Ex-Diplomat zu Gast im Schloss

Gespräch Hans Otto Bräutigam hinterlässt nachhaltigen Eindruck

Lichtenwalde. Auch die dritte Auflage der Gesprächsreihe "Zu Gast im Schloss" stieß auf reges Interesse. Über 80 Zuhörer wollten erfahren, was der ausgewiesene Experte deutsch-deutscher Politik Hans Otto Bräutigam, der von 1982 bis 1989 Ständiger Vertreter der BRD bei der Regierung der DDR war, zu berichten hatte. Und sie lernten einen Mann der leisen, der differenzierten Töne kennen, einen, der nichts über einen Kamm schert, und Menschen schon gar nicht. Ein Mann des geschliffenen Wortes, bei dem man nie auch nur einen Hauch der Arroganz dessen spürte, der aus dem anderen Deutschland kommt. Und der selbst dem Moderator bei einem Bohley-Zitat sein Recht auf Irrtum zugestand.

Manchmal wird von Architekten der Einheit gesprochen. In diesem Bild bleibend war Hans Otto Bräutigam ein begnadeter Bauingenieur, der wusste, an welchen Schrauben zu drehen war, um die Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten im Sinne der Menschen zu verbessern. Er war an der Ausarbeitung zahlreicher Verträge und Vereinbarungen beteiligt und diente drei Bundeskanzlern: Er bewunderte Brandt, hat zu Schmidt noch heute ein gutes Verhältnis und Kohl eher selten getroffen, weil der die eigentliche Deutschlandpolitik seinen Staatsministern Jenninger und vor allem Schäuble überließ. Bräutigam erzählte einiges von dem, was hinter den Kulissen lief und verriet, dass er selbst nicht an eine baldige Wiedervereinigung glaubte. Zwar habe er schon im Herbst 1988 die Krise gespürt, aber nicht mit diesen Folgen gerechnet. Fazit: Ein aufschlussreiches Gespräch, und Dietmar Kellers nächste Gäste lassen eine ähnliche Qualität erhoffen.