Feierliche Einweihung: Drei neue Glocken für Bieberstein

Einholung Hilliger-Glocken bekamen traditionellen Empfang

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Wie seit alter Zeit wurden die Glocken mit dem Pferdefuhrwerk gebracht. Selbst das schlechte Wetter konnte die Menschen nicht davon abhalten, den Zug zu begleiten. Foto: Wieland Josch

Bieberstein. Es kommt nun wahrlich nicht alle Tage vor, dass die Kirche eines kleinen Ortes ein neues Geläut erhält. Und deshalb konnte selbst das schmuddelige Wetter am Ostermontag die Bewohner des Reinsberger Ortsteils Bieberstein nicht davon abhalten, den drei Hilliger-Glocken das Geleit zu geben, die nun bald wieder im Ort zu hören sein werden.

Traditioneller Empfang der Glocken

Ganz auf traditionelle Weise, wie in alter Zeit, wurde das Geläut, von denen die mittlere Glocke ein restauriertes Original von 1475 ist und die zwei anderen Nachschöpfungen von 2017, auf einem Pferdewagen bis vor die Kirche gefahren und dort in Empfang genommen.

Möglich wurde all dies durch das Engagement der Gemeinde, aber auch des Hilliger-Vereins und der Ostdeutschen Sparkassen-Stiftung. Für die neuen Glocken schuf die Firma Direkt Form im Gewerbegebiet Freiberg Ost die Formen, gegossen wurden sie im Sächsischen Metallwerk Freiberg.

15. Jahrhundert, 50er Jahre und 2017

Schon zwei Tage bevor die Glocken für das Biebersteiner Geläut ihren Bestimmungsort erreichten, war die Aufregung in der Gemeinde riesengroß. Bedenkt man, dass lediglich in den 1950er Jahren einmal zwei stählerne Glocken auf den Turm gezogen wurden, welche die im Krieg zerstörten Originale notdürftig ersetzten, so fand die letzte feierliche Glockeneinholung wohl im 15. Jahrhundert statt, als das historische Geläut aus der Werkstatt Nikol Hilligers seinen Platz einnahm.

Gemeinsam mit rund 15 Gemeindemitgliedern hat Michaela Leuter den Pferdewagen festlich geschmückt. "Das gehört sich ganz einfach so", strahlt sie und ist am Tag der Einholung intensiv damit beschäftigt, gemeinsam mit Holger Küchenmeister von der Freiwilligen Feuerwehr, der den Gabelstapler bedient, und Roberto Hertel, Vorarbeiter des Reinsberger Bauhofs, die Glocken sorgsam vom Wagen zum Kirchhof zu befördern.

Dort wartet schon ein starker Balken auf sie und eine nach der anderen wird daran aufgehängt. Dass bei all den Aktivitäten die Hofmauer eine Schmarre bekommt, ist erst einmal nicht so wichtig.

Die Einholung glich einem Volksfest

"Es ist ein Gefühl von Dankbarkeit und Erleichterung gleichermaßen", sagt Volker Haupt, Vorsitzender des Hilliger-Vereins, ohne dessen Organisation und Einsatzwillen wohl das Projekt nicht zustande gekommen wäre. "Es ist schön, dass nun alles so gut geklappt hat."

Auch André Grosa, Kirchenvorsteher von Bieberstein, zeigt sich glücklich. "Am meisten beeindruckt mich die Anteilnahme der Gemeinde", so Grosa. "Selbst bei bestem Wetter hätte ich nicht so viele erwartet." Die Bürgermeister von Reinsberg und Großschirma ließen es sich nicht nehmen, dabei zu sein, und auch die Stadt Freiberg, in welcher nun die Glockengießertradition vergangener Jahrhunderte wieder auflebt, sandte einen Vertreter.

Die Einholung glich einem fröhlichen kleinen Volksfest. Beim Gottesdienst zum Ostermontag wurden die Glocken dann eingesegnet und es durften verdienstvolle Gemeindemitgliedern durch Anschlagen dem Geläut die ersten Töne entlocken. Am Dienstag wurden die drei Glocken auf den Turm verbracht, wo sie zu Pfingsten das erste Mal über der Gemeinde wieder zu hören sein werden.