Experte ist überzeugt: Barkas ist einem Porsche überlegen

Zum Stadtfest in Frankenberg treffen sich die Freunde von Barkas- und Framofahrzeugen- Sogar Schweizer sind dabei

Frankenberg/Sa.

Was verbindet einen Elektromeister, einen Zerspanungsfacharbeiter und einen Bestatter ? Sie sind alle Fans des Barkas-Kleintransporters, der einst in der DDR gebaut wurde und dessen Wiege mit der Marke Framo in Frankenberg stand. Anlässlich des Stadtfestes der mittelsächsischen Kommune versammelten sich die Liebhaber dieser historischen Fahrzeuge an der Zeit-Werk-Stadt und machten im Rahmen einer Fahrzeugparade in der Innenstadt auf sich aufmerksam.

Neben vielen stolzen Besitzern diverser Mobile ließen es sich auch einige ehemalige Mitarbeiter des Barkas-Werkes nicht nehmen, sich die PS-Geschichten anzuhören und über die Technik zu fachsimpeln.

Kindheitserinnerungen und große Leidenschaft

So hatte Stephan Malt einst gehört, dass sein Vater nach der Wende einen Barkas für eine D-Mark gekauft hatte. „Wir benutzen ihn damals für den Umzug und als Transporter für den Hausbau. Daraus entwickelte sich eine große Liebe zu diesen Autos“, sagte der gelernte Zerspaner. Er sei mit seinem Auto durchaus einem Mercedes oder Porsche überlegen. „Wenn ich meine Kinder von der Schule abhole, schaut sich niemand nach den super- teuren Wagen um. Hingegen wird mein B 1000 fotografiert und mir zugewunken“, lachte der Geithainer.

Vom Schrotthaufen zum Schmuckstück

Sein Barkas-Kumpel Olaf Müller wollte als Handwerker immer ein Pritschenfahrzeug haben, konnte sich diesen Traum aber erst als Hobby weit nach der Jahrtausendwende erfüllen. Er erwarb einen Viertakt-Barkas, den Müller ursprünglich als einen „Schrotthaufen“ bezeichnete. Es folgten unzählige Aufbaustunden und ein nicht unwesentliches finanzielles Engagement, um daraus wieder ein Schmuckstück zu machen. „Mit diesen Autos verbinde ich Kindheitserinnerungen und ein Stück Lebensgefühl von früher“, erklärte der Unternehmer aus Delitzsch.

Ein Barkas auch für den Beruf

David Rodigast kann für sich in Anspruch nehmen, einen seiner Barkas -Autos auf Wunsch auch für berufliche Zwecke nutzen zu können. „Mein erstes Fahrzeug dieser Art war ein Bestattungsfahrzeug, dass noch heute einsatzbereit ist“, ist vom Fachbestatter aus Kulkwitz bei Leipzig zu erfahren. Gemeinsam mit seinen Freunden sei er nicht nur bei den Barkas/Framo-Treffen in Frankenberg und Hainichen Stammgast. „“Die Teilnahme ist für uns ein Pflichtprogramm. Schließlich sind wir alle vom Barkas-Fieber befallen“, so Rodigast.

Mit dem Barkas aus der Schweiz nach Frankenberg

Die weiteste Anreise dürften Sandra Lenzin und Martin Oppliger aus Windisch im Kanton Aargau//Schweiz gehabt haben. Sie fuhren mit einer Ausführung der ehemaligen Volkspolizei vor. „Ich hatte das Fahrzeug im Internet gesehen, wusste nicht, was es für ein Typ ist, fand es aber sofort süß. Dann habe ich meinem Mann gesagt, dass ich es brauche. Er hat sich nicht gewehrt“, erzählte die Schweizerin schmunzelnd über ihre zweite große Liebe. Vor einigen Jahren unternahmen sie mit dem Barkas-Kleinbus eine sechswöchige Tour durch den Osten. Sie sahen unter anderem den Spreewald und den Ostsee-Strand. Jetzt folge der nächste Urlaub in der Region. „In Frankenberg sind wir das erste Mal. Die Leute hier sind sehr aufgeschlossen“, stellte Martin Oppliger fest. Nach dem Treffen wolle er gemeinsam mit seiner Partnerin das Erzgebirge erkunden.

Mit dem Framo zurück in die Vergangenheit

Deutlich kürzer war der Weg für Bernd Planitzer. Er rollte aus Auerswalde mit einem Framo V 500, Typ Chemnitz aus dem Jahr 1938 zum Treffen an. „Nach 1990 habe ich mit meinem Vater dieses Fahrzeug erworben. Es war zwar komplett, aber verrostet und verbeult. Nach einer längeren Pause haben wir uns an den Wiederaufbau gemacht“, berichtete der Maschinenbauingenieur.

Stadtfest geht bis Sonntag weiter

Insgesamt zählten die Gastgeber weit über 100 Fahrzeuge, die auf dem Platz am Erlebnismuseum der Stadt Frankenberg geparkt wurden. Das Stadtfest läuft noch bis 14. Juni. Am heutigen Party-Samstag sorgt ab 20.30 Uhr Herr Schmidt mit Live-Musik für beste Stimmung. Zum Abschluss geht es am Sonntag von 14 bis 19 Uhr auf dem Markt noch einmal richtig rund.

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