz wie diese große Diva präsentierte sich auch Gina alias Jens Seibert dem begeisterten Besuchern des Apollo-Kinos in Limbach-Oberfrohna. Der Zwickauer übt einen Beruf aus, den außer ihm nur wenige tun: Jens Seibert ist Travestiekünstler und ein Meister der Verwandlung.

Seit 1990, als er im Faschingskostüm die Marilyn Monroe gab, sei er der Travestie verfallen, sagt der 42-Jährige. "Wenn ich in die Rolle von Gina schlüpfe, kann ich Dinge sagen oder tun, die als Mann nicht ankämen. Einem schönen Gesicht wird eher zugehört als einem unscheinbaren", sagt Seibert. Das fasziniere ihn so an der Kunst der Verwandlung. Er sei jedoch weder ein Transvestit noch ein Transsexueller, stellt er klar. "Privat bin ich ein Mann, auf der Bühne eine Frau." Um zur Frau zu werden, bedarf es einer Menge Schminke, diverser Haarteile, Schmuck, glitzernde Kleider und hohe Schuhe.

Stolz ist Seibert über seine langen Naturfingernägel, die für einen Auftritt mit einem farbigen Lack in Szene gesetzt werden. Für ein feminines Aussehen im Gesicht benutzt der Travestiekünstler ein spezielles Bühnen- Make-up. Wenn Jens Seibert fertig ist, kommt eine Dame zum Vorschein, die ein elegantes divenhaftes Make-up trägt. Grelle Farben oder Glitzer findet man in ihrem Gesicht nicht. "Ich will weiblich aussehen, aber nicht wie ein Zirkuspferd", sagt Jens Seibert. Dabei orientiere er sich am Glamour des frühen 20. Jahrhunderts. Der Zwickauer ist aber nicht nur ein Künstler, der bei der Maske selbst Hand anlegt, sondern auch bei den Kostümen. Wie viele er genau besitzt, könne er gar nicht sagen, an die 100 schätzt er. Den Großteil davon habe der gelernte Keramiker selbst geschneidert. Auch das habe er autodidaktisch gelernt. "Es wäre zu teuer, wenn ich die ganzen Gina-Kostüme kaufen müsste", erzählt er. In maximal 45 Sekunden pro Umzug hinter der Bühne schlüpfte Jens Seibert in Limbach in insgesamt 13 verschiedene Kostüme.