"Falsche Impulse wurden gesetzt"

Interview mit Steve Johannes Ittershagen zur Asylsituation

Die Zahl der Asylbewerber nimmt stetig zu. Zur Einschätzung der Situation sprachen wir mit dem Landtagsabgeordneten Steve Johannes Ittershagen (CDU).

Wo sehen Sie vor Ort die derzeit dringlichsten Aufgaben?

Es ist eine drastische Verringerung des Zustromes notwendig. Nur so kann die Überforderung unserer Kommunen abgemildert werden. Es ist davon auszugehen, dass demnächst Flüchtlinge und Migranten auch in die ländlichen Kommunen verteilt werden. Dabei muss darauf geachtet werden, dass etwa Turnhallen von einer Belegung ausgenommen bleiben.

An welcher Stelle sehen Sie Versäumnisse?

Es wurden zum Teil falsche Impulse gesetzt. Die Menschen, die sich zu uns auf den Weg machen, haben völlig falsche Vorstellungen. Enttäuschung führt automatisch zu Konflikten. Fehler sind auch in der Kommunikation mit unserer Bevölkerung auszumachen. Politik und Verwaltung müssen rechtzeitig informieren und die Betroffenen vor Ort einbinden. Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass die Menschen unserer Region verunsichert sind. Selbst Bürger, die sich ehrenamtlich um die Flüchtlinge und Migranten kümmern, sind teilweise desillusioniert. Es entsteht häufig der Eindruck, das Problem sei nicht mehr beherrschbar. Ich kann aber sagen, dass alle, die an den Entscheidungen beteiligt sind, ihr Bestes geben, um die Lage in den Griff zu bekommen.

Sind für Sie bei der Integration Fortschritte erkennbar?

Eine Vielzahl von Menschen kümmert sich um die zuströmenden Migranten, das verdient Respekt. Aber es braucht auch ein zentrales und schnelles politisches Handeln, ein in sich geschlossenes Integrationskonzept auf der Basis von Fördern und Fordern. Da sind jedoch noch zentrale Fragen offen, zum Beispiel, wie die Integration in den Arbeitsmarkt erfolgt.

Haben auch Sie Sorgen angesichts der Situation?

Ja, durchaus. Unsere Gesellschaft ist offen, freundlich und tolerant. Grundlage dessen ist die bestehende Normen- und Rechtsordnung, an die sich jeder halten muss. Wir werden nicht in Gefahr geraten, an der Integrationsaufgabe zu scheitern, sondern an der erdrückenden Menge der Migranten. Darum ist eine Begrenzung sinnvoll und notwendig. Um die Herausforderung zu meistern, bedarf es besonders der Zustimmung und Einbindung unserer Bevölkerung.