Ein Ort der Ruhe und Besinnung

Friedhof Nicht nur am Totensonntag wird an die Verstorbenen gedacht

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Die mächtige 134 Jahre alte Lutherlinde spendet im Sommer Schatten für die Gräber. Foto: Andrea Funke

Milkau. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen bestimmte 1816 den letzten Sonntag vor dem 1. Advent, zum "allgemeinen Kirchenfest zur Erinnerung an die Verstorbenen". In vielen Kirchen wird am Totensonntag im Gottesdienst an die Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahres gedacht. Zu den verbreiteten Bräuchen gehört es, die Gräber mit Gestecken oder Blumen zu schmücken, so auch auf dem Milkauer Friedhof in der Gemeinde Erlau.

"Das genaue Alter von Kirche und Friedhof ist nicht bekannt, da beim Brand 1616 das gesamte Pfarrarchiv vernichtet wurde. Der Wiederaufbau von Kirche, Pfarre und Rittergut Großmilkau erfolgte zwei Jahre später", fand Heimatforscherin Berit Wittke heraus. Milkau ist eine der vier Kirchgemeinden, die zum Kirchspiel Erlau gehört. "Durch die Friedhofsgebühren finanziert sich der Friedhof. Die Gebührenanpassung richtet sich nach der Anzahl der Grablager", erklärt Mitarbeiterin Kerstin Schulze. Die Kirche übernimmt die Bestattungspflicht auch für nicht kirchliche Verstorbene und wäre ganz froh über eine jährliche finanzielle Zuwendung seitens der Gemeinde.

Auf dem Friedhof befindet sich die Grabstätte von Otto Sailer Jackson (1884-1971), einem berühmten Dompteur und Tierfreund. Bis 1910 lebte er als Tierkäufer in Afrika, danach wurde er Tierlehrer für Elefanten, Eisbären, Löwe und Tiger. Berühmt wurde Jackson durch seine zahme Dressur in verschiedenen Zirkusunternehmen. Etwas Besonders sind auch die drei Pfarrergräber von Fürchtegott Curt Starke (1857-1928), William Lindemann (1886-1923) und Karl Hoppe (1870-1934), die ein ewiges Ruherecht in Milkau haben. Beim Einbau einer Heizungsanlage 1909 in die Kirche wurden elf Einzelgrüfte freigelegt. Zwei gut erhaltene Grabplatten von Georg Christoph von Milckau auf Rittergut Kleinmilkau (1572-1634) und seiner Ehefrau Maria Magdalena von Milckau (zirka 1584-1643) befinden sich nun an der Ostseite.

Mitglieder des Heimatvereins planen eine Neugestaltung der alten Kriegsgräber. Fünf befinden sich am Friedhofseingang. In vier davon liegen im Krieg Gefallene von 1942 bis 1945. Im fünften Grab befinden sich die sterblichen Überreste von mehreren Strafgefangenen aus Waldheim, die freiwillig sogenannte "Blindgänger" entschärften um dadurch einen Teil ihrer Strafen erlassen zu bekommen. Im Oktober 1944 blieb eine Bombe zwischen Großmilkau und Obstmühle in der Straße stecken und explodierte erst beim Versuch sie zu entschärfen. Anlässlich des 400. Geburtstages vom Reformator Martin Luther wurde 1883 eine Lutherlinde auf dem Friedhof gepflanzt.