"Einkaufszentrum mit Anziehungskraft"

Interview mit OB Barbara Ludwig

Das Chemnitz Center in Röhrsdorf gehört zur Stadt Chemnitz. Zum 20-jährigen Jubiläum sprach Steffi Hofmann mit Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig über die Bedeutung des Einkaufscenters und die generelle Marktentwicklung in Chemnitz.

Seit 20 Jahren strömen die Menschen ins Chemnitz Center. Welche Bedeutung hat das Center für die Stadt?

Das Chemnitz Center ist nicht nur den Chemnitzerinnen und Chemnitzern ein Begriff, sondern auch vielen Anwohnern der Region. Es ist seit Eröffnung vor 20 Jahren Sachsens größtes Einkaufscenter. Sieben von zehn Kunden im Center stammen aus dem Umland. Angebot, Verkehrsanbindung, Erlebnischarakter - vieles kommt an diesem Ort zusammen. Mit circa 86.000 Quadratmetern Verkaufsfläche, 75 Mietern und 25.000 bis 30.000 Besucherinnen und Besuchern pro Tag hat das Chemnitz Center eine erstaunliche Größe erreicht. Und nicht zuletzt ist das Center ein wichtiger Arbeitgeber.

Frau Ludwig, wie sehen Sie die generelle Entwicklung von Einkaufsmärkten in Chemnitz?

Die Chemnitzer Einzelhandelslandschaft hat sich seit 1990 grundlegend gewandelt. Die Verkaufsfläche hat sich bis heute mehr als verfünffacht. Große Shopping-Center am Rande von Großstädten waren Anfang der 1990er Jahre noch Trend. Vergleichsweise gering fällt der Anteil an Verkaufsflächen in der Innenstadt aus. Mit lediglich 11,3 Prozent liegt Chemnitz weit unter dem Wert von anderen Städten wie beispielsweise Magdeburg mit 20 Prozent oder Halle mit 28 Prozent.

Unsere Priorität liegt auf einer Stärkung des Einzelhandels in der Innenstadt. Dafür haben wir mit dem Zentrenkonzept auch eine gute Grundlage geschaffen. Ob es Shopping-Center sein müssen oder eine Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Einkaufen besser geeignet ist, um Freiflächen zu beleben, hängt vom Standort ab. Auf jeden Fall können Einkaufszentren in Innenstädten einen wichtigen Beitrag in der Stadtentwicklung leisten. Und der Trend, dass Shoppingcenter sich in Innenstädten und Stadtteilzentren ansiedeln, nimmt zu.

Wie steht es mit dem Konsumverhalten der Chemnitzer? Wäre Chemnitz ohne Chemnitz Center überhaupt denkbar?

Die Kaufkraft liegt in Chemnitz - wenn auch knapp unter dem Bundesdurchschnitt - deutlich über dem sächsischen Durchschnitt. Eine aktuelle Studie des Marktforschungsunternehmens GfK Geomarketing prognostiziert für Chemnitz in diesem Jahr immerhin einen Einzelhandelsumsatz von 1,4 Milliarden Euro. Die Anziehungskraft des regionalen Einzelhandels bewerten sie mit einem Wert von 123,5. Werte über 100 stehen dabei für einen Kaufkraftzufluss, Werte unter 100 für einen Kaufkraftabfluss. Es kaufen also mehr Menschen bei uns ein, als dass die Chemnitzerinnen und Chemnitzer zum Einkaufen woanders hinfahren. Ich denke, wir können uns darüber freuen, dass es mit dem Chemnitz Center ein Einkaufszentrum gibt, das Anziehungskraft auf die Region und das Umfeld hat, und gleichzeitig eine lebendige, charakteristische Stadtmitte in den vergangenen Jahren entstanden ist.