Ein Oratorium für mehr Toleranz und Frieden

Aufführung Oratorium "A Child Of Our Time" im Freiberger Dom

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Domkantor Albrecht Koch während der Chorproben zum Oratorium "A Child Of Our Time". Foto: Wieland Josch

Freiberg. Die Proben des Chores der Freiberger Domgemeinde laufen seit Anfang März. Alles muss sitzen, wenn am kommenden Sonntag, den 11. Juni, das Oratorium "A Child Of Our Time" ab 17 Uhr im Dom zur Aufführung kommt.

Worum geht`s?

Geschrieben hat es der englische Komponist Michael Tippett und es entstand in den Jahren 1939 bis 1941 als unmittelbare Reaktion auf das Attentat des jungen Juden Herchel Grynszpan, der 1938 in Paris einen deutschen Botschaftsangestellten tötete und so ungewollt den Vorwand für die sogenannte "Reichskristallnacht" lieferte, bei der tausende Juden in Deutschland verschleppt und getötet wurden sowie die Synagogen in den Städten in Flammen aufgingen. Der Beginn der Massenvernichtung war damit gemacht.

Ein Wagnis, das sich lohnt

Domkantor Albrecht Koch bringt das Stück nun in Freiberg zur Aufführung. Ein Wagnis, allein schon der Thematik wegen, doch eines, das sich lohnt, für die Zuhörer ebenso wie für die Sänger und Musiker. "Es ist mit Abstand das spannendste Projekt, welches ich in Freiberg in Angriff genommen habe", sagt Koch.

"Ich habe dafür ein Stück gesucht, bei dem Toleranz, Frieden und Versöhnung im Mittelpunkt stehen." Aspekte, die ihre Bedeutung nicht verloren haben. Das Oratorium behandelt sie zunächst philosophisch, erzählt dann die Geschichte des jungen Attentäters, um dann Fragen an die Zukunft zu stellen.

Auch nach 70 Jahren: Aktueller denn je

Beeindruckend sei jene Kraft, mit der dieses Stück auch mehr als 70 Jahre nach seiner Entstehung noch wirke. Tippett orientierte sich seinerzeit durchaus an Vorbildern wie Händel oder Bach, flocht aber auch fünf amerikanische Spirituals ein.

Einfach ist die Musik dennoch nicht, aber tief und emotional berührend. "Sie regt uns heute noch zum Nachdenken an", so Albrecht Koch. Zudem reizt ihn die ungemein aufregende Orchestrierung. Neben Solisten ist bei der Aufführung auch die Mittelsächsische Philharmonie dabei.