Erst Verbrecher, dann Polizist - Pensionierter Beamter erzählt

Lesung Gelungener Auftakt ins Veranstaltungsjahr der Stadtbibliothek Mittweida

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Ex-Kommissar Siegfried Schwarz signierte nach seiner Lesung noch zahlreiche Bücher. Etwa 50 Zuhörer kamen zur Auftaktveranstaltung in die Stadtbibliothek Mittweida. Foto: Dennis Heldt

Mittweida. Die Winterzeit ist Lesezeit. Das bestätigte sich am Sonntagnachmittag in der Stadtbibliothek Mittweida. Der Auftakt in das Veranstaltungsjahr der Bibliothek war ein voller Erfolg. Die erste Lesung war ausverkauft: "Wir konnten uns über etwa 50 Zuhörer freuen, unser Lesesaal war damit bis auf den letzten Platz gefüllt", sagte Katrin Knobloch, die Leiterin der Stadtbibliothek.

Vorgelesen hatte am Sonntagnachmittag der Ex-Kriminalist und frühere Leiter der Mordkommission Halle, Siegfried Schwarz. Knapp 90 Minuten zitierte der 81-Jährige aus seinem zweiten Buch "Der Makronenmord". Darin geht es aber nicht nur um diesen Mordfall, sondern auch um sechs weitere, spannende Kriminalfälle, an denen Schwarz in seiner beruflichen Laufbahn mitgearbeitet hatte. Egal ob Serienmörder oder Beziehungstat, Siegfried Schwarz hat als Kommissar nahezu alles gesehen. Die Zuhörer durften dabei auch mehr über das Privatleben des in Schlesien geborenen Autors erfahren. "Zur Polizei wollte ich eigentlich nie, ich bin durch ein Horoskop, das ich in einer westdeutschen Illustrierten einmal gelesen hatte, auf den Gedanken gekommen", erzählte Schwarz. Sein Besuch am Sonntag in Mittweida war jedoch kein Zufall: "Ich habe fünf Jahre hier in der Stadt gelebt. Nach dem Krieg sind wir als Flüchtlinge über Dresden nach Mittweida gekommen", so der pensionierte Kommissar.

In dieser Zeit als Jugendlicher sei er das Gegenteil eines Polizisten gewesen: "Ich wurde vom Kriminellen zum Kriminalisten. Bedingt durch Versorgungsengpässe habe ich mit einigen Freunden in und um Mittweida gestohlen was das Zeug hält." Immer wieder erzählte Siegfried Schwarz seinen Zuhörern Anekdoten aus dem Umfeld seiner Tätigkeit bei der Mordkommission. So zum Beispiel auch die "psychologische Betreuung" nach grauenhaften Morden: "Wir hätten uns eine Betreuung durch Psychologen damals gewünscht, aber die gab es nicht. Als Alternative habe ich alle aus meinem Team nach einem Fall in eine Kneipe eingeladen und wir haben uns den Kopf freigesoffen", berichtete Siegfried Schwarz. Die nächste Lesung der Stadtbibliothek findet am 7. April statt, dann liest der Schauspieler Walter Plathe aus seiner Autobiografie "Ich habe nichts ausgelassen", der Eintritt dafür kostet 15 Euro.