Erinnerungskultur wandelt sich

Gedenken Sonderausstellung "Kinder im Holocaust" im Freiberger Theater

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Eröffnete mit jüdischer Musik die Ausstellung: Silviu Dragus, Cellist der Mittelsächsischen Philharmonie (l.). Intendant Ralf-Peter Schulze (M.) hört dabei zu. Foto: Wieland Josch

Freiberg. Unendlich tiefe Trauer spricht aus der Komposition des jüdischen Musikers Ernest Bloch. Silviu Dragus, Cellist der Mittelsächsischen Philharmonie, spielt das Stück "Flehen" aus dem Zyklus "Jüdisches Leben" zur Eröffnung einer Sonderausstellung im Mittelsächsischen Theater Freiberg.

Der Tag dafür ist passend gewählt: der 27. Januar, an dem in Deutschland der Millionen ermordeter Juden gedacht wird. "Kein Kinderspiel - Kinder im Holocaust. Kreativität und Spiel" heißt die Ausstellung, die in Wort und Bild Leben und Szenen zeigt von jüdischen Kindern, deren normales Leben oft brutal endete, weil sie starben oder weil sie unsagbares Leid erfahren mussten. Entwickelt wurde die Ausstellung von der Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel im Holocaust Yad Vashem.

Es ist der Freiberger Geschichtswerkstatt zu verdanken, dass die vorhandenen Tafeln um sechs weitere ergänzt werden konnten, auf denen Schicksale nachzulesen sind, welche in enger Verbindung mit der Stadt stehen. Dadurch kommen die Geschehnisse noch näher heran an den Betrachter, berühren zusätzlich. Ralf-Peter Schulze, Intendant des Mittelsächsischen Theaters, machte in seiner Eröffnungsrede eine besondere Verpflichtung deutlich, angesichts der Tatsache, dass die letzten Zeitzeugen bald nicht mehr leben werden.

"Es ist wichtig, neue Wege zu finden, um die Erinnerung wachzuhalten", sagte er. "Es obliegt jetzt uns, den Nachgeborenen, die Erinnerung wachzuhalten." Gerade jetzt sei es wichtig, da ein neuer Streit um die Erinnerungskultur aufkomme. "Das Abstreifen der Geschichte bedeutet die Gefahr neuer Untaten", so Schulze eindringlich. Die Ausstellung zeige die Geschichte des Überlebens in einer furchtbaren Zeit. Der Raub der Kindheit ist nur ein weiteres Verbrechen, welches deutschen Ursprungs war. Die Texte und Bilder geben Auskunft über einzelne Schicksale, aber auch über die Zusammenhänge. Sie lassen nicht gleichgültig, rufen immer noch Fassungslosigkeit hervor, erzählen von Leid und Tod, aber auch von Hoffnung und Rettung.

Die Ausstellung ist noch bis zum 15. Februar zu sehen.